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Der Israelit · 1904-04-28 · Heft 33 (28.4.1904) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 33 (28.4.1904)
Date
1904-04-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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T i 708 Letztere muß schnell und sicher ausgeführt werden, d) Nicht nur während des Schächtaktes, sondern auch für die ganze Dauer der nach dem Halsschnitte eintretenden Muskelkrämpfe muß der Kopf des Thicres fest-, gelegt werden, damit nicht der Kopf des in Muskelkrämpfen liegenden Thieres am Boden aufgeschlagen und verletzt wird, e) Die Schichtung darf nur durch geprüfte Schächter ausgeführt werden tverden." München, 25. April. (Aus dem bayrischen Landtage.) Zum Anträge Mem - m i n g e r , auf Gründung eines Staatsanzeigers, bemerkt der liberale Abgeordnete S a r t o r i u s zu der hierauf bezüglichen Petition der christlich-sozialen Vereinigung in München, daß jeder sofort beim Durchlesen die Ueberzeugung gewinne, es handle sich hierbei nur darum, die religiöse Frage und die Judenfrage aufzurollen. Er gehöre nicht zur „Judenschutztruppe", fühle aber keinen Anlaß, ohne zwingenden Grund gegen diese Glaubensrichtung aufzutreten. Wenn es sich um geschäftliche Auswüchse handelt, so kann man auf deren Beseitigung hinwirken, ohne Rücksicht darauf, ob Jude oder Christ. Diese Fragen sollen also ausgeschaltet bleiben. Abg. Memminger erwiderte in seinem Schlußworte, daß die meisten Münchener Zeitungen Juden - dlätter seien. Die Preßleute wären mehr oder weniger von den Juden abhängig; auch er selbst müsse die Depeschen für sein in Würzburg erscheinendes Blatt von einem Judenbureau beziehen. Man sei nicht im Stande, ein eigenes Depeschenbureau zu gründen. Der Antrag Memminger wurde gegen die Stimmen der freien Vereinigung abgelehnt. München. Unser jüdischer Mitbürger Herr Lehmann B e r n h e i m e r hat in seiner Vaterstadt Buttenhausen (Württemberg) eine Realschule erbauen lassen und sie mit allen nöthigen und modernen Einrichtungen 'versehen. Auch eine Lehrerwohnung ist in dem schönen Gebäude, welches als eine Zierde des Ortes betrachtet wird. Die Einweihung fand am 11. d. Mts. statt. Derselben wohnten unter anderem bei die Herren: Commerzienrath L. Bernheimer mit seiner Familie, ferner Studienrath Dr. Greifs als Stellvertreter der Ministerialabtheilung für höhere Schulen. Oberamtmann Binder. Professor Dr. Junker aus Ulin. als technischer Leiter und Gutsherr von Weidert. Herr L. Bernheimer übergab dem Magistrat 110.000 Mk. zur Besoldung des Lehrers und »zur Unterhaltung der Schule. Herr Bernheimer tvill nun auch in München eine jüdische Volksschule erbauen lassen und sein großes, palastartiges Geschäfts- und Wohnhaus zu einem jüdischen Krankenhause hergeben. Herr Commerzienrath und Hoflieferant Vallin (Möbelfabrikant), will die Einrichtungsstücke zu diesem großen, edlen Zwecke widmen. Herr Bankier und Commerzienrath M. K i r ch - d o r f e r will die jetzige, weitläufige, isr. Leichenhalle, welche nach Schließung des jetzigen isr. Friedhöfe? nicht mehr als solche benutzt wird, zu einem Asyl für jüdische Obdachlose einrichten lassen. Die vielen bedauernswerthen Armen, besonders aus Rußland und Polen, welche hierherkommen und oft von allen Geldmitteln so entblößt sind, daß sie sich kein Abendbrod kaufen können, werden es als unendlich große Wohlthat empfinden, Nachtquartier, ein warmes Abendessen, ein Bad, frische Wäsche und wenn nothwendig, bessere Kleidung zu erhalten. Frau L i e b m a n n will die Betten, Herr Stoff die Wäsche, Herr Isidor B e ch die Kleidung spenden. Oesterreich. Prag. (Moses und Hamurabi.) Ueber Einladung des „Centralvereines für jüdische Angelegenheiten" sprach dieser Tage Herr Dr. Arnold Rosenbacher, Präses der hiesigen isr. Kultusgemeinde im Prunksaale des „Hotel Central" über „Moses und Hamurabi". Ein ungemein zahlreiches Publikum hatte sich zu dem Vortrage eingefunden und empfing den Redner mit sympathischem Beifall. Der Vortrag beschäftigte sich zunächst naturgemäß mit den Referaten, welche Professor Delitzsch in der Deutschen Orient -Gesellschaft zu Berlin über die Ergebnisse seiner Assyrien-Forschung erstattet hatte. Die in diesen Referaten aufgestellten Behauptungen über die Wechselbeziehungen zwischen hem Codex Hamurabi und der Bibel hatten durch die starke Geringschätzung, mit welcher Professor Delitzsch die Bibel behandelte, das Interesse der öffentlichen Meinung für diese Frage wachgerufen. Dieses Interesse mußte sich steigern, als Kaiser Wilhelm, der dem ersten Vortrage beigewohnt hatte, in einem Briefe an Professor Harnack seine Zustimmung zu den Ansichten Delitzsch aussprach. Was die Angriffe, welche Delitzsch gegen die Bibel und damit gegen das Judenthum richtete, so sensationell machte, war, wie Dr. Rosenbacher hervorhob. das Publikum, vor dem er sie erhob, und die Methode, die er hierbei befolgte. Enthielt sein erster Vortrag lediglich wissenschaftliche Behauptungen, über deren Richtigkeit sich streiten läßt.'so machte sich der zweite lustig über das Judenthum und wärmte die alte, hundertmal widerlegte Legende von dem jüdischen Rachegott auf. Dr. Rosenbacher wies diese Angriffe in würdiger Form zurück und besprach sodann in längerer, scharf vointirter Rede die Unterschiede zwischen der Bibel und dem Codex Hamurabi in ethischer, moralischer und strafrechtlicher Beziehung. Er wandte sich zunächst gegen die Behauptung, daß die Bibel die Gesetze Hamurabis, den man mit dem biblischen Amrafel identifiziren will, übernommen habe. Die Kasuistik, welche sich in vielen Bestimmungen der Hamurabischen Gesetze zeige, fehle in der Bibel und es sei unwahrscheinlich, daß ein späterer Gesetzgeber diese oft interessanten kasuistischen Entscheidungen für die Gesetzesbestimmungen der Bibel nicht berücksichtigt' hätte. Auch die Behauptung, daß 4

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