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Der Israelit · 1904-05-16 · Heft 38 (16.5.1904) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 38 (16.5.1904)
Date
1904-05-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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818 Hebräisch, Philosophie, jüdische Geschichte und Litterarur. Es finden nebenbei auch allgemeine Fortbildungskurse statt, die die neu ankommenen Schüler für die staatliche Reifeprüfung vorbereiten. Die Anstalt, die einerseits für die jüdischen Gemeinden Frankreichs Rabbiner vorbereitet, andererseits den jungen, Wissensdurstigen Männern ermöglicht, ihr Ziel zu erreichen, ist in jeder Beziehung höchst interessant, und wünschen ] wir all den Männern, die sich um sie verdient gemacht i haben, viel Glück und frohen Muth, ihr Werk fortzu-! setzen. Pi. Rußland. > Kischinew. Ein weißer Rabe unter seinen russi- scheu Kollegen ist der Gouverneur von Beffarabien,! Fürst Urussow. Neuerdings hat sein Amtsblatt den! folgenden Erlaß an die Geistlichkeit publizirt: „In letzter Zeit sind vielfach Nachrichten darüber eingelaufen, daß übelgesinnte Personen unter dem einfachen Volke Gerüchte verbreiten, wonach die Juden überhaupt, darunter auch die bessarabischen, sich übelwollend gegen die Regierung verhalten, daß sie Geld sammeln und es nach Japan senden; ferner werden andere lügnerische Nachrichten über die Hauolungen der Juden verbreitet, wodurch das einfache Volk gegen diese aufgebracht wird. Ohne über die Ungereimtheit dieser Gerüchte ein Wo'rt zu verlieren, erwähne ich, daß die Juden in Bessarabien seit dem Beginn des Krieges eine ebenso große Bereitwilligkeit an den Tag legen, dem Vaterland zu dienen, wie die übrige Bevölkerung, und diese Bereitwilligkeit auch durch die Versicherung treuunterthänigster Gefühle für den Thron äußern, wofür sie, nach einem untertänigsten Bericht, der Allerhöchsten Dankbarkeit gewürdigt wurden; ebenso äußern die Juden ihre Vaterlandsliebe durch ihre Spenden zum Besten der Kranken und Verwundeten im fernen Osten. Wenn die oben erwähnten Gerüchte, ohne widerlegt zu werden, in's Volk dringen, so kann sich leicht die Ueberzeugung festsetzen, daß sie begründet seien, was wiederum ohne Zweifel einen Haß gegen die Juden Hervorrufen kann, der leicht ähnliche Ausschreitungen veranlassen könnte, wie sie im April vorigen Jahres statifanden. Zur Vorbeugung von Unordnungen habe ich die Ehre, Ew. Ehrwürden zu fragen, ob Sie es nicht für möglich halten, daß die Geistlichen in den Kirchen und bei jeder Gelegenheit das Volk aufklären und in ihm das Bewußtsein erwecken, daß sich die Juden zu den Ereignissen im fernen Osten mit denselben Gefühlen verhalten, von denen auch die übrige Bevölkerung erfüllt ist, und gleich dieser gern und freiwillig ihre Beiträge zur Erleichterung des Looses der Krieger im fernen Osten darbringen. Ueber die Verfügung, welche Sie in dieser Angelegenheit treffen, bitte ich, mich in Kenntniß zu setzen." Auf dieses Schreiben erließ der Bischof des Sprengels nachstehende Resolution an das Konsistorium zur sofortigen Beachtung: „Den Geistlichen aller Kirchen der Eparchie ist durch Rundschreiben mitzutheilen, daß sie bei jeder Gelegenheit ihre Gemeindemitglieder darüber uufzuklären haben, daß sich die bessarabischen Juden zu den Ereignissen im fernen Osten ebenso wie die übrige Bevölkerung verhalten und auch wie diese freiwillig Opfer bringen. Was die von übelgesinnten Personen verbreiteten Gerüchte anbetrifst. wonach die Juden Geld für die Japaner samnieln sollen, so sind diese Gerüchte absolut unbegründet. Schließlich wird den Geistlichen vorgeschrieben. Aeußerungen eines feindlichen Verhaltens gegenüber den Juden sofort zur Kenntniß der Eparchialobrigkeit zu bringen." Feuilleton ^Rcrhrheit und Dichtung. Von Friedrich Rott. ,42 Damit sich seine Tochter während seiner Abwesenheit nicht zu einsam fühle, hatte er sie zu der Familie Müller gebracht, dort weilte sie gern und unter bestem Schutz, bei seiner Heimkehr wollte er sie von dort abholen. Die beiden Freundinnen waren recht von Herzen froh, wieder einmal zusammen sein zu können und alle ihre kleinen und größeren Erlebnisse mündlich zu besprechen. Trotzdem hing Frieda weinend an des Vaters Hals, als dieser sich von ihr verabschiedete. „Laß mich mit Dir reisen. Papa." bat sie unter Thränen, „nimm mich mit." Er strich ihr liebkosend das feine Haargeringel aus der glatten Stirn. „Wenn es nicht gerade Winter wäre, würde ich Dich gern mitnehmen, aber bei dieser Jahreszeit. Kind, das erscheint mir doch nicht rathsam." „Aber Du wirst mir alle Tage schreiben. Papa, damit ich weiß, wie es Dir geht und wo Du bist." ..Gewiß Kind, gewiß. Aber was hast Du nur? Bin ich denn noch nie gereist?" „Seitdem wir allein wohnen, noch nie." „Das ist richtig, deßhalb habe ich Dich doch auch hierher gebracht. Bei Deiner geliebten Selma und der lieben Frau Müller und alle den andern Lieben wirst Du Dich nicht einsam fühlen." „Einsam werde ich mich freilich nicht fühlen, aber ich wünschte nur. Du wärest erst wieder zurück. So schön wie bei Dir ist es doch nirgends." „Mein liebes, kleines Mädchen, sei versichert, ich komme baldmöglichst zurück. Doch nun muß ich einsteigen, die Thüren werden schon geschloffen. Adieu, liebes Kind! Adieu, liebe Selma!" rief er auch der Freundin seiner Tochter zu, die dieselbe zum Bahnhof begleitet hatte. Hastig stieg er ein. gleich darauf setzte sich der Zug in Bewegung. Grünwald lehnte im

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