Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 39-40 (19.5.1904)
- Date
- 1904-05-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Das zweite Jahrbuch ist bereits in Vorbereitung; es wird wiederum Beiträge bedeutender Gelehrter enthalten und voraussichtlich, etwas früher als das vorjährige, vor Schluß des Jahres erscheinen. In Hamburg hat sich im abgelaufenen Jahre ein Lokalconiitö gebildet, an dessen Spitze Herr Oberrabb. Hirsch steht, und das mit großem Erfolg die Propaganda in Hamburg und Altona bethätigt hat. Andere Lokalcomit6s sind in der Bildung begriffen: inzwischen ist aber auch, ohne daß die persönliche Propaganda bisher ausgenommen werden konnte, die Zahl der auswärtigen Mitglieder weiter gewachsen. Demgemäß lieferte auch der vom Kassirer erstattete Bericht ein im allgemeinen erfreuliches Bild guter Entwicklung. Immerhin ist aber die bisher geleistete Arbeit, wie beide Berichterstatter betonten, erst der Anfang dessen, was der JLd.-Lit.-G.esell. als Ziel ihres Strebens gesetzt ist und bedarf dieselbe zur Lösung der umfassenden Arbeiten auch eine Steigerung der finanziellen Kräfte. Die Diskussion ergab die Zustimmung der Versammlung. Einige Anregungen aus deren Mitte, betr. äußere Ausstattung des Jahrbuches, wurden vom Vorstand dankend entgegengenomwen und ihre Berücksichtigung zugesagt. Der geschäftliche Theil schloß mit der Mahl der Revisoren. Dem geschäftlichen Theil war satzungsgemäß ein wissenschaftlicher Vortrag vorausgegangen. Herr Rabbiner Dr. Bon di aus Mainz sprach über den Siddur des Gaon Saadia und berichtete auf Grund seiner Arbeiten nach dem Manuskript der Vodleiana und seinen Forschungen in den aus der Kairo-Geniza stammenden Fragmenten über den Inhalt und die Anordnung dieser ältesten uns erhaltenen Gebetordnuna, sowie über das hohe Interesse, das sie nicht nur für den Erkorslber der hebräischen Poesie, sondern auch für denjenigen biete, der sich mit der Halacha beschäftigt. Der Vortraa wird demnächst im Druck erscheinen; es wird dann. Gelegenheit gegeben sein, seine wissenschaftlichen Ergebnisse näher zu würdigen. Paderborn. In der israelitischen Waisen-Erziehungs-Anstalt für Knaben und Mädchen aus Mestvbalen und Rheinland waren im verflossenen Jahre 47 Zöglinge, hiervon waren 23 aus Westphalen und 24 aus der- Rheinprovinz. , Karlsruhe, 16. Mai. Gestern wurde in allen hiesigen katholischen Kirchen bekannt gegeben, daß zur Verhütung großer Unannehmlichkeiten zur Darnachachtung mitgetheilt wird, jedem katholischen Christen sei.es.strenasiens verboten einem Feuerbestattungsverein als Mitglied beizuireten und den eigenen Leichnam, oder den eine? anderen, verbrennen zu lassen. Der katholische. Priester muß. jede Vetheiligung . bei der LeichrnNkrbreunung, oh im Krematorium, in der Friedhosskavelle oder im Trauerhausr. ablehnen. Eine Zuwiderhandlung habe kirchliche Nachtheile zur Folge. Die religiöse Gesetzeswidrigkeit sollte auch von israel. R'eligionsbehvrden bekannt gegeben werden. Ungarn. Temedvar. Mit welchen Mitteln unsere Reformer kämpfen, möge folgender Vorfall illustriren. Ein Jude heirathete eine Christin. Die dieser Ehe entstammten Knaben wurden im jüdischen, die Mädchen im christlichen Glauben erzogen. Als nun im Vorjahre ein sechsjähriger Sohn dieses Mannes starb, lehnte unser Herr Rabbiner, B. Schück, nicht nur seine Mitwirkung beim Begräbnisse ab, sondern verbot auch, wie selbstredend, die Beerdigung des Kindes im jüdischen Friedhofe. Unser Herr Rabbiner ist seit dieser Zeit den größten Verfolgungen seitens der Reformer ansgesetzt. In einem Werke, pn m betitelt, weist nun Herr Rabbiner Schück die Berechtigung seines Standpunktes nach. Dieses Werk machen unsere Reformer zum Gegenstände ihrer unerhörten Angriffe. In einer antisemitischen Zeitung wühlen sie gegen die Orthodoxie, verleumden sie als Finsterlinge und stellen sie als staatsgefährlich hin. Diese Kampfesweise kennzeichnet unsere Neologen besser, als alles andere. Aber wir. scheuen auch diesen Kampf nicht, noxn pxo ne«. S. Rußland. Petersburg. (Die russischen Juden als Patrioten.) Obwohl die russische Regierung seit einem Vierteljahrhundert alles thut, um den Juden ihre russische Heimath zu verekeln und jeden patriotischen Funken in ihren Herzen zu ersticken, bat doch der Ausbruch'des Krieges im fernen Osten zur Evidenz gezeigt, daß trotz der noch frischen Erinnerung an Kischinew und Homel den Juden noch ein starker Rest von Patriotismus übrig geblieben ist und in ihrer Brust eine schier unauslöschliche Liebe für ihr Stiefmütterchen Rußland glüht. Gleich nach Ausbruch des Krieges wurden in allen Städten und Städtchen Gottesdienste nebst Predigten veranstaltet, um bei den jüdischen Massen das patriotische Gefühl zu steigern. Von da ab wird an jedem Samstag in manchen Städten sogar täglich ein spezielles Gebet für den Sieg der russischen Waffen und das Wohlergehen von Heer und Flotte verrichtet. Es braucht kaum erwähnt zu werden, daß die Juden Rußlands sich nicht allein mit Beten begnügen, sondern sich mit Gut und Blut auch werkthatig am Kriege betbeiligen. ' Die freiwilligen Sammlungen für das Rothe Kreuz nehmen, unter den Juden des Ansiedlungsrayons Dimensionen an, wie sie selbst bei. de» im vorigen Jahre vorgenommenen Sammlungen für Kischinew nicht erreicht wurden. Eine von uns nach dm jüdischen Blättern vorgenommene Zusammenstellung ergab, daß allein für die ersten drei Wochen des Monats. Februar in elf jüdischen Gemeinden nahezu eine Viertelmillion Mark gesammelt wurde. Dazu kommen noch