Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 34 (2.5.1904)
- Date
- 1904-05-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2449986-2450018--60574-2521529- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
743 es aber noch eines Beweises, welcher Beliebtheit und Verehrung der Dahingeschiedene sich in allen Kreisen der Bevölkerung zu erfreuen hatte, er wäre reichlich erbracht durch die zahlreiche Betheiligung an seinem Leichenbegängnisse und die seinen Hinterbliebenen bekundete Theilnahme. Aus Nah und Fern waren Freunde, Bekannte und Verwandte herbeigeeilt, um durch non nid.n dem Verewigten die letzte Ehre zu erweisen. Seine sterblichen Reste wurden auf den Friedhof zu Pappenheim überführt. Von einem Hesped mußte des vnin wn wegen Abstand genommen werden. Herr Lehrer G o l d s ch m i t t aus Eichstätt sowie ein Schwiegersohn des Verblichenen beschränkte sich darauf, die Verdienste des Dahingeschiedenen in einigen Strichen zu zeichnen. Um den Dahingeschiedenen trauern eine Wittwe und sechs Kinder (vier Söhne, zwei Töchter), die -dank seiner mustergiltigen Erziehung zu frommen Jehudim hc rangereift sind. Möge Gott seinen Hinterbliebenen Trost spenden und ihn in jenen lichten Höhen den Lohn seines reichen Wirkens finden lassen. Sein Andenken wird ans' unserer Mitte nicht weichen, denn „wer dem Besten seiner Zeit genug gethan, der hat gelebt für alle Zeiten." n*3X:n Buchswcilcr, 27. April. (Die Juden als Soldaten). Zur Zeit beschäftigt man sich in verschiedenen elsässischen Zeitungen mit den Veteranen aus dem Krimkricge, die augenblicklich noch im Elsaß leben, zumal da in diesem Monat der Jahrestag der Einnahme von Sebastopol war. Er dürfte für Ihre Leser wohl nicht uninteressant sein, zu hören, daß in hiesiger Stadt noch zwei jüdische Krimkrieger leben. Es sind dies der Rentner Samuel R e w e l und der Mehlhändler Hirsch L e v y. Der erstere besitzt die Kriegsmedaille und führt hier seit seiner Rückkunft aus dem Kriege, als Erinnerung an seine Theilnahme an der Belagerung von Sebastopol, im Volksmunde den Beinamen „Sebastopolschmule". Ingweiler. Hier verstarb plötzlich Herr Bankier Theodor Meyer. Derselbe war eine allseitig beliebte und geachtete Persönlichkeit. Seit zwei Jahren war er Vorstand der hiesigen Gemeinde und Mitglied des Konsistoriums für das Unter-Elsaß; außerdem gehörte er seit Jahren dem Gemeinderath an. Oesterreich. Czernowitz. Der von jüdischem Gelde erhaltene „Verein zur Förderung der Tonkunst" veranstaltet jährlich ein geistliches Concert. Heuer wurde dasselbe zufällig (?) auf den ersten Sederabend angesetzt, wiewohl 80 Prozent der Mitglieder und Mitwirkenden Juden und Jüdinnen waren. Einige Tage vorher fand Generalprobe statt und Direktor Hrimaly, den man vielleicht auf das Pesachfest aufmerksam machte, stellte mit einem Achselzucken an den versammelten Damen-, chor, der, wie erwähnt. 80 Prozent Jüdinnen hätte, die Frage, ob denn die Damen am Sederabend werden Mitwirken wollen oder nicht. Es sei, meinte er, geistliche, also religiöse Musik... tiefes Schweigen. . Eine schaut die andere an; da läßt sich eine Frau Dr., die Gattin eines Konzipienten, die die Solopartie singen sollte, hören. Ich spitze die Ohren, bin stolz auf den Muth, sie wird gewiß absagen. Doch was höre ich? „Es kann ja nichts schaden, wir werden milwirken.". Der Direktor lächelt siegesbewußt. Doch die jüdische Studentenschaft ruht nicht, entfaltet eine persönliche Agitation, droht mit Skandalszenen, bis es ihr gelingt, die meisten der Mitwirkenden fernzuhalten. Das Concert selbst fiel in Folge dessen kläglich aus; der schlechte Besuch, die trostlose Stimmung, waren doch Symptome, daß auch die Juden ihre Feste feiern wollen. Trotzdem leisteten sich einige „Auch"-Juden das Bravourstück, i» der Sedernacht zu einem christlichen Concert zu kommen. Unter den mitwirkenden Damen befanden sich auch solche, die schon vermöge ihrer jü- . bischen Erziehung mehr jüdisches Bewußtsein erwarten ließen. Es waren darunter auch zwei Handwerkertöchter. Es klang wie eine bittere Ironie, als Frau Eigermann den 137. Psalm am Schlüsse sang und die herrlichen Worte: „Stimmt an das Zionslied . . . Es verdorre, meine Rechte, es klebe mein Zunge am Gaumen, wenn ich je dein vergesse, Jerusalem .. ." in den Saal tönten. Ob sich die mitwirkenden Damen die ersehnte Achtung der Nichtjuden erworben haben? Ungarn. Budapest, 29. April. (Die Juden und die Analphabeten.) Von hier wird uns geschrieben:; Es ist eine erfreuliche, bisher noch nicht zur Genüge gewürdigte Erscheinung, daß unter uns Juden eigentlich keine Analphabeten existiren. Ist es doch eine bekannte Thatsache. daß selbst im kleinsten polnischen oder russischen Neste der Jude sein Kind, sä es kaum der Wiege entwachsen ist. hebräisch lesen lehrt. So kommt es, daß die Juden dem Analphabetismus gar kein Kontingent liefern, während Nichtjuden/ ist demselben — je nach der Kulturstufe des betreffendest Landes — mehr oder minder vertreten sind. Drückend fühlbar macht sich der Analphabetismus bei uns in der A r m e e, wo er einen ziemlich bedeutenden Prozentsatz repräsentirt. Und dieses Uebel zu beheben, ist gerade ein ungarischer jüdischer Pädagoge berufen. 'Es ist bereits gemeldet worden, daß der hauptstädtische Kommunallehrer Julius Gabel auf Veranlassung ungarischen Honvedministeriums vom. Corpskommcmdder Budapester Honved eingeladen wurde, seine nunmehr allgekannte, geradezu. Zauber wirkende Methode zum leichten und schnellen Erlernen des Lesens unh