Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 37 (11.5.1904)
- Date
- 1904-05-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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798 druck gebracht. Jin Berichtsjahre wurden Zwölf In sassinnen, von denen nur zwei aus Berlin gebürtig sind, verpflegt; die Kosten hierfür beliefen sich Pro Kopf und Tag auf 94 Pfennig. Das Erholungsheim konnte dank der reichlichen Dotirung durch die Stifterin Frau Professor Philippfon allen Äufnahmegefuchen genügen. Bei einer weiteren intensiven Agitation hält der Vercinsvorstand den Zeitpunkt nicht mehr fern, wo der Verein, gestützt auf einen ausreichenden eisernen Fonds, alle seine Räume zur dauernden Besetzung freizugeben vermag. Das Vereinsvermögen beträgt 258,357.94 Mark, hat sich also gegen das Vorjahr um 30,187.67 Mark vermehrt. Aus der Generalversammlung, welche nach form- und fristgerechter Einberufung in der vorigen Woche stattfand, ist nichts Wesentliches zu berichten; das Kuratorium ist durch Zuwahl einiger neuer Mitglieder ergänzt worden. Berlin. Der vor etwa anderthalb Jahren mit der Centrale in Berlin gegründete „Verein für jüdische Statistik" hat eine ungewöhnlich rasche Entwickelung erfahren. Neben den Sektionen des Vereins ist ein selbstständiger „Verein für Statistik der Juden" in Bayern entstanden, ebenso eine,.Society ior Jewisli Statistics“ in England. Auch in Nordamerika ist eine „.American Jewisli Statistical Society in Bildung begriffen. Mehrfach ergriff der Verein die Gelegenheit, die statistischen Aemter verschiedener Länder dahin zu beeinflussen, daß bei den offiziellen Erhebungen die konfessionelle Statistik eingehend berücksichtigt werde. In der jüngst stattgehabten Plenarversammlung wurde die Konstituirung eines Kuratoriums zur Verwaltung der dem Verein zufließenden Fonds beschlossen. Das Präsidium des Kuratoriums bilden: Sanitätsrath Dr. Maretzki als erster. Geheimer Sanitätsrath Dr. Blumenthal als zweiter Vorsitzender; als Mitglieder gehört ihm eine Reihe hervorragender Persönlichkeiten der Berliner Gemeinden an. Im Charakter von korrespondirenden Mitgliedern traten dem Kuratorium die namhaftesten jüdischen Notabeln aller von Juden bewohnten Ländern bei. Das Kuratorium beschloß. ein Eentralbureau für jüdische Statistik zü errichten, und zwar als gemeinsame Schöpfung aller interessirten Faktoren, insbesondere der jüdischen Wohlfahrtsorganisationen und Großgemeinden. Man darf also hoffen, daß die Verhältnisse der verschiedenen Gruppen der jüdischen Bevölkerung, welche bis jetzt vielfach irrig beurtheilt wurden, in nicht allzu langer Frist auf Grund systematischer Untersuchungen sestgestellt werden. Ungarn. M.-KercschcS, Ungarn. (Zur ''«»i- und v' 2vi Feier.) Bekanntlich werden es am nächsten n'eiri-Jahre 800 resp. 700 Jahre, seitdem die '.-v m:xon, die zwei großen Leuchten am Horizonte der jüdischen Wissenschaft, zwei der größten Lehrer des jüdischen Volkes aller Zeiten, die unsterblichen ’"b»i und V'T c-oi ihre segensreiche irdische Laufbahn verlassen haben i cjr:2 rinnt». In mo dernen jüdisch-litterarischen Kreisen wurde vielfach die Frage erörtert, auf welche Art und Weise man diese denkwürdige Jahres-Wcnde würdig feiern könnte, und wurde der Beschluß gefaßt. Festwerke herauszugeben. Das Festwcrk über di 2-21 wird die „Gesellschaft für Förderung der jüdischen Wissenschaft" in Berlin, und das über bi »*Bn der rühmlichst bekannte Ge lehrte S. Buber in Lemberg herausgeben. Es besteht darüber wohl kein Zweifel, daß in beiden Werken viel Wissens-Stoff bearbeitet werden wird; sie werden beide zahlreiche, interessante, lehrreiche, historische, biographische und litterarischr Notizen und Daten enthalten; ja das Festwerk über di 2*22^ sicher lich auch ganz ernstliche philosophisch-wissenschaftliche nicht entbehren wird; es unterliegt aber auch keinem Zweifel, daß das eigentliche Gebiet auf welchem diese zwei unsterblichen Größen gelebt, gewirkt und geleistet haben, nämlich das Gebiet der Talmud- und Halacka Kunde, entweder gänzlich ignorirt, oder — günstigsten falls — sehr mangelhaft und oberflächlich berührt werden wird, lvas bei der Geistes-Richtung der Veranstalter der Festwerke auch nicht zu verwundern wäre. Ich werfe hiermit die Frage auf, ob es nicht angezeigt, ob es nicht recht und billig, ja ob es nicht sogar heilige Pflicht wäre, daß auch das orthodoxe Judenthum sich auf irgend einer Weise an dieser Feier betheiligen soll? Wir orthodoxen Rabbiner und auch private orthodoxer Richtung und Gesinnung, die wir tagtäglich &tlegen heit haben, uns mit den Geistesschähen dieser Ceistcsheroen zu befassen, und dieselben auch in unserem praktisch-religiösen Leben verwerthen und bethcitigen, sollen unthätige, gleichgiltige Zuschauer sein, lvie man in modernen Kreisen das Andenken von Männern feiert, die weit mehr uns als ihnen angeboren? Meiner bescheidenen Ansicht nach wäre die Art und Weise, wie diese denkwürdige Doppel-Jahreswende von orthodoxer Seite und vom orthodoxen Standpunkte zu feiern wäre, die folgende: Es unterziehe sich ein namhafter rrn aus unserer Mitte — j gleichviel, ob fungirender Rabbiner oder Privatier — der zwar schweren, aber verdienstvollen Aufgabe, in Gemeinschaft mit noch einigen n'ri eine Redaktion ebenfalls zur Herausgabe eines — gemeinsamen — und E2*m; Festwerkes zu bilden, nur mit dem Unterschiede, daß y-a pm irnns p daß während das moderne Judenthum das Andenken der in Rede stehenden Größen durch Schaffung von Werken, die kaum den Namen „jüdischer Wissenschaft" verdienen, am besten zu feiern glauben, w i r deren Andenken durch Schaffung eines Werkes, das voll und ganz ihrem Leben, Wirken und Geiste entsprechen würde, feiern mögen.