Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 33 (28.4.1904)
- Date
- 1904-04-28
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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LMjMUSWMDWMMWMW««- 726 den Insurgenten, als auch von den kaiserlichen Behörden anerkannten Loyalität zu danken, daß die Preßburger Gemeinde nicht übermäßig gebrondschatzt wurde. Wie Hermann Pappenheim in der stürmisch bewegten Zeit des Jahres 1848 in aufopferungsooller Weise die bedrohten Interessen seiner Gemeinde Preßburg gegen die damaligen Machthaber vertheidigte, dies möge folgende, vom Schreiber Dieses bereits seinerzeit anläßlich des Hinscheidens Hermann Pappenheim's in diesen Blättern veröffentlichte interessante Episode ans dessen thatenreichen Leben beweisen. Nach der Bewältigung des Aufstandes im Jahre 1848 seitens der kaiserlichen Negierung, begann ein strenges Regime für die an der Revolution betheiligten Städte und Ortschaften. In erster Linie fühlten dies die Juden. Zu dieser Zeit ließ der damalige Polizeidirektor der Stadt Preßburg Hermann Pappenheim in seiner Eigenschaft als angesehenstes Mitglied des Vorstandes der Preßburger Judengemeinde rufen, ihm die Mittheilung machend, daß die Negierung der Preßburger Judengemeinde eine Kontribution von 50,000 Gulden auserlegt habe. Als ihm Hermann Pappcnheim, der die Unmöglichkeit der Aufbringung und Bezahlung dieser enormen Steuer in Folge der großen Armuth der Gemeinde in überzeugender Weise auseinandersetzte, schrie ihn der Herr Polizeidirektor mit den Worten an: „Was unmöglich! Es muß möglich sein." Als Hermann Pappenheim in höflichen, aber entschiedenen Worten seine erste Versicherung wiederholte, herrschte ihn der Herr Polizeidirektor mit den Worten an: „Wissen Sie. mit wem Sie reden?!" da hatte der Brr ewigte den Muth. die Antwort zu ertheilen: „Jawohl, Herr Polizeidirektor? Ich weiß es, daß Sie die Macht besitzen, mich verhaften und eventuell auf zwei oder drei Monate einsperren zu lassen, muß aber trotzdem meine Ihnen gegebene Versicherung wiederholen." Dieser Wortwechsel, der in Folge der Erregtheit Beider so laut geführt wurde, daß der im anstoßenden Zimmer weilende Statthalter, Graf Attems, plötzlich erschien und um den Grund der so in lebhaftem Tone geführten Auseinandersetzung fragte. Als ihm der Polizei- Direktor den Thatbestand erzählte und über das respektwidrige Auftreten und den Widerspruch Pappenheim's sich beschwerte, da machte der Statthalter der peinlichen Szene mit den Worten ein Ende: „Ich kenne Herrn Pappenheim seit Jahren als loyalen kaisertreuen Staatsbürger. Wenn er versichert, daß seine Gemeinde diese Steuer nicht leisten kann, so ist er gewiß im Rechte." Die Eontribution wurde schließlich, auf Anordnung des Statthalters, auf den fünften Theil, nämlich auf 10,000 Gulden, reduzirt. R. Chajim Hirsch Pappenheim war aber nicht nur ein Bertheidiger seiner Glaubensgenossen nach Außen hin, sondern wie bereits oben hervorgehoben, auch ein muthiger Kämpfer gegen die inneren Feinde unseres altererbten Väterglaubens und dessen großen Lehrers, die durch maßlose Reformen unsere TVwo untergraben wollten, indem sie diejenigen unserer großen Thoralehrer. zu denen nur mit Verehrung ausblickten, herabzuwürdigen sich bestrebten. Als nämlich im Jahre 3848 g. Z. R. Ehajim Hirsch Wolf s. A. .Tsar saß. da berichtete man ihm. daß ein Stüdentencorps, von dem bekannten S. Neustadl geführt, in die ..große Schul" eindrang und den -e-s zrz anläßlich seiner Derascha am *nx 't in unqualifizirbarer Weise beleidigte, um von dem damals noch jungen Rabbi Samuel Wolf s. A. Reformen zu erpressen, und daß es. da die Studenten mit Säbel bewaffnet wären. Niemand wage ihnen entgegenzutreten, da rannte N. Chajim Hirsch Pappenheim sofort in die „große Schul" direkt auf den bewaffneten Neustadl zu. diesen am Kragen fassend, mit dem Ausrufe: „Hinaus mit den Schuften, die es wagen unseren '-i zu beleidigen." Dieses Beispiel wirkte und im Nu war die ganze „tapfere" Schaar aus der Schule hinausgcworfen und sie verließ Preßburg auf Nimmerwiedersehen. So vertheidigte R. Chajim Hirsch Pappenheim die Interessen seiner jüdischen Gemeinde, derenSrpn irxt.unb tic er abwechselnd viele Jahre gewesen, den Behörden gegenüber, welche seine geistigen Fähigkeiten, seine Selbstlosigkeit und festen Charakiei hochschätzten. Dies bewies er am glänzendsten, als er eine ihm von der Regierung angebotene Auszeichnung mit der Motivirung ablehnte, er hätte stets nur sc ine Pflicht gethan. Durch verschiedene Verhältnisse veranlaßt, verlegte R. Ehajim Hirsch Pappenheim im Jahre 1853 g Z. seinen Wohnsitz nach Wien, und sein nicht minder begabter Bruder R. Ealman W. Pappenheim übernahm mit seinem Schwager R. Raphael Vettelheim die Leitung der Preßburger Gemeinde. R. Raphael Bettelhcim s. A. war von großer Herzensgute und mit ungewöhnlichem Scharfsinn begabt; seine große Leistungen zum Wohle der Gemeinde entziehen sich aber einer Beschreibung, iveil er es stets ängstlich vermied, in den Vordergrund zu treten. Doch anders geartet war R. Ealman W. Pappenheim, dessen Biographie wir in Nachfolgendem dem geehrten Leser bieten wollen. R. Kalman Pappenheim s. A., geb. 5577. gest. 5629. N. Ealman W. Pappenheim, der Zweitälteste Sohn von N. Wolf Pappenheim s. A.. der berühmte langjährige Parnes und Leiter der Preßburger jüdischen Gemeinde, war eine mit allen schönen Gaben des Geistes wie des Herzens ausgestattete Persönlichkeit. Seinem lebhaften Naturell und seiner ausgeprägten Individualität genügte es nicht, in dem Hintergrund zu bleiben, sondern er suchte einen weiteren Wirkungskreis in der Oeffentlichkeit. Seine ihm gleichstehende Gattin Hanna, geborene Herz aus Frankfurt a. M.. welche fein