Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 36 (9.5.1904)
- Date
- 1904-05-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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780 folgenden Tage heimgekommen und hatte den Eltern berichtet, daß die Kinder die Reise gut zurückgelegt und daß sie sie zu der betreffenden Anstalt begleitet, daß der Leiter derselben jedoch verreist, daß sie die Knaben deshalb den Dienstboten des Hauses ubergeben habe, die versprochen hätten, sie solange zu beaufsichtigen, bis der Hilfslehrer der Anstalt kommen würde, der im Laufe des Tages erwartet wurde. Grünwald beachtete die Mittheilungen kaum, seine Söhne waren ihm bereits vollständig gleichgiltig geworden. Einige Tage waren vergangen, Grünwald befand sich im Bureau, in seinem Privatzimmer, als ihm eine Karte überreicht wurde mit dem Namen Dr. Peters, derselbe wünschte den Bankier zu sprechen, gleich darauf trat der Betreffende in das Zimmer. Grünwald begrüßte ihn höflich und forderte ihn auf, sich zu sehen. „Sie waren verreist, Herr Doktor?" „Ich war verreist und beabsichtigte eigentlich schon heute Abend zu Hause zu sein, da mich mein Weg jedoch hier durchführt, habe ich meine Reise unterbrochen, um die Eltern meiner Zöglinge zu besuchen, denn es ist meiner Anstalt nicht ganz werthlos. mit den Eltern der uns zur Erziehung Anvertrauten in einem gewissen Contact zu stehen." „Das mag feine Richtigkeit haben." versetzte Grünwald, schwer aufathmend, „aber ich fürchte, Herr Doktor, Sie werden unter keinen Umständen von meinen Jungen Freude haben —" „Leider kann ich dieser Befürchtung nicht, entschieden widersprechen. — Doch wir wollen nicht allzu früh die Hoffnung aufgeben, die Kinder sind ja doch noch jung, und Sie dürfen sich überzeugt halten, ich werde nach keiner Richtung hin etwas unversucht lassen, um die. allerdings nicht gut gearteten Knaben auf den Weg der Besserung zu bringen —" Er hielt inne, der Bankier blickte in nervöser Spannung zu ihm hinüber. „Ich fürchte, Herr Doktor, Sie haben mir etwas besonders Schlimmes von meinen Buben zu berichten —" Doktor Peters zuckte die Achseln. „Ich bedaure abermals, nicht widersprechen zu können." Grünwald preßte die Lippen auf einander, kein wärmeres Gefühl für seine Söhne regte sich in seiner Brust, aber er war ja doch ihr Vater. „Was haben die Unglückseligen angestellt?" fragte er gepreßt, „ich bitte dringend, theilen Sie es mir mit, ohne weitere Umstände —" Doktor Peters neigte zustimmend das Haupt. »Ich glaube auch, daß das wird das Richtigste sein, vertuschen läßt sich die Sache ja doch nicht mehr —" „Aber bitte. Herr Doktor! —" „Sehr wohl, Herr Grünwald. Also Ihre Knaben sind in der vorigen Woche vor Schluß der Ferien in meine Anstalt zurückgekommen, um mehrere Tage .früher als alle anderen, vermuthlich haben Sie mit den Unbändigen zu Hause nicht fertig werden können." „So ist's." murmelte Grünwald, mit dem Kopfe nickend. Der Andere fuhr fort: „Bon den Kameraden befragt, weshalb sie so frühe zurückgekommen. erwiderten sie zuerst: das ginge keinen etwas an. Später jedoch erzählten sie bald dem Einen, bald dem Andern und schließlich Allen, daß ihr Vater Jude wäre und sie habe schlachten wollen, um ihr Blut für das nächste Pesachfest zur Bereitung der Osterkuchen aufzubewahren. Mit Hilfe der christlichen Haushälterin wären sie geflüchtet und von derselben begleitet, in die Anstalt zurückgekehrt, wo sie wenigstens ihres Lebens sicher wären." (Fortsetzung folgt.) Wochen-Rslmöer. Dounrstag. 12. Mai. 27. Jjar. v-p 2**. Freitag. 13. Mai. 28. Jjar. Sabbat-Anfang in Mainz u. Frankfurt a. M. 7 Uhr 30 Min. Samliag. 14. Mai. 29. Jjar. .1 p-s .n"roo ,*oioa. Sabbat-ÄnSgang in Mainz u. Frankfurt a. M. 8 Uhr 55 Min. — Berlin 8 Uhr 43 Min. — München 8 Uhr 30 Min. — Stuttgart 8 Ubr 43 Min. — Strastburg 8 Uhr 50 Min. — Dosen 8 Ubr 32 Min. - Stettin 8 Ubr 47 Min. - Breslau 8 Uhr 20 Min. — Nürnberg 8 Uhr 39 Min. — Wien 8 Uhr 10 Mn. - Paris 8 Ubr 35 Min. - Prag 8 Uhr 30 Min. Montag. 15. Mai. 1. Siwan. enn na Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montag» und Donnerstags, jedesmal In mindestens zwei Bogen Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen au. — Dev Buchhandel verkehrt durch D. Zf. Sl rin arkrr, Leipzig, Noßplatz jv. — Inserate 25 Pfennig die viergcspaltene Nonpareillezeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Dirccte Francozusendung unter Streifband vro Zahraang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für's Ausland 16 Mark, au die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3932. Telephon 1015. Stellesuchende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende „Kletue AuSgabe deS LSraelit" vier Wochen lang gratis und franco erhalten. Wünscht man den Empfang der .Kleinen Ausgabe* längere Zeit, so kann man sich für 25 Pfennige das Vierteljahr, indeß ausschließlich bei der Post auf dieselbe unter Nr. 3933 abonntreu lluf Quusch stunden wir die Zahlung deS JnferttonSbetragS au außer Stelle Befindliche bis «ach Erlangung einer solche». (öc . tand: AuS dcr Provinz rer Orb _ _ Oefierr Wien. — Vermischtes. ._ Lr:re.^clTf ^ca.- gpriifre fcrr Süter^— Svenden-Berzeichnme. verantwortliche Cebaciicn: vSeor Lehmann in Mainz. — Expedition deS ^J5raelit". Göottitra&e Nr- % Mainz. Druck und Verlag der Jod. Qtrth^chen vofduchdruckeret Actirn-LefeUfchnfl in Main» chie^rr drei Beilagen.