Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 35 (5.5.1904)
- Date
- 1904-05-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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752 bittet um Auskunft, weshalb keine Begrüßung des Gemeindevorstandes stattgefunden. Herr Vorsteher Martin Simon entgegnete, der Statutenentwurf sollte erst in der Versammlung berathen werden, der Vorstand hatte abwarten müssen, ob die Statuten nicht mit Beschlüssen der Berliner Gemeinde in Widerspruch standen, hätte also Dorber keine Stellung nehmen können. Mit einer Begrüßung hätte der Vorstand sich schon vorher mit den Beschlüssen der Versammlung identisch erklärt. Trotz der gegebenen Erklärung findet Herr Geh. Rath Blumenthal es nicht in Ordnung, daß keine Begrüßung erfolgt sei. Es folgte die Zuwendung der Eheleute Julius und Betty Joelsohn an die Altersversorgnngsanstalt mit 50,000 Mk. Für den Privatfeuermelder der Synagoge in Charlottenburg werden 753.69 Mk. bewilligt. Für die Auffrischung der im Sitzungssaal befindlichen Oelbilder 60 Mk. Es folgen Bewilligungen von Subventionen: a) an den Religionsverein Beth Zion 2000 Mk., d) an »den Religionsverein der Lippmann-Tauß-Synagoge 2000 Mk., c) an den Verein für jüdische Geschichte 800 Mk.. 6) an das jüdische Kinderheim 300 Mk., e) an das jüdische Kurhospital in Kolberg 800 Mk. Die Satzungen der Kommission für die festgottesdienstlichen und die musikalischen Angelegenheiten werden angenommen. In geheimer Sitzung wurde das Honorar für den Leiter der gynäkologischen Polyklinik mit 600 Mk. jährlich festgesetzt. Gewählt wurde Herr Dr. W o l f f, ein Neffe des Herrn Stadtrath Dr. Weigert. . . E. R. Hamburg. In einer der jüngsten Nummern der „Allg. Zeitung d. Judenthums" findet sich ein Gift und Galle speiender Artikel über ein Vorkommniß im hiesigen Synagogen-Verband, wodurch natürlich der Oberrabbiner als religiöser Leiter derselben getroffen werden sollte. Es fällt uns nicht ein, denselben gegen Angriffe von »arf»» zu vertheidigen. denn es heißt in der N32>ör wb bvn (werther Einsender, damit Sie nicht alle 6 dtid durchzusuchen brauchen, sie findet sich zweimal im iravo-i *3 piv *3 nwv und *« »wv t» pna p*2) Und da die Orthodoxen hier noch der Meinung sind, daß das Wissen eines Reform-Rabbiners — wir wollen uns milde ausdrücken — höchst lückenhaft ist, so wird sich der Oberrabbiner wohl deßhalb keine grauen Haare wachsen lassen. Wir wollen nur ganz kurz Einiges entgegnen. Im Präludium gibt sich Herr X. der Freude hin, daß in Cöln die Orgel eingeführt wird, babeat sibi! . So gibt es eine Synagoge mehr, wo trotz Orgel während-des ganzen Jahres vor leeren Bänken gepredigt wird, und nur an m und (wo, wie der sel. Dr. Sachs sich ausdrückte, jeder seine Visitenkarte dem Ewigen abgibt) die Synagoge voll ist. Wir rufen Herrn X. zu: «2 xvtb) mm ra:vl — Daß X. uns dorwirft, wir wollten immer etwas besonderes sein, darin thut er uns wirklich Unrecht. Wir wollen nur unsere mustergiltigen. rituellen und kulturellen Institutionen forterhalten wissen. Und in dieser Erhaltung ist unser Oberrabbiner rr'v'bv ein leuchtendes Vorbild für alle orthodoxen Rabbiner! — Aus der Fußnote I scheint hervorzugehen, daß X entweder den Unterschied zwischen rbnnb und mvn nicht kennt oder nicht kennen will. Und dabei scheint X. doch einmal in jüdischen geblättert zu haben, er weiß ja. daß es einen n*s gibt und daß der Verfasser Joel Söckes hieß! — Zur Aufnahme eines w gehört ein ra (siehe wom) das ihm r®a nbzp abverlangt. Ob wohl Rabbiner, die die Beständigkeit der wAv in verächtlicher Weise ableugnen, wie dies am Ende dieses Artikels mit der geschieht, ein solches Ta bilden können! Ob man wohl, wenn der Akt nur zwecks einer Heirath geschieht. überhaupt dies vornehmen darf! Die 'v3 in n*oa> ist dagegen, doch das hindert einen großen (rectius einen kleinen) Geist nicht, dagegen zu handeln! Was ist uns der Talmud? Deßhalb sollte man zwei Herzen, die sich in Liebe zusammen gefunden haben, trennen? Mit Nichten! Der Staat hat ja sogar die Mischheirathen anerkannt, und so heißt es weiter — »3H KiraboT m Dieser Satz muß besonders beleuchtet werden. Entweder Unwissenheit oder absichtliche Täuschung der Leser liegt darin. Bekanntlich gilt dieser Sah nur für noneo '3n, daß wir den nwn p zurücksiellen müssen wegen der Staats - Gesetze, nicht aber in anderen Dingen. Daß man dem Obcrrabbiner vorwirft, er achte die Entscheidung anderer Rabbiner nicht, ist enm »rg.no salis zu verstehen. Nur dann nicht, wenn das religiöse Wissen und Gewissen der Betreffenden ihm nicht genügt. Wenn das religiöse Wissen eine )linn§-Größe darstellt und das religiöse Gewissen eine ni^v-Größe ist, so wäre es ihm ja unmöglich, deren Entscheidung anzuerkennen. Denn einer aus der Berliner o'w-Fabri? hervorgegangene .trm - Heirathsannoce rufen wir zu, was die Eltern dem ppc» sagten: Tn» rwaa ptcr. Am Schluffe aber wird uns mit etwas Schrecklichem gedroht. Es würde ein Rückschlag eintreten, der die Stühle der orthodoxen Rabbiner in's Wanken bringen würde! Es gruselte uns schon, als wir dies lasen. Aber der Schöpfer hat uns G. s. D. mit Starke und Ruhe beschenkt, und daher verfängt diese Drohung nicht. Daß die Reform abgewirthschaftet hat und völlig bankrott ist. ist ein fait acoompli. Wir meinen nun umgekehrt: Für uns Orthodoxe ist der Rabbiner eine Nothwendigkeit. da er unserem Laienthum in religiösen Dingen zu Hilfe kommen muß. Für Reformer ist er nur ein Spielzeug, denn nöthig in religiösen Fällen ist er ja nicht, zumal er selbst seinem Publikum gleicht. Wenn die Reform-Gemeinden mal zu Verstand kommen, werden sie sich überlegen, ob für