Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 36 (9.5.1904)
- Date
- 1904-05-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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776 sagt wird." Damit nun Keiner glaube, das; Verfasser der erwähnten Bibelstelle eine subjektiv zionistische ' Interpretation zu Theil werden läßt, zitirt er wörtlich j den Commentar von Rabbiner Hirsch s. A. zu dieser | Stelle, schließt, bevor der Leser Zeit gewinnt, sich von j seiner namenlosen Ileberraschung zu erholen, seine Auseinandersetzungen mit dem Wunsche pte jrr '2 drrie» rw und überläßt den perplex gemachten Leser seinem Schicksale. Der in Betracht kommende Passus von Rabbiner Hirsch's Commentar, vom Verfasser durch Sperrdruck hervorgehoben (ich bitte die Leser, zum Verstandniß des Zusammenhanges im Commentar selber nachzuschlagen) lautet wie folgt: „Und so dürfte denn auch hier cn'rr ‘rxirt heißen: ich bringe sie heim, bringe sie zur alten Heimath zurück, pxr im Lande ihrer Feinde, ■np: in allen weltgeschichtlichen Ereignissen, die scheinbar nichts weniger als die geistige und staatliche Restauration dieser Exilierten bezwecken, wandle ich mit ihnen, und alle die prüfungsvollen, schmerzlich erziehenden Einwirkungen aller ihrer Erlebnisse in Feindesland, sowie die Entwicklungsgänge dieser oölkergeschichtlichen Ereignisse selbst, münden endlich darin, daß sie reif werden für die Rückkehr zur Selbstständigkeit, und die Völkerereignisse ste selbst zur Heimath wiederbringen. So ist das ganze lange, lange Exil „im Lande ihrer Feinde" über alte und neue Verirrungen hin. trotz allem nichts, als ein LN'X v.xm, als eine auf langen, langen Umwegen unter unsichtbarer Gottesleitung sich vollziehende Heimführung zur alten Heimath und zur ewig unverlierbaren alten Bestimmung." Wo um alles in der Welt ist hier auch nur die leiseste Hindeutung auf die Verwirklichung des modernen Zionprojektes zu finden? Daß Seinem Volke Rückführung zur alten Heimath und zur ewig unverlierbaren alten Bestimmung versprochen, hat es jemals ein gesetzestreuer Jude gewagt, daran den leisesten Zweifel zu hegen? Daß das Golus ein Ende finden wird, daß wir zur Selbstständigkeit zurllckkehren, sobald wir die Reise hierzu erlangt haben, bat des ' der Verfasser nicht schon lange, bevor er Zionist geworden, nicht schon auf der Schulbank gewußt? Was um alles in der Welt haben diese Verse mit dem modernen Zionismus zu schaffen, der doch wahrlich die Rückkehr der Juden in's Judenland nicht von ihrer geistig-sittlichrn Reife abhängig macht, daß der Verfasser auf Grund dieser Verse der zionistischen Bewegung, obwohl, wie er selbst gesteht (S. 61). das Gesetz in seiner Totalität noch nicht in der großen Masse des Volkes zum Durchbruch gelangt ist, vielmehr bloß die Erkenntniß von der Verderblichkeit der Assimilation und der Notbwendigkeit einer Einigung der zerspreng-' len Glieder des jüdischen Volkes auf palästinensischer Erde, daß der Verfasser auf Grund dieser Verse der zionistischen Bewegung trotz ihres bisherigen halben Erfolges volles Gelingen voraussagt? Wo ist hierfür ein Anhaltspunkt zu finden? Allen Respekt, vor Ihrer prophetischen Begabung, Herr Oberräbbiner,. aber es ist schauderhaft, welch' harte Nüsse Sie uns gewöhnlichen Menschen zu knacken geben! Um aber ein für alle Mal allen Versuchen, Rabbiner Hirsch für den Zionismus mit Beschlag zu legen, die Spitze abzubrechcn, zitiren 'wir aus dem neunten Bande des „Jeschurun", S. 631, eine Stelle, die wir den geehrten Herren der orthodoxen Misrachigruvpe zur gefälligen Beherzigung empfehlen: „Die Thatsache aber, daß Israels und der Menschheit Zukunft in der Vollendung Israels als das Priostervolk des göttlichen Gesetzes gipfelt, verbürgt und besiegelt uns die Wahrheit, daß nur durch eine immer Liefere und vollere Erkenntnis und eine immer treuere und vollere Erfüllung dieses Gesetzes wir uns für diese Zukunft vorbereiten, uns der G^ula würdig machen können, und diese Thatsache bricht allen sogenannten, das Gesetz antiquirenden Neformbestrebungen einerseits, sowie allen in «eucsterZelt auftaucherrde« Bestrebungen, die Geula auf materiellem Wege der Besitzergreifung und Agrikultur des heil. Bodens zu fördern, unervittlich deu Stab. Wir haben das Land nicht für uuS, sondern uns für das Land zu gewinnen und zu bilden im Gesetze und durch dasselbe." Da haben Sie. ihn, wie er leibt und lebt! Der macht nicht mit. Das hätte ich Ihnen auswendig sagen können.— Nach all den traurigen Erfahrungen, die wir mit dem Verfasser gemacht, werden es mir die Leser vielleicht Dank wissen, wenn ich's ihnen und mir erspare, nach allem Vorangegangenen auch das Nachwort, das der Verfasser auf S. 67 folgen läßt, einer eingehenden kritischen Beleuchtung zu unterziehen, zumal es herzlich wenig neues bringt. Verfasser schildert die Eindrücke, die der sechste Zionistenkongreß auf ihn gemacht, erläßt einen neuen Appell an die gesetzestreuen Kreise zum Anschluß an den Zionismus und zitirt zum Beweis, daß dieser Anschluß mit größter Skrupellosigkeit vollzogen werden könne, einen kurzen Auszug aus einem Briefe des Kownoer Rabbinats (S. 65 f.),. in welchefn aber vom modernen Zionismus mit keinem Sterbenswörtchen die Rede ist, sondern nur dke Ppopagandg.fur die Kolonisation des.heiligen. Iandes .'hA'AthoHiHm Rabbinen an's Herz gelegt wird.. Bersässex,,'.hssf.' seinen Zitaten'Lern Glück.?'^'' "7* jQ . Am meisten interessirt' uns in diest^.Njxchwmt S^ '71 f.. wo sich der Äerfilsser wredetüni' gegen ore deutsch-orthodoxen Zertungsstimmea wendet, die gegen