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Der Israelit · 1904-04-28 · Heft 33 (28.4.1904) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 33 (28.4.1904)
Date
1904-04-28
Page
– (sequence 19)
Language
German
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723 lich etwas ändern. Als wesentlichste positive Aufgabe habe der Verband noch eine wirklich staatlich anerkannte Organisation der Juden vorzubereiten. Habe der Verband die staatliche Organisation geschaffen, so dürfte er sich re bene gesta auflösen. (Bravo!) Nachdem alsdann die schriftlich eingegangcnen Erklärungen aus München und Stuttgart betreffs der ablehnenden Haltung der Juden Bayerns und Württembergs verlesen wurden, legt Justizrath Dr. Fuchs- Berlin noch einmal die Aufgaben des Verbandes dar. Es handle sich im Gegensatz zu der negativen Thätigkeit des Central Vereins beim Verbände um eine mehr positive Thätigkeit in allen denjenigen Fragen, wo die verschiedenen Verbände Zusammengehen können, um die positive Fortentwickelung des Judenthums. Da der Staat die Organisation nicht gebe, so wolle der Verband mit seinen freien, autonomen Männern sie sich geben. Er erkenne lein politisches oder juristisches Moment an, das die Bayern und Württemberger hindere dem Verbände beizutreten. Es könne nirgends bestimmt fein, das; die jüdischen Gemeinden nicht das Recht haben sollten, mit anderen jüdischen Gemeinden im Jntereffe des JuocnihumS zusammenzugehen. Wie die deutschen Ingenieure, die deutschen Juristen, wie der Evangelische Bund, obwohl die evangelische Kirche nicht landesgesetzlich geregelt sei, sich zusammcnfindcn, so sollten sich auch die deutschen Inden zusammenfinden. Mit Rück sicht auf die noch nicht angeschloffenen Gemeinden bitte er, zunächst die Rotabeln nicht aus den Statuten zu streichen, obwohl es logisch richtiger wäre, die Organisation nur auf den großen Verbänden aufzubauen. Das Wesen des Verbandes solle stille Arbeit sein. Erst solle der Verband unter Dach und Fach gebracht werden, das Uebrige werde sich schon finden. „Arbeiten Sic an dem Ausschuß mit, dann werden wir die geistige Zusammenfassung deS JudcnthumS haben, die wir brauchen nicht blos, weil wir nicht mehr Offiziere werden können, sondern weil wir Juden sein und bleiben wollen." (Lebhafter Beifall.)' Ein Antrag ans Scblus; der Generaldebatte wird sehr unwillig an säen o:n men und abgelehnt, dagegen ein Antrag auf Schluff der Rednerliste zu dieser Debatte angenommen. Stadtrath Hamburger- Karlsruhe ist beschämt, nur als ein ziaer Vertreter aus Süddeutschland anwesend zu sein. In Baden habe man eigentlich keinen Anlaff, sich einer Organisation anzuschlieffen. Er halte eS aber für die Aufgabe aller Juden, dahin zu wirken, daß auch in den übrigen Staaten Organisationen geschaffen werden. Er glaube erklären zu können, daß auch die übrigen badischen Gemeinden eS als eine Ehrenpflicht erachten werden, dem Verbände beizutretcn. Dozent Dr. V a n e t h - Berlin bezeichnet als das Hauptziel des Verbandes die innere Stärkung des Judenthums, und dieses Ziel lverde sicher erreicht werden. Herr Benjamin Hirsch- Halberstadt hält die Frage der Nothwendigkeit des Verbandes als gelöst, nachdem die im Dienste der Gcsammtheit ergrauten Eentralverbände für diese Idee eingetreten seien. Da nur aus formalen Gründen einige noch bei Seite stehen, so könne die Organisation ruhig als Verband der deutschen Juden bezeichnet werden. Er sei nicht dafür, das Ziel des Verbandes zu eng zu stecken, der Ausschuß werde von Fall zu Fall richtig entscheiden. Dr. l e e - Berlin mahnt zur Einigkeit. Das Judenthum müsse noch lernen, Disciplin und Unterordnung unter die selbst und frei gewählten Führer. Der Segen vor allen Dingen werde darin liegen, daß in Hunderttausenden deutscher Juden das jüdische Bewußtsein und Solidaritätsgefühl gestärkt werde, der Abfall aus unseren Reihen schwinde. Rabb. Dr. Eppenstein - Briefen hält es an der Zeit, die bleiche Furcht fallen zu lassen, und begrüßt die Gründung des Verbands als eine erlösende Thal. Dr. Ehrenberg Stettin erklärt den Beitritt der Stettiner Gemeinde, die sich bisher ablehnend verhalten habe. Proi. P h i l i v p \ o n stellt zur Vermeidung j von Mißverständnissen fest, daß seine Bemerkung, bei treffs der geringen Erfolge der liberalen Abgeordneten | für die Sache des Judenthums nur in der Schwächung; des Liberalismus im Parlament liege, und sich auf die Vergangenheit beziehe, daß man zu der Thätigkeit der jüdischen Abgeordneten jedoch das größte Vertrauen habe. Rechtsanwalt B e h r e n d Danzig erklärt, daß er auch für den westpreußischen Provinzialverband, der bisher abseits gestanden, den Beitritt erwirken Voerde. ■ In dein neuen Verbände iverde der Weg für eine staat > liche Organisation gewiesen werden. Herr Mar E l b - Dresden stellt zur thatsächlichen Berichtigung fest, daß entgegen der Meinung vieler daS neue sächsische Judengcsetz doch besser sei, als der bisherige Zustand. Unter lebhaftem Widerspruch erklärt er, daß die Schächtfrage mit diesem gar nichts zu thun habe. Herr Dr. Fieg a l - Berlin überbringt die Zustimmung deS Lchrerverbandes zum Beitritt zur neuen Organisation. Justizrath C a s s e l Berlin tritt sehr warm für die Organisation ein und betont nachdrücklich, daß die fortschrittlichen Parteien jederzeit eindringlich für die Rechte der deutschen Juden eingetrcten seien und dies auch fernerhin selbstständig thun werden. Der Verband wolle Gleichberechtigungs- und Menschheitsinteressen, nicht aber materielle und wirthschastliche Interessen, er dürfe deßhalb nicht mit dem Bund der Landwirtbe und ähnlicher Institutionen verglichen werden. Nachdem noch Kommerzienrath Plaut- Cassel erklärt , hatte, daß für Riederhessen. lvenn sie auch jetzt noch gebundene Marschroute hätten, der spätere Beitritt zum Verbände in sicherer Aussicht stehe, schließt die Generaldebatte, und es tritt etwa eine halbstündige Frühstückspause ein. Ueber die Spezialdebatte müssen wir uns kürzer fassen, ivir können nur die Resultate derselben mittheilen, da auch wesentlich neue Gesichtspunkte nicht mehr zu Tage traten. Nach langer Debatte wurden die beiden ersten Paragraphen einstimmig angenommen. Dieselben lauten: § 1. „Der Verband der deutschen Juden bezweckt die Vertretung aller den Juden im deutschen Reiche gemeinsamer Interessen." „Die Erörterung von Fragen der Religion und des Kultus, so-

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