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Der Israelit · 1904-05-02 · Heft 34 (2.5.1904) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 34 (2.5.1904)
Date
1904-05-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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735 sie in Unterscheidung eines aktiven und passiven Zionis- \ mus sprechen werden: Wir haben nur auf Zion zu hoffen und zu beten, aber aktiv etwas zu unternehmen, um unsere Zionshoffnungen zu verwirklichen, stimmt nicht mit unseren Traditionen überein und diesen Einwand mit dem Entgegenstellen von p« z'.v" rrcre *?intr, deren Wichtigkeit und Bedeutung er in gelehrter Heranziehung von ,"221 u. s. w., was noch kein Mensch bestritten hat, nachzuweisen sucht, gänzlich zu entkräften glaubt, so ist dieser Einwand bedeutungsvoll genug, darf aber keineswegs den Angelpunkt antizionistischer Polemik bilden. Wenn also der wahrhaft jüdische Volksgedanke der zionistischen Vorstellung eines den europäischen Kulturvölkern gleichgeordneten und auf kulturelle Betätigung, frei von jüdisch-religiösem Partikularismus, Anspruch erhebenden Volksorganismus jüdischer Nation, in unversöhnlichem Gegensatz gegenübersteht, wie kann der Herr Oberrabbiner behaupten, daß „diesbezügliche von einem Antagonismus zwischen Orthodoxie und Zionismus keine Rede sein kann? Und wenn der Herr Oberrabbiner auf der Kanzel steht, pflegt er da seiner Gemeinde die Erfüllung des jüdischen Gesetzes mit dem Hinweis auf ihre ethnographische Besonderheit an's Herz zu reden, oder richtet er nicht vielmehr ihre Augen himmelwärts zu Gott, der uns von allen Völkern auserwählt und uns seine Thora gegeben? Nein, das fällt dem Herrn Öberrabbiner nicht im Traume ein, er liest die „Welt", freut sich auf S. 5 über die Verurteilung der Assimilation seitens der Zionisten, freut sich darüber, wie der leidende Bruder des Ostens trotz seines Kaftans geliebkost. wie die Lieblosigkeit des reichen Gcldjuden, die Servilität der sich in christliche Gesellschaft Eindrängenden gebrandmarkt, der jüdische Jargon mit brüderlicher Liebe behandelt und gewürdigt wird — freut sich darüber und Thräne'n entstürzen seinen Augen, und indem er an das Lager der aus langem Schlaf erwachenden Brüder mit freudestrahlendem Gesichte tritt und sie mit „Wünsche wohl geruht zu haben" begrüßt, findet er in seines Herzens Jubelfreude, daß selbstverständlich „diesbezüglich" von einem Antagonismus zwischen Orthodoxie und Zionismus keine Rede sein kann. Als ob die Verurteilung der Assimilation für den Orthodoxen dieselben Konsequenzen habe wie für den Zionisten, als ob es dieselben Gefühle seien, mit welchen der Zionist nach Jerusalem schaut, wie sie das Herz des orthodoxen Juden erfüllen, wenn er am Gedächtnitztag des 9. Ab trauernd um Zions Fall, um den Sturz des Gesetzes heiligthums wehklagend sich zu Boden setzt — Herr Rabbiner, am 10. Tebeth ist das Land erobert worden, um sein verlorenes Land trauert der orthodoxe Jude nicht, am 17. Thamus ist die Stadt erobert worden, um die verlorene Stadt trauert der orthodoxe Jude nicht, am 9. Ab ging der Tempel in Flammen auf. darum. Herr Rabbiner, um sein zerstörtes Gesetzes heiligthum trauert der orthodoxe Jude.*) — Thun das die Zionisten auch? Dürfen sie's denn thun, wenn sie die zionistische Sehnsücht nach öffentlich-rechtlich gesicherter Volksgemeinschaft auf palästinensischer Erde richtig erfaßt und begriffen haben? Sehen Sie denn den klaftertiefen Abgrund nicht, an welchem Sie stehen, Herr Oberrabbiner, wenn Sie auf S. 8 behaupten, daß Sie die dem Zionismus zu Grunde liegenden Voraussetzungen als dem historischen Judenthum entsprechend gefunden haben? Angesichts des prinzipiellen Gegensatzes^ der die palästinensische Sehnsucht des Zionisten von der' des orthodoxen Juden scheidet, erscheinen die gelehrten Deduktionen auf S. 9 ff., daß es nicht nur vom Gesetze nicht verboten, sondern im Gegentheil eine gesetzlich anempfohlene Pflicht sei, alles in unseren Kräften Stehende zu veranlassen, daß das heilige Land von jüdischem Volke bewohnt und jüdischen Händen kultivirt werde, volltommen gegen st andslos. , Daß rr*rüE> r.:s2n bz ~::z *\x rp” xroto hat noch kein vernünftiger Gegner des Zionismus bestritten. Was hat denn das mit dem Zionismus zu schaffen? Ist denn der Zionismus aus der Erkenntniß herausgeboren worden, daß bz “üjd 3*»« ns2 n^ptt? rrocw *r.xen V Haben sich die Herren Zionisten wirklich gerade in diese rvssa verliebt, oder sind hier nicht noch andere Momente wirksam, für die Sie, Herr Oberrabbiner, im 2'22i ,pvi und 'ibs vergebens nach Anhaltspunkten suchen werden? In der That, die Sache verhält sich wirklich so. Wenn man über Zionismus spricht, darf man niemals vergessen, daß man es hier nicht mit Kolonisationsbestrebungen in gewöhnlichem Sinne zu thun hat. Das Elend der russischen, galizischen und rumänischen Juden ist schon sehr glt und nie hat es an Kolonisationsbestrebungen gefehlt. Niemals aber hat eine Kolonisationsbestrebung in weitesten Kreisen unserer in religiöser Hinsicht abseits stehenden Brüder mächtiger gezündet, als der. moderne Zionsgedanke. Es muß also in letzterem ein Moment vorhanden sein, das die religiös indifferenten oder irreligiösen und religionsfeindlichen Kreise - besonders symvathisch berührt und sie zu begeistertem Anschluß an die moderne Zionsbewegung veranlaßt. Das Mitleid mit dem namenlosen Elend unserer osteuropäischen Brüder macht es nicht allein. Das persönliche Interesse der westeuropäischen Juden gilt vielmehr der idealen S e i t e des Zionismus, der zionistischen Welt- und Lebensanschauung.derPhil 0 s 0 p h i e des Zionismus. . Die Philosophie des Z i o'n ismüs schweigt sich über d i e T h 0 r a hartnäckig aus. Dieses Schweigen jedoch ist ein ber e d t e s Schweigen. Es sagt viel wehr als'alle-Lieb- *> Bergt. den Aw-Artikel im erste»» Bande des Jeschurun.

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