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Der Israelit · 1904-04-25 · Heft 32 (25.4.1904) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 32 (25.4.1904)
Date
1904-04-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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699 Krösells ausgesprochen, noch seine Leute aufgefordert.; die Versammlung von Krösell zu besuchen, und für Krösell zu stimmen. Er sei im Gegentheil ein Gegner der Krösellschen Kandidatur im hiesigen Wahlkreise gewesen. Er habe zu Krösell gesagt: Er solle sich einen anderen Wahlkreis suchen, der hiesige Kreis sei dem Bund der Landwirthe sicher. — Krösell fragt den Zeugen, ob er zugebe, daß er zu seinem Ober-Inspektor gesagt habe: ich weiß noch nicht, für wen ich stimmen werde, Krösell ist mir sympathisch, ich würde seine Mahl mit Freuden begrüßen. — v. Wangenheim bestreitet, einen derartigen Ausspruch gethan zu haben. — Dr. med. Schütze (Freienwalde) bekundet, er sei stets konservativ gewesen. Er sei in einer Versammlung Krösell entgegengetreten. Krösell habe dann behauptet, daß Schütze früher freisinnig gewesen sei und gesagt: er habe dies von dem Gastwirth Linke gehört. Letzterer' habe aber bestritten, eine solche Aeußerung getban zu haben. Ter Gerichtshof erachtete in mindestens drei Fällen den Nachweis für geführt, daß Krösell bewußt die Unwahrheit gesagt habe. Nichtsdestoweniger habe er eine Beleidigung für vorliegend erachtet. Mit Rücksicht auf die Erregung, in der sich der Angeklagte angesichts der Wahlbewegung befand, hat der Gerichtshof eine Geldstrafe von 160 M. event. 16 Tage Gefängniß für eine ausreichende Sühne erachtet. Königsberg i. Pr. lReligionsschule „A d a ß I i s r o e!".) Dein Berichte der Religionsschule „Adaß Jisroel" für das Schuljahr 1903/4 entnehmen wir: Die Frequenz der Schule hat wieder zugenommen. Während des verfloffcnen Schuljahres wurde die Anstalt von 126 Zöglingen, und zwar von 08 Knaben und 57 Mädchen besucht. Der Jugendgottesdienst fand jeden Sabbat Nachmittag von 3—4 Ühr statt. Die Funktionen bei demselben wurden von den Schülern abwechselnd ausgeübt. An den Festtagen sind di: Schüler und Schülerinnen vom Besuche der öffentlichen Schulen auf Grund von Dispensations-Gesuchen befreit, zu welchen am Anfänge des Schuljahres allen Zöglingen Formulare ausgehändigt werden. Alzey, 21. April. Der Verein für jüdische Geschichte und Litteratur hielt dieser Tage eine Versammlung ab, die von etwa 120 Personen besucht war. Herr Rabbiner Dr. M. David aus Bochum hielt einen sehr interessanten Vortrag über „jüdische Maler und Bildhauer aus dem vorigen Jahrhundert", sprach über deren Tbeorie und Praxis und erläuterte seine Ausführungen durch Lichtbilder. Die zahlreich Erschienenen lauschten mit großer Spannung den Worten des Redners, der großen Beifall fand. Worte des Dankes sprach Herr Rabb. D. Levy hier Namens der Zuhörer aus und schloß die Versammlung. . Oesterreich. Wien. Wir haben hier auch ein — antisemitisches Theater, das schon manchen Sturm erlebt hat. — Der gegenwärtige Direktor — einer hat schon abgewirthschaftet — Herr Rainer-Simons lud kürzlich das Ensemble des Carl-Theaters zu einem Gastspiel ein. Da Herr Rainer-Simons aber die Bedingung stellte, daß die jüdischen Mitglieder des Carl-Theaters hierbei ausgeschaltet bleiben müssen, zerschlug sich die Sache. Die Direktoren des Carl-Theaters erklärten, daß sie bei ihren Mitgliedern nicht nach der Konfession, sondern nach dem Können fragen. Anders verhielt sich der Direktor des Theaters an der Wien, Herr Karrzag (früher Karpeles!) Er trat unaufgefordert an Herrn Rainer-Simons heran und erklärte sich ihm gegenüber bereit, diese Konzession bezüglich der Konfession zu machen, und hat, damit das dreitägige Gastspiel im Jubiläumstheater zu Stande komme, der geforderten Ausmusterung unter seinen Kräften entsprochen. Einen erfreulichen Gegensatz zu dem Verhalten des Direktors Karczag bildet das Vorgehen Girardis. Einen Gastspielantrag des Herrn Rainer-Simons, der ihm 1000 Kronen für einen Abend bot, lehnte er mit den Worten ab: „In einem Theater, welches jüdische Künstler boykottirt, spiele ich nicht." (Herr Rainer- Simons ist der Sohn eines getauften Juden, der heute noch ärger mauschelt, wie ein vormendelssohnscher Ghettojude. Red. d. „Jsr.") England. London, 19. April. (Antisemitismus in Irland.) In der Stadt Limerick hat man unter klerikaler Anleitung einen so vollständigen Boykott über die dort ansässigen Juden verhängt, daß viele dieser geschäftlich ruinirt sind. Mit dem Boykott geht eine terroristische Behandlung der Juden, die sich auf den Straßen sehen lassen, Hand in Hand, und der Boykott selbst, gegen den die Behörden machtlos sind, dehnt sich auf die umliegenden Distrikte aus. Die Londoner Blätter sprechen von einem „irischen Kischinew". London. (A r b e i t e r b e w e g u n g.) Im Ostende Londons sind die jüdischen Bäcker in den Ausstand getreten; sie stellten nachstehende Bedingungen: Mindestlohn von 26 Sh. pro Woche, 12-stündiger Arbeitstag, Anbringung einer tradeunionistischen Marke auf jedem Brod, ein Ruhetag im Zeitraum von sieben I Tagen. Der Streik nahm seinen Anfang mit großen Umzügen durch die fast nur von Ausländern bewohnten Straßen. Bei diesen Umzügen fiel besonders eine große Schaar jüdischer Schneiderinnen auf, die ein mit hebräischer Inschrift versehenes Banner mit üch trugen. An der Spitze des Zuges marschirte ein nur aus Juden zusammengesetztes Musilkorps in rothen Röcken. Auch wurde eine Tafel mit russischer Inschrift getragen. Am Nachmittag versammelte sich eine aus allen

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