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Der Israelit · 1904-05-05 · Heft 35 (5.5.1904) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 35 (5.5.1904)
Date
1904-05-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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766 ihm unendlich wohl, er fühlte sich so frei, so ruhig, voll innerer Befriedigung. Und selbst die Opfer, die er seinem Kinde brachte, indem er in seiner Gegenwart kein Religionsgesetz übertrat, mehrten seine Zufriedenheit. Er staunte über sich selbst, die Beschränkungen, über die er sich ehedem so viel geärgert hatte, jetzt empfand er sie -kaum. Frieda hatte vor kurzem ihr dreizehntes Jahr vollendet. Sie war lebhaft und heiter und überaus kindlich, und in gewisser Beziehung dennoch von einem Ernst, der weit über ihre Jahre reichte. Sie hatte es sich in's Köpfchen gesetzt, in den vier Wochen, die sie mit dem Vater zusammen verbrachte, alles aufzubieten, ihn dazu zu bewegen, wieder so zu leben, wie zu Lebzeiten seines Vaters, denn sie wähnte, daß er damals kein Religionsgesetz übertreten habe. Sie wußte überaus lieblich zu plaudern, wußte, wie gern der Vater ihr zuhörte, und darum sprach sie Tag für Tag nicht nur von dem, was sie der Großvater gelehrt, sondern auch von dem, was sie von Selma's ältestem Bruder gehört. Max hatte es sich nämlich zur Aufgabe gemacht, das kleine Mädchen, das ihm bei ihrer ersten Zusammenkunft erklärt hatte, es wolle seine Hochachtung erwerben, ohne daß es selbst es merkte, zu unterrichten. Das Töchterchen machte daher den Vater aufmerksam, wie überzeugend es auf jeden Unbefangenen wirken müsse, daß die Schlachtmethode, die seit viereinhalb Jahrentausenden von den Juden geübt wird, von hervorragendsten Männern der Gegenwart als die unbedingt beste und humanste bezeichnet wird. Dann behauptete sie, daß der Vater sich bei ritueller Kost Wähler gefühlt habe und sich auch jetzt Wähler fühle, als daheim bei gewöhnlicher Kost, und wie schön es sein würde, um wie viel wohler er sich fühlen würde, wenn er den Sabbat halten und immer mit ihr verbringen würde. So sprach sie Tag für Tag. und wenn sie ihn dann fragte, ob es so nicht schön sein würde, so konnte er es nicht verneinen und erklärte ihr schließlich, er wolle es überlegen, ob es ihm möglich sei, ihrem Wunsche zu entsprechen. Thatsächlich trug er sich seit längerer Zeit mit dem Gedanken, sich vom Geschäft zurückzuziehen. Durch einige glückliche Spekulationen hatte sich sein von jeher bedeutendes Vermögen im jüngst verflossenen Jahre mehr als verdreifacht, er hatte weitaus genug für sich und seine Familie, wozu sollte er sich weiter mühen und plagen? Wie würde Frieda jauchzen, wenn er sich mit ihr allein auf ein Gut, das er in der Nähe der Hauptstadt besaß, zurückziehen und dort den Haushalt rituell führen lassen würde, und wie ruhig und behaglich würde sich da sein Leben gestalten. Es würde das auch nicht einmal Eclat verursachen, denn daß er mit seiner getauften Gattin, die in seiner Abwesenheit und gegen seinen Willen seine Tochter hatte taufen lassen, nicht harmoniren konnte, lag auf der Hand und war längst stadtbekannt. Freilich, so Knall und Fall wie Frieda meinte, ließ sich das nicht bewerkstelligen, es mußte alles in reifliche Erwägung gezogen werden, aber der Plan sagte ihm zu und hoffte er. denselben in nicht allzuferner Zeit verwirklichen zu können. In angenehmster Weise verstrich die Zeit des Aufenthaltes in dem Badeorte, Grünwald war von dem Erfolg seiner Kur überaus befriedigt, dennoch entschloß er sich, auf eine geschäftliche Nachricht hin, einen Tag früher abzüreisen, als er beabsichtigt hatte. Er hatte es nicht für nothwendig gehalten, seine Familie hiervon zu benachrichtigen, durfte sich daher nicht wundern, als er bei seiner Ankunft Frau und Kinder nicht daheim traf, sie hatten einen Ausflug gemacht, wurden jedoch in einer Stunde zurück erwartet. Grünwald begasich auf die Veranda, ließ sich einige Erfrischungen bringen und griff nach den auf dem Tische liegenden Tagesblättern. (Fortsetzung folgt.) Der »Israelit" erscheint wöchentlich zweimal. Elontoc:« und Donnerstag*. jedesmal U» mindestens zwei Bogen Preis pro Vierteljabr bei der Post 3 Dark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjäbrlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchbandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Oev Buchhandel verkehrt durch V. A Slrrnackev, Leipzig, Noßplatz )V. — Inserate 25 Pfennig die vlergespaltrne Nonpareillezcile oder deren Raum. 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(Fortsetzung). :.i Cclicc«: Also wrack Pknl'ppson! — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: .München.!cn. Unaarn: Sarajevo. Rußland: Petersburg. — Svrechsaal. — Vermischtes. c Der Zionismus des Vayaer OberrabbinerS. (Fortsetzung). - Zeitungsnachrichten und Lorrefpon» ien. Ungarn: Tolan. Rußland: Tiflis. •X* €£:.!£;?* und fiittevatue. CXranUasrüL''.? IVjcciicn: OCcar Lehmann in Mainz. — Crsebftion des jftStaeül". Schottttraße Nr- 2. Mainz. Druck und Derlatz bc I oh. LZtrth'ichen HofkmLdruckeret Aetirn-Oesellschaft tn Mainz. . £;/, Hierzu drei Beilagen.

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