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Der Israelit · 1904-04-28 · Heft 33 (28.4.1904) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 33 (28.4.1904)
Date
1904-04-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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714 ven. Daß die Vertheidigung unserer Interessen auf dem Gebiete der Gleichberechtigung mit dem vollen Ge- > Wichte der Einigkeit in die Hand zu nehmen sei, das erscheine nach den Erfahrungen der letzten Zeit ziveifellos. Die Nolle des Stillschweigens, des leisen Protestes, des Sichverkriechcns hinter andere Faktoren müsse aufgegeben werden. Je numerisch schwacher die Juden seien, desto nöthiger sei die Einheit. Das deutsche Judenthum als Einheit werde eine Rücksichtnahme auf die uralte historische und ethnische Gemeinsamkeit fordern und erhalten. Auch diejenigen unter den Glaubensgenossen, die es jetzt noch besser hätten, sollten nicht müßig die Hände in den Schoos legen, während ihren Brüdern in den übrigen Theilen Deutschlands mehr und mehr Abbruch geschehe, nicht thatenlos die Zeit abwarten, bis auch an sie die Reihe komme, und jener antisemitische Geist, der noch immer stärker wehe, werde zweifellos die noch wenigen freien Gebiete ergreifen, wenn ihm nicht Schranken gesetzt würden. Die Negierungen sollen auf keinen Fall gereizt werden. Würden denn nicht vielfach gerade durch den Lärm und die Kundgebungen der Antisemiten die Negierungen viel weiter getrieben, als es ihnen im Grunde recht und lieb sei, wünschen denn nicht viele Männer der Negierung so viel wie möglich einen Gegenwind, der diesen Bestrebungen entgegenwirke? Auch der andere Einwand, das; die Juden sich zu ihrer Unterstützung 1)er liberalen politischen Parteien allein bedienen sollen, sei bereits in der Vorversammlung seitens eines hochgeachteten liberalen Politikers widerlegt worden. Die liberalen Parteien hätten nicht mehr die Macht, wirklich thatkräftig für das Judenthuiu kämpfen zu können. Was die Liberalen Vorschlägen, sei meist dazu bestimmt, von den übrigen Parteien mit einem gewissen Haß und Hohn zurückgewiesen zu werden. Doch es handle sich gar nicht darum, denjenigen politischen Parteien, die die Rechte der Juden bisher verfochten, ein Paroli zu bieten. Ein jeder solh nach wie vor der politischen Partei, der er angehöre, treu dienen, doch ihre eigene Sache müßten die Juden selber verteidigen. Das allein sei würdig und auf die Dauer wirksam. Die praktischen Einzelausgaben des Verbandes könnten, wie der Redner fortfährt, unmöglich alle aufgeführt werden. die Zahl derselben sei zu groß. Vor allem handle es sich darum, die Verletzungen der gesetzlichen Rechte der Juden in umfassender, systematischer und authentischer Weise festzustellen. und zwar in jedem Zweige des öffentlichen Dienstes. Die maßgebenden politischen Faktoren und besonders die Parteien in den Volksvertretungen ebenso gut auch wie die Presse hätten keine Ahnung, in welchem Umfange und in welcher Schärfe das Gesetz zu Ungunsten der Juden verletzt werde. In der Frage der Handelsverträge sei die Behandlung der Juden der der deutschen Christen gleich zu stellen, in der Frage der Gemeindeorganisationen dürfte kein Judengesetz beschlossen werden, ohne die Vertreter des Judenthums zu Rathe zu ziehen, in der Schächtfrage treffe eine Verletzung der Gewissensfreiheit der Orthodoxen alle Juden ebenso stark, als wenn es sich um eine Gewiffensfrage der Gesammtheit handle. (Bravo!) Deßhcklb müsse der Verband an die Regierungen, an Reichs- und Landtag Vorstellungen richten, in Korrespondenz treten mit den Redaktionen der Zeitungen. (Fortsehi'.ng in der zweiten Beilage.) Zeitungsnachrkchlen und Correspouvenzerr. Deutschland. Mainz, 27 April. (Geis und Lamml e i n.) Herr Geis, Herausgeber des „Frankfurter Jsr. Familieublattes" hat uns seiner Zeit durch einen Artikel: „Wolf und Lämmlein" überschnellen, schwer beleidigt. Wir verzichteten damals auf jedes Wort der Entgegnung und haben auch die Gerichte nicht in Bewegung gesetzt, weil wir entsprechend unserem streng orthodoxen Standpunkt nicht -!s^e sein wollten. Umso mehr waren mir erstaunt, als Herr Geis vor einiger Zeit sich veranlaßt sab, eine harmlose Notiz im „Israelit". in der von zuständiger Seite festgesiellt wurde, daß Herr Geis entgegen seiner Mittheilung mit Herrn Jnstizrath Hirsch s. A. nicht befreundet war, zum Gegenstand einer Klage wider uns machte. Gestern wurde nun diese Sache vor dem hiesigen Schöffengericht verhandelt. Unser Anwalt Herr Dr. L ö b brachte bei der Verhandlung wiederholt zum Ausdruck, toie peinlich es wirte, wenn derartige interne jüdische Angelegenheiten vor dem Forum eines nichtjüdischen Gerichtshofes verhandelt würden. .Als daher vom Richter der Vorschlag gemacht wurde, daß sich die Parteien vergleichen mögen, gingen wir bereitwillig daraus ein und erklären hierdurch, daß wir mit der in Nr. 3 des „Israelit" erschienenen Notiz weder der. journalistischen, noch persönlichen Ehre des Herrn Saly Geis nahe zu treten beabsichtigten. Redaktion des „Israelit". Oskar Lehmann. Fürth, 25. April. (Trauerfeier für Commerzienrath Fraenkel.) Die israek. Realschule veranstaltete gestern Vormittag eine würdige I Trauerseier für ihr verstorbenes langjähriges Vorstandsmitglied, Herrn Commerzienrath Fraenkel. Ursprünglich war der kleine Saal des Hotel National für die Feier bestimmt tvorden; da man aber hörte, daß eine größere Betheiligung von Freunden des Entschlafenen in Aussicht stehe, wurde die Feier noch in letzter Stunde

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