Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 37 (11.5.1904)
- Date
- 1904-05-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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45. Jahrgang. eilage zu M 37 des „Israelit". Zettuugsuachr'chte« und Correfpsrrdenzerr. Deutschland. Berlin, im Mai. Die betrübende Erscheinung, das; innerhalb des Judenthums die Sabbatentweihung immer mehr um sich greift, ist ebenso beklagenswerth, als beschämend zugleich. Hat doch die Entweihung des Sabbats, dieses Grundgesetzes des Judenthums, den allmählichen Abfall vom Glauben überhaupt im Gefolge. Jede Veranstaltung ist darum freudig zu begrüben, welche eine Besserung in dieser Hinsicht anstrebt. Die bestehenden Schomre-Schabbos-Vereine haben mit ihrer Stellenvermittlung nicht genügend erreichen können. Es ist darum in jüngster Zeit eine Anzahl der hervorragendsten Vertreter der Inden im deutschen Reiche zusammengetreten, welche es als ihre Pflicht erachten, durch geeignete Maßnahmen?.u verhindern, daß der Sabbat noch weiter aus dem Iudenihum schwinde, und eine Verbesserung der einschlägigen Verhältnisse auf realer Grundlage herbeizusühren sich bestreben. Dem vorbereitenden Ausschüsse gehören folgende Herren an: I. Ver. Dr. E. Biberfell), Moritz Dorn, Dr. Eschelbacher, Dr. M. Hildesheimer, Eli Lazarus, Moritz Merzbach, Herrn Rosenbaum, David Struck, sämmtlich in Berlin, ferner Martin Frankel und Aron Kober in Breslau. Direktor Dr. Lange. Hermann Lehmann und Moritz A. Löb in Frankfurt a. M.. Direktor George Marx—Königsberg i. Pr., Sigmund Fränkel-Munchen und .Kirchenrath Dr. Kroner-Stuttqart. Seitens dieses Ausschusses gelangt ein Ausschreiben zur Versendung, in welchem diejenigen, denen die Heiligung des Sabbats, dieser Grundsäule des Judenthums, warm am Herren liegt, zu positimr Mitarbeit aufgefordert und eingeladen werden. Dem Anschreiben ist ein Fragebogen und eine Broschüre brigefügt. Der auszufüllende Fragebogen ist nach Voll' zug an das Ausschussmitglied, Herrn Eli Lazarus-Berlin, Heiliqgeiststraße 15, zu retourniren. Die wichtigsten Momente des Fragebogens bezwecken Erklärungen über Einverständniß mit den bezeichneten Bestrebungen und Bereitschaft zur Mitarbeit über Vorhandensein von Männern gleicher Anschauung im Bekanntenkreise sowie Selbstbestimmung eines Mitgliedbeitrages. Die beigeschlossene Broschüre kann in gewünschter Zahl von Exemplaren zur Vertbeilung versandt werden. Dieselbe handelt zunächst von der Wichtigkeit und Bedeutung der Sabbatinstitution, skizzirt die wesentlichsten Ursachen der um sich greifenden Sabbatentweihung und sucht schließlich Anregungen zu geben, wie mit Muth und Besonnenheit dem Uebel gesteuert werden könne. In erster Linie wird Unterstützung der Thätigkeit der Schomre-Schabbos-Vereiue derart empfohlen, daß sowohl freie Stellen in den am Sabbat feiernden Geschäften, als auch stellensuchendc Personen, welche auf Sabbatheiligung reflektiren, den betr. Vereinen oder der Sabbatloge angemeldet werden sollen. Es soll ferner versucht werden, durch den Einfluß persönlicher Bekanntschaft in geeigneten Fällen Dispensen für das jüdische Personal am Sabbat zu erlangen. Natürlich soll auch jeder, der irgendeinen Einfluß auf die Berufswahl der Jugend hat, dahin wirken, daß solche Berufe, welche die Sabbatheiligung erschweren. vermieden werden. So wird namentlich auf die Vorthekle hingewiefen, welche Engros- und Exportgeschäfte in dieser Beziehung gegenüber dem Kleinhandel bieten. Erhaltung des Bestehenden, Mittheilungen über Neuetablirungen. Interessentennachweis bei Geschäftsverkäufen, Weckung des Gemeinsinnes bei jüdischen Geschäftsinhabern gleichen Ortes dürften alles Wege sein, die dem erstrebten Ziele zuführen. Wir möchten vielleicht noch hinzufügen: In vielen Fällen etwas mehr Culanz und gegenseitiges Entgegenkommen seitens jüdischer Arbeitnehmer und Arbeitgeber — nicht überall, aber in sehr vielen Fällen — dürfte der heiligen Sache nur dienlich und förderlich sein. Zur weitesten Verbreitung der Ziele des Vereins und dessen Förderung dürfte es sich auch etwa empfehlen. die Broschüre, die populär und anregend und nur acht Seiten stark ist, diversen jüdischen Zeitungen als Gratisbeilage beizugeben. Der Vereinigung, die in Wirklichkeit zvb rvc« ein kräftiges vivaf. rresca*. floreat. Ben Jakob. Berlin. Der Verein »Israelitisches Lehrerinnenheim" zu Berlin ist in das sechste Jahr seiner Tbätiqkeit nunmehr eingetreten und hat jetzt den üblichen Jahresbericht über das fünfte Vercinsjahr erstattet. Zu Beginn seines sünsten Jahres konnte in Erfüllung seines sehnlichsten Wunsches die feierliche Einweihung eines eigenen Hauses in Groß-Lichterfelde stattfinden, das betreffs der Zweckmäßigkeit des Baues und der behaglichen Ausstattung seiner Räume allseitige lobende Anerkennung gefunden hat. Die eifrige Propaganda der hiesigen Vereinsmitglieder sowie der Ortsgruppen hat dem Verein wiederum neue Mitglieder zugekührt und den Vermögeusstand in erfreulicher Weile qe- Neiaert. Dem verdienstvollen Fräulein Munchhausen sowie dem verstorbenen Herrn Rosenstiel, welche beide :.u den Gründern und steten Förderern der humanitären Institutionen qehörten. wurde der Dank des Vorstandes für ihr unablässiges Mühen um das Gedeihen des Vereins durch Ernennung zu Ehrenmitgliedern zum Aus-