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Der Israelit · 1904-05-05 · Heft 35 (5.5.1904) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 35 (5.5.1904)
Date
1904-05-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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758 Seelen ihrer Kinder dar und diejenigen, denen sie dies Alles zu Liede thaten, lachten sich ins Fäustchen und wollten von diesen Juden erst recht nichts wissen. Wurden die Juden früher gehaßt, bitter gehaßt, so versagte doch ihnen kein Mensch die Achtung. Das zähe Festhalten an der Ucberlieferung, die unerschütterliche Treue zum Glauben der Väter erzwangen sich die Achtung aller Kreise. Als sie aber sich in die Freundschaft der Völker hineinschmeicheln wollten, als sie ihre Gunst sich erkriechen wollten, da wurden sie auch verächtlich. Zu dem bitteren Hasse trat nun auch die Verachtung hinzu und die Juden wurden geächtet. Auch Kreise, die früher den strenggläubigen Juden offen waren, schlossen sich nun vor den Juden, die keine Juden mehr sein wollten. Das war das Ergebniß der Reformbestrebungen in der äußeren Politik. Und nun kommt und beginnt das Unehrliche in ihrer Handlungsweise. Um das Volk über das innere Elend und über den wahren Grund des äußeren Elends hinwegzutäuschen, beginnen sie nun eine Thätigkeit zu entfalten, die ihre ganze Vergangenheit brandmarkt, ohne dabei eingestehen zu wollen, daß die Vergangenheit nun begraben werden soll. Sie erinnern sich nun auf einmal daran, daß sie Juden sind, denn ihre Feinde behaupten es und da muß es doch wahr sein, und sie rufen nun alle Juden, damit sie ihnen in der Erreichung ihrer Absichten behilflich sein sollen, die wieder keine anderen sind, als mit dem Judenthum zu brechen. Sie haben sich unmöglich gemacht und nun sollen ihnen diejenigen Kreise auf die Füße Helsen, die sie früher mit Füßen getreten haben. Auf einmal erinnern sie sich daran, daß es auch noch orthodoxe Juden gibt, die nicht lächerlich und verächtlich geworden sind, diese sollen sie nun aus dem Sumvfe ziehen. Und die orthodoxen Juden einer gewissen Schule gingen in die Falle. Sie, waren in Berlin und schlossen sich den Verbändlern an und erklärten, daß sie durchaus keine Vergewaltigung fürchten. Auch wir sind fest überzeugt davon, daß die orthodoxen Inden der Mischmaschschule keine Vergewaltigung fürchten, denn ihre Orthodoxie ist ungefähr so viel Orthodorie. wie das Judenthum der Reformer. Judentbum ist. Eine solche Orthodoxie hat nicht viel zu verlieren... Eine Orthodoxie, die freiwillig zum Schlevpträger der Reform wird, die sich dazu hergibt, der Reform die Arbeit so leicht zu machen, daß sie ihr in jeder Weise entgegenkommt, auch dort entgegenkommt. wo diese Reform der wahren Orthodoxie den Krieg auf Leben und Tod erklärte, eine Orthodoxie, die in sreundnachbarlicher Weise mit der Reform einen Vertrag der Arbeitstheilung abschließt, eine solche Orthodoxie hat wahrlich nichts von den Reformern zu fürchten, denn.sie isi den Liberalen, wie sich heute unsere Brüder-zur linken Hand zu'nennen lieben, geradezu unentbehrlich zur Erreichung ihrn Zwecke. *Und es fragt sich noch gar sehr, ob diese Orthodoxen nicht mitgingen, wenn ihre Orthodoxie ja etwas zu furchten hatte? (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und «Korrespondenzen. Deutschland. München, 3. Mai. Von der Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde erhalten wir folgende Zuschrift: In Nr. 33 Ihrer geschätzten Zeitung vom 28. v. Mts. bringen Sie unter der Rubrik ^Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen" in einem zweiten Artikel aus München einen Bericht, der, soweit Münchener Angelegenheiten in Betracht kommen, vollständig der Wahrheit widersprechende Mittheilungen enthalt. Es bestünde für die Persönlichkeiten, deren in dem fraglichen Artikel Erwähnung geschieht, Anlaß, eine Berichtigung auf Grund der Bestimmungen des Prcßgesetzes herbeizuführen; diese Herren sehen indeß hier- . von ab. Dagegen halten wir uns für verpflichtet. Sie darauf aufmerksam zu machen, daß, wie bereits oben angegeben, die sämmtlichen Mittheilungen, welche dem Artikel zu Grunde liegen, erfunden sind; ja es macht fast den Eindruck, als ob es darauf abgesehen gewesen wäre. Sie zu mvflifiziren. Wir möchten dringend gebeten haben, bei Auf-- nähme weiterer Berichte, die von dem betreffenden Korrespondenten herrühren, entsprechende Vorsicht zu . üben. Im Aufträge der Vorstandschaft der israelitischen Kultusgemeinde München M. G u g g e n h e i m. Sekretär. Der betreffende Artikel ist uns von unserem langjährigen Korrespondenten, Herrn Lehrer M. Weinmann- München, Westermühl, eingesandt worden. Red. d. .Jsr." . Leipzig. 3. Mai. (Alphons Jakobsons. A.) Weinen und Wehklagen allüberall! Aus dem fernen Amerika kommt die traurige Kunde zu uns herüber! Alphons Jakobson ist nicht mehr. Während er geschäftlich in Newvork weittt, hat ihn am 28. April eine tückische Krankheit hinwrggerafft, ihn, der erst 61 Jahre zählte, ihn. dessen Leben so reich und so werthvoll war, daß Tausende um ihn weinen. Weit über Deutschlands Grenzen hinaus wurde sein Name genannt. und wann immer man seiner gedachte, segnete man ihn. Arme und Dürftige haben ihren Beschützer, ihren Vater verloren. Betrübte müssen ihres Trösters entrathen und Kranke ihres. Helfers in bitterer Noth. In Leipzig, von wo sein reiches Wirken ausging, hat er sich ein dauerndes Denkmal gesetzt, und ebenso überall in Deutschland, wo die Noth nach Hilfe rief.

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