Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 34 (2.5.1904)
- Date
- 1904-05-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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742 gedenkt der Bericht der schönen Feier, die dem Docenten. Herrn Prof. Dr. Berliner, zu seinem siebzigsten Geburtstage veranstaltet wurde. Möge es der Anstalt beschieden sein, daß der Kreis ihrer Freunde und Gönner, wie bisher, stetig wachse, damit sie auch weiterhin ihrem großen Ziele sich widmen kann: Lehre und Leben des traditionellen Judenthums nach dem Beispiele unserer Lehrer und Meister mit dem Bildungsinhalte der Gegenwart harmonisch zu verknüpfen, gesiunungstreue, wissensstarke Lehrer und Leiter der Gemeinden heranzubilden. Königsberg. Zu Ende des letzten Semesters wurde auch hier ein „Verein jüdischer Studenten" gegründet, so daß nunmehr an sieben Universitäten und Hochschulen solche Vereine bestehen. Hiervon gehören fünf dem „Bund jüdischer Korporationen" an, während zwei, Freiburg und Königsberg, beabsichtigen, binnen Kurzem, dem Bunde beizutreten. Man sieht, wie schnell die Tendenz dieser Vereine sich Bahn bricht und wie überall den sog. Assimilationsvereinen der Boden streitig gemacht wird, den sie noch vor Kurzem als uneinnehmbar betrachteten. Seit Mitte dieses Monats erscheint eine, vom V. I. C. herausgegebene, Vieteljahrszeitschrift „Der jüdische Student", unter der Redaktion von Dr. Emil C. o h n in Berlin. Eydtkuhnen, 25. April. Am Donnerstag Abend, zwischen 9 und 10 Uhr, traf in W i r b a l l e n der Starschni-Senscski (ältester Polizist) den Buchhalter Davidsohn, Kaufmann Lakowsky und Moses Paudszisky auf dem Marktplatze an, welche ganz ruhig von der Behausung des Gänsehändlcrs Salomon Paudzsisky kamen. Der angetrunkene Polizist fragte die Herren in barschem Tone, was sie so spät aus dein Markte thäten und beschimpfte sie mit: „Verfluchte Juden!" (Auf Russisch: „Proklati dschjidi!") Darauf .versetzte er dem D. und Moses P. Säbelhiebe auf die Schultern. Herr & entkam. Auf das Geschrei der Geschlagenen eilte Herr Salomon Pausziky mit einer Laterne aus seinem Hause herbei. Als er den Polizisten nach dem Vorfall befragte, erhielt auch er von ihm mit einer Knute Schläge auf die Hand, auch zerschlug der Polizist die Laterne. Die so völlig unschuldig Mißhandelten mußten ärztliche Behandlung aufsuchen. Die Nachtwächter kamen den Unglücklichen leider nicht zu Hilfe. Der Fall ist angezeigt. . — Am Freitag Abend wurden in Neu stadt. bei Sch., dem.' dicht am russischen Zollamt wohnenden Kaufmann M. F r i e d e m a n n von einem eben aus dem Gefängnisse entlassenen Polen und einem Kumpanen die Stubenfenster eingeschlagen. Die Einbrecher steckten. der erwachsenen Tochter des Herrn F. einen Knebel in den Mund und beraubten sie ihrer Baarschaft. nebst goldener Uhr und zwei goldener Ringe. Außerdem stahlen sie alles, was sie greisen konnten. Dem Mädchen gelang es, sich des Knebels zu entledigen., und auf das Hilfegeschrei desselben eilte der Vater herbei. der sofort die Polizei alarmirte. Dieser gelang es glücklicherweise, der beiden Banditen, die bereits entwichen waren, habhaft zu werden und denselben die gestohlene Beute abzunehmen. Eduard Segall. Eichstätt (Bayern). Wiederum hat der Schnitter Tod eine Lücke in unsere Reihen gerissen. Am 13. April (prJ n*2) verschied, nach längeren Leiden, unerwartet schnell, Herr Lehrer Hermann Schaalmann dahier. Die Kunde von seinem Ableben hat nicht nur seine Familie, sondern auch seine Gemeinde und seine zahlreichen Freunde in tiefe Trauer versetzt. War er ja ein Mensch von seltener Herzensgüte und jeder, der ihn zu kennen Gelegenheit hatte, mußte sich zu ihm hingrzogen fühlen. Seiner Gemeinde war er nicht nur Lehrer, sondern auch Führer und in allen seinen Obliegenheiten galten ihm pünktlichste Pflichterfüllung als Devise seines Hundelns. War ihm auch nur ein kleiner Wirkungskreis überlassen, mit um so größerer Jntensivität hat er denselben gepflegt. Seinem Einflüsse war es vor Allem zu danken, daß das kleine Gemeindewesen Eichstätts mit allen religiösen Institutionen bis auf heute sich erhalten hat. Unübertroffen jedoch steht sein Bild vor uns, wenn wir sein Leben mit dem Maßstab allgemeiner Menschlichkeit und wahrer Religiosität messen. Selbst von anspruchlosester Bescheidenheit, war ihm kein Opfer zu groß, wenn es galt, Menschennoth und Menschenelend zu lindern. Sein Woblthun vollzog sich meistens nickt vor dem Auge der Oessentlichkeit, sondern wählte jenen geheimen Weg, der aufrichten will, ohne dabei zu verletzen. Kein Bedürftiger, kein Gedrückter verließ seine Schwelle, ohne lindernden Trost, wie ihn nur aufrichtige Theilnahme spenden kann, gefunden zu haben. Ebenso herzlich, wie sein Verhältniß zu den Menschen, so aufrichtig und ungebeuchelt waren seine Beziehungen zu seinem Schöpfer. Alle Säulen unseres Hehrerl Glaubens erfreuten sich seiner Pflege. Seine Religiöfität war nicht ein Aushängeschild unlauterer Gesinnung, sondern der Ausdruck seines Biedersinnes und seines gottergebenen Gemüths. Es ist ein anderes, mitten in einer frommen Umgebung sich in der von unserer heil. Religion vorgezeichneten Bahn zu bewegen, ein anderes, unbekürnmert nm die modern fortschrittlichen Ansichten der Mitwelt, das Banner traditionellen Judenthums hochzuhalten. Es gehört eben die Ueberzeugungstreue und die Glaubensstarke eines Schaalmann dazu, um aus diesem Kampfe als Sieger hervorzugehen. Es ist eigentlich überflüssig, darauf hinzuweisea, daß Herr Lehrer Schaalmann geschmückt mit w "ms -io mit der Krone des guten Namens, von hinnen schied. Aus einem so.lch pflichtgemäßen Verhalten resultirt Ehre und guter Name von selbst. Bedürfte