Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 34 (2.5.1904)
- Date
- 1904-05-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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736 kosungen, mit welchen der leidende Bruder des Ostens trotz seines Kaftans beglückt, viel mehr, als die laute Entrüstung, mit welcher die Lieblosigkeit des Protzjuden, die schnöde Augendienerei jüdischer Eindringlinge gebrandmarkt wird, dieses Schweigen spricht lauter, als alle von den hochtrabendsten Nationalitätsphrasen triefenden Kongreßreden zionistischer Parteiführer, dieses Schweigen ist das dumpfe, unheimliche Schweigen einer Todtengruft, wo man die Thora begraben hat. — Auf S. 17 wendet sich der Verfasser gegen gewisse, gesetztstreue Kreise, die in dem vom Zionismus proklamirten und in den Vordergrund gerückten rein nationalen Standpunkt eine Gefahr für das gesetzestreue Judenthum erblicken, indem die Proklamirung und Betonung des nationalen Standpunktes die Negierung des religiösen Judenthums und ein reines Nationaljudenthum, in welchemdas religiöse Moment ganz verdrängt ist, zur Folge haben könne. Es geschieht nun das Unglaubliche, daß der Verfasser diesen Einwurf dadurch zu entkräften sucht, daß er die Zweitheilnng in „Religiös" und „National" als nicht dem Boden des jüdischen Gesetzes entsprossen bezeichnet und in Anlehnung an den Bibelvers tti tnsa c?.'rr nr'p' hpk cn: das Judenthum sehr richtig als eine auf alle menschlichen, also auch auf die nationalen Verhältnisse sich erstreckende Lehre definirt. Unsere heilige Lehre kenne keinen Unterschied zwischen ..Religiös" und „National", alles Religiöse sei bei uns National, alles Nationale Religiös. Also nur deßhalb glaubt der Herr Oberrabbiner in der orthodoxen Verurtheilung des rein nationalen Standpunktes der Z i o n i st e n eine unnöthige Angstmeierei erblicken zu können — weil die Thora eine Zweitheilung von Religiösem und Nationalem nicht kennt. Das erinnert wahrlich an die Einfalt jenes frommen Juden, der nicht begreifen konnte, warum so viele am Sabbat ihr Geschäft offen halten, da man ja doch nichts verkaufen dürfe. Wenn sich mm der Verfasser „in Bezug aus die Erhaltung und Konservirung des Judenthums" (S. 18) eine kleine Einschränkung der soeben nachgewiesenen Unterschiedlosigkeit von ..Religiös" und ..National" erlaubt, indem er dem im jüdischen Volke lebenden Nationalbewußtsein eine für die Erhaltung des Judenthums hervorragende Bedeutung vindizirt und zu dessen Bekräftigung den Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch s. A. zum Ausspruch tt'd 'd e-.-u T.np^ zitirt, in welchem das von Gott gestiftete Judentbum in seiner spezifischen Verschiedenheit von anderen Religionen als eine Lehre charakterisiert wird, die nicht an Tempel und Priesterschaft gebunden sein, sondern — Lvd 'b wr« wpfc — alle menschcngesellschaftlichen Verhältnisse leiten und regeln will, so hat der Herr Oberrabbiner Roth in Papa ganz entschieden das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Er wollte dem nationalen Moment eine höhere Bedeutung beimessen, als dem religiösen. Zu diesem Behufe zitirt er Rabbiner Hirsch, der das Judenthum auch nicht als „Religion" aufgefaßt haben wollte. Aber um des Himmels willen. Herr Oberrabbiner, das Judenthum ist keine Religion im nichtjüdischen Sinne des Wortes, das Judenthum ist keine Kirche, sondern eine Religion, von der aus ein ganzes Volksleben sich gestalten soll. Wer den Begriff Religion partout mit kirchlichen Vorstellungsweisen verquicken muß. für den mag in der That eine jüdische Religion nicht existiren, wer aber das Wort in seinem harmlosen Sinne begreift, für den ist Judenthum der Kürze und Bequemlichkeit halber mit deniselben Rechte Religion, wie Rabbiner Hirsch selber Rabbiner einer „Israelitischen Religionsgesellschaft" war. Welch' gewaltige Verheerungen der national-zionistische Taumel selbst in einem ungarischen Rabbinerkopfe anrichten kann, geht aus S. 20 hervor, wo der Papaer Oberrabbiner glaubt, daß, wenn Maimonides bei Abfassung seiner dreizehn Glaubensartikel in un serer Zeit gelebt hätte, er es sicherlich nicht unterlassen haben würde, noch einen Glaubensartikel aufzunehmen, der da lauten würde: rpb mpntr mb? rrresc pasw *;s* cyS H 'PfpVi erca esS Das heißt doch wirklich die Lächerlichkeit des nationalen Schwindels auf die Spitze treiben! (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten unv Korrespondenzen. Deutschland. Berlin. Dem dritten Jahresbericht über die Thätigkeit des Kuratoriums der Pensions-, Wittwen- und Waisenkasse des Verbandes der jüdischen Lehrervereiue im deutschen Reiche vom 1. Januar bis 31. Dezember 3903, entnehmen wir: Das dritte Geschäftsjahr der Kaffe, welches die Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 1903 umfaßt, hat wie die vorhergehenden eine weitere Entwicklung der Kasse gebracht. Von denjenigen, die sich um Aufnahme in die Kaffe beworben haben, mußten drei Bewerber abaewiesen werden, der eine, weil er eine pensionsberechtigte Stellung inne hat, die beiden anderen, weil sie die in den Satzungen festgesetzte Altersgrenze überschritten hatten. Tie übrigen Petenten konnten theils in die Pensions-, theils in die Hilfskaffe ausgenommen werden. Eine Erleichterung des Beitritts wurde durch die Gründung der Samuel- und Eugen