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Der Israelit · 1904-04-28 · Heft 33 (28.4.1904) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 33 (28.4.1904)
Date
1904-04-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
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7i5 nach dem großen Saale verlegt. Hier versammelte sich um *411 Uhr eine stattliche Anzahl Herren und Dauren, tHeils Freunde und Gönner der Schule, theils Bekannte und Verehrer des Verstorbenen, an ihrer Spitze die Mitglieder der Familie Fraenkel, Vertreter des Vorstandes der israelitischen Kultusgcmeinde, Kuratorium und Lehrerkollegium der israelitischen Realschule etc. Um %11 Uhr betrat der Direktor der israelitischen Realschule Dr. A. F e i l ch e n f e l d das schwarz drapirte, von Blattpflanzen umgebene Podium und gab in halbstündiger Rede eine Darstellung von dem reichen vielseitigen Wirken, das der Verblichene im öffentlichen Leben, im Dienste der Menschenliebe, in den Vorständen verschiedener gemeinnütziger Körperschaften und ganz besonders in der Vorstandschaft der isr. Realschule entfaltet habe. Mehr als 25 Jahre hat der Heimgegangene dem Kuratorium dieser Schule angehört und hat während dieser Zeit die Kassenverwaltung der Anstalt mit größter Opferwiüigkcit geleitet. Durch manche einzelne Züge wußte der Redner die liebenswürdige, energische Persönlichkeit des Entschlafenen, seine stete Hilfsbereitschaft bei öffentlichen und privaten Rothständen. die Uneigenniihiakeit und Selbstlosigkeit seines Wirkens und die große Vertrauensstellung, die er in unserer Stadt einnahm, den Hörern nahe zu bringen. Die Hingebung und Aufopferung, mit der der Verstorbene noch bis zu den letzten Tagen seines Lebens trotz schwerer körperlicher Leiden für die isr. Realschule gewirkt, itmrbe ganz besonders hervorgehoben. Herr Bankier M. Rau. der mit dem Entschlafenen lange Jahre hindurch im Kuratorium zusammengearbeitet, wies dann in warmen, zu Herzen gehenden Worten darauf hin, was Eomm.-Rath Fraenkel durch seine Gewandtheit und Umsicht und seine eminente Friedensliebe sowohl in der Verwaltung der Schule wie auch auf vielen anderen Gebieten geleistet und wie er es überall verstanden habe, etwa vorhandene Gegensätze auszugleichen. Nachdem der greise Vorsitzende des Kuratoriums, Herr Jak. C r a m e r, noch kurz die Tendenz der Anstalt betont und das Verständniß gerühmt hatte, das der Verstorbene der Anstalt stets entgegengebracht, schloß die erhebende Feier. Giessen, 21. April. Als Ergebnis; des Eintretens der hessischen Negierung für Anstellung nur seminaristisch gebildeter Religionslehrer in den israelitischen Gemeinden ist eine Vereinigung der jüdischen Kultusgemeinden von Wieseck. Gießen-Linden, Langgöns, Leihgestern. Holzheim, Grüningcn und Wutzenborn- Steinbach zu Stande gekommen, um einen Wanderlehrer mit dem Sitze in Wieseck anzustellen, zu dessen Gehalt die Regierung vorerst einen kleinen Zuschuß leistet. Wenn die Einrichtung sich bewährt, ist die feste Anstellung des Lehrers in Aussicht genommen. Man hört, daß auch in den andern oberhessischen Kreisen Verhandlungen schweben, die die Frage der israelitischen Religionslehrer in gleicher Weise regeln sollen. Oesterreich. Wien. (Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten in Wien.) In den Rechenschaftsberichten des „Vereines zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten", dessen dreiundsechzigster soeben erschienen, ist Nothschrei und Schmerzensruf eine stehende Rubrik geworden. Die Anforderungen steigern sich von Jahr zu Jahr, die Einnahmen dagegen nehmen eine retrograde Bewegung ein. Immer mehr erstarkt das Bestreben der jüdischen Jugend, sich dem Handwerke zu widmen, sich unter die Obhut und Patronanz des Vereines zu stellen, ein Erfolg, dessen ethische Bedeutung leider keine Würdigung findet. Die Dereinsleitung ist zum lebhaften Bedauern außer Stande, alle sich dem Handwerke zuwendenden jüdischen Knaben unter Obhut zu nehmen, weil die Mittel hierzu nicht ausreichen. Alljährlich muß deßhalb einige .Monate hindurch die Aufnahme von Zöglingen sistirt und denselben, die zumeist aus weiter Ferne unter Roth und Entbehrungen nach Wien kommen, die Thüre gewiesen werden. England. London. Die Judenverfolgung in Limerick (Irland) dauert ungeschwächt fort. Bis jetzt hat sie sich auf einen strikten Boykott und Beschimpfung der Juden, die sich auf der Straße sehen lassen, beschränkt. Die Stimmung der Bevölkerung ist aber derartig, daß ein ernster Aufruhr für unvermeidlich gilt. Letzten Samstag war die Straße, in der die jüdischen Familien, ca. 160 Köpfe, wohnen, militärisch besetzt, da ein Angriff auf ihre Häuser vorausgcsehen wurde. Der Priester, Pater Ereagh, der den Boykott inscenirt hat. ist der Direktor der „Brüderschaft des heiligen Erlösers", der in Limerick 5000 Männer und 1000 Knaben angehören und hat in der Stadt großen Einfluß. Er erklärt offen, er werde nicht ruhen, bis er die Juden aus Limerick ausgetrieben habe, nicht wegen ihrer Religion, sondern weil sie durch ihre geschäftlichen Methoden, ihr Kreditgeber und ihr Abzahlungssystem die Bevölkerung, demoralisirten und ruinirten. Die englischen Juden sammeln für ihre verfolgten Glaubensgcnossen und setzen alle Hebel in Bewegung, um 'die Entfernung des Paters Ereagh aus Limerick zu erlangen. Sie habcn in dem Herzog von Norfolk, dem ersten katholischen Pair Englands, einen werthvollen Bundcsgenosscn gewonnen und auch Kardinal Logue, der Erzbischof von Ermagh, soll ihnen seine Hilfe zugesagt haben. London, 25. April. (Unterhaus.) Staatssekretär Ak"rs Douglas beantragt die zweite Lesung der Vorlage betreffend die Fremdeneinwanderung. Di l k e stellt hierzu folgenden Unterantrag: Das Haus tvünscht, daß die Gesetzgebung die Ausbeutung der

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