Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 36 (9.5.1904)
- Date
- 1904-05-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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788 städtischen Verwaltung das Unerhörteste duldet. Wenn nicht wenigstens ein Protest für das beleidigte Nechtsbcwußtsein Zeugniß ablegt, dann wird die Regierung sich bald auf die Zustimmung der Bürgerschaft berufen. Indessen wenn 'fel&ft alles schwiege, die strafgerichtliche Verurtbeilung eines Magistratsbeamten, den der Bürgermeister tadellos findet, ist allein eine Anklage von unwiderstehlicher Beredsamkeit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Hamburg. Dem Bericht des Krankenhauses der Deutsch-Jsr. Gemeinde für die Jahre 1901, 1902 und 1903 entnehmen wir: Niemals seit Errichtung unseres Krankenhauses hat eine so große Umgestaltung stattgefunden, wie in den letzten Jahren, wo der Neubau zweier massiver Krankenpavillons erfolgte. Diese beiden Pavillons sind auf dem großen freien Platz hinter dem Hauptgebäude errichtet, stehen vollständig frei und gewähren Licht und Luft überall ungehinderten Zutritt.. Gleich den Staats-Krankenhäusern haben auch wir das Kostgeld der 3. Klasse von 2 Mk. auf 2.50 Mk. pro Tag erhöht. Die Einnahme an Kostgeldern betrug im Jahre 1901 52,383.25 Mk.. 1902 55,910.50 Mk. und 1903 66,194.30 Mk. Dahingegen stellen sich die Ausgaben im Jahre 1901 86,379.71 Mk.. 1902 88,618.11 Mk. und 1903 100.4l7.54 Mk. Zum ersten Mal seit Bestehen des Krankenhauses übersteigen die regelmäßig wiederkehrenden Ausgaben den Betrag von 100,000 Mk. Die Verwaltung des Krankenhauses, welche weder von der Gemeinde eine Subvention, noch jährliche Eontribuenten hat, sieht sich daher auf die Unterstützung ihrer Mitbürger angewiesen und gibt sich der Hoffnung hin, daß mit dem Anwachsen der Aufgaben des Krankenhauses das demselben zuzuwendende Interesse sich erhöhen möge. Würzburg, im April, nr 122 örrr „Eine schwere Trauer ist es," in welche eine unserer besten Familien plötzlich verseht worden. Frau Jette Feuchtwan g, Wittwe des Oberrabbiner Dr. M. Feuchtwang zu Nikolsburg, ist am 24. dss. Mts. im 75 Lebensjahre in das bessere Jenseits eingegangen. Schon als Gattin eines so hervorragenden, verdienstvollen Mannes und Gelehrten, und als Tochter aus einem an Religiosität und Mohlthätigkeit ausgezeichneten Hause, wie es das des R, Henle Kohn in Wassertrlldingen war, verdient es die Dahingeschiedene, in diesen Blättern gebührend gedacht zu werden, mehr aber noch um ihrer eigenen Tugenden, ihres vorbildlichen Lebens willen. Schon das Glück, das sie empfand, einem Manne der Gottesgelehrsamkeit und von höherem Berufe anzugehören, Vaterhaus und Vaterland zu verlassen und mit ihm Würde und Bürde zu theilen, zeigt von dem idealen frommen Sinn, von der erhabenen Auffassung ihrer Lebensaufgaben. Und wie hat sie diese zu erfüllen gesucht' In treuer Hingebung an ihre häuslichen, familiären Pflichten verstand sie es, den geliebten Gatten in seinem schweren Berufe zu unterstützen, die Familicnsorgen ihm zu erleichtern, und ihm das Leben schön und heiter zu gestalten. An der Erziehung ihrer zahlreichen Kinder zu wahren, gesehestreuen Jehudim. zu allem Guten und Nützlichen, nahm sie den hervorragendsten Antheil, und wenn heiliger Ernst und tiefe Durchdrungenheit in dieser Beziehung meistens den erwünschten Erfolg hat. so war es hier der Fall, denn sie hatte die Freude, ihre Kinder nach dem elterlichen Sinne leben und wirken zu sehen. So lebte sie glücklich an der Seite ihres geliebten Mannes 40 Jahre, zuerst in Oettingen, dann in Neutra und in Nikolsburg, bis der Tod des geliebten Mannes dieses Glück zerstörte. Wie einst Noemi kehrte sie als Wittwe in die Heimath zurück. und beschloß vor einigen Jahren, ihren Lebensabend hier bei ihrem Schwiegersöhne, Herrn Dr. Vraunschweiger. in der Umgebung ihrer Töchter. Frau Dr. Vraunschweiger und Frau Dünner. Wittwe des sel. Rabbi Wolf Dünner von Köln, zu vollbringen. Dieser Wunsch fand nun durch den frühen Tod seine Grenze, ohne vorherige Krankheit entschlief sie eines sanften Todes. Die Beerdigung auf dem hiesigen Friedhofe fand unter zahlreicher Betheiliauug statt. Vor allem war der Solm. Herr Rabbiner Dr. D. Feuchtwang in Wien, herbeiaeeilt. nrn-vöi ■raefr seine geliebte Mutter zu betrauern und zu beweinen. Auch andere nabe Verwandten, welche die Trauerkunde noch rechtzeitig erhielten, erschienen, um der geliebten Mutter. Schwester und Schwiegermutter den schuldigen Tribut der Liebe und Verehrung zu bringen. Auf dem Friedhofe angelangt, ergriff zunächst Herr Rabbiner Baw - b e r g e r hier das Wort und entwarf unter Zugrundelegung des talmudischen Sabes *cn re*K ein Lebensbild von der Hinaefchiedenen. indem ibr ganzes Streben in Pflichterfüllung, in dem einen Ziele aufgina. ein im r.t»s im erhabensten Sinnes des Wortes, eine r-rwn zu sein. Dieses Ziel bat sie in hohem Grade erreicht, hat sich die Liebe und Verehrung all der Ihrigen wie auch aller, die sie kannten, erworben. Tiek ergriffen begann nun der Sohn. Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang, an die Worte seines Vorredners ankniipfend. nn»a rinn cw *xw;2h „die Weisheit der Frauen erbaut das Haus." und schildert die Heimaeaangene. was sie ibrem Hause gewesen.als treue Gehilfin und Lebensgefährtin des Vaters, als Mutter der Kinder, als Zierde der Familie: wie sie in dieser ihrer Aufgabe ein herrliches Vorbild, ein wahres ^Jdeal gewesen. Stets nun sei dahin der Köstlichsten eine