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Der Israelit · 1904-04-25 · Heft 32 (25.4.1904) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 32 (25.4.1904)
Date
1904-04-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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festgestellten Satzungen, daß allein „christlich deutsche" Reichsangehörige Mitglieder des Bundes lverden können, gestrichen, damit auch die jüdischen Handwerker dem Bunde beitreten können. Wir hoffen zuversichtlich, daß nunmehr alle jüdischen Handwerker dem Bunde, dessen Programm ein sehr wichtiges, die Interessen des Handwerks forderndes ist, beitreten werden, um auch auf diesem Wege die Insinuationen der Antisemiten zu widerlegen. Berlin, 22. April. Der Verleger der antisemitischen „Staatsbürgerzeitung". der dann inzwischen bei den letzten Rcichstagswahlen das Mandat Ahlwardts erlangt hat, Herr B r u h n , ist wegen Beleidigung aus Anlass der Konitzer Mordaffäre zu sechs Monaten Gefängniss verurtheilt lvorden und verbüßt zur Zeit diese Strafe in Tegel. Das ist im politischen Kampfe schon manchem Redakteur passirt und es sind höhere Gefängnißstrafen von Politikern und Journalisten ruhig hingenonimen worden. Der Krieg schlägt Wunden. Herr Bruhn hatte vor einiger Zeit ein Gnadengesuch eingereicht oder seine freunde hatten es eingereicht, und das war zurückgewiesen worden. Neuerdings hat er selbst in einem Gnadengesuch um Erlaß des Nestes seiner Strafe gebeten und dasselbe hatten für ihn die 29 antisemitischen Bürgervereine Berlins gethan. Diese Gesuche hat der Kaiser, wie die „Staatsbürgerzeitüng" mittheilt, auf Grund höchsteigener Entschließung abgelehnt. Berlin. Erst in den Ferien hat sich die „Ger mania" der Juden erinnert und ihrem Artikel gegen die Antisemiten einen gegen die Juden folgen lassen, weil die „jüdische Presse" gegen die Aushebung des § 2 des Jesuitengesetzes sich ereifert hatte. Es ist ein trauriges Stück Arbeit, immer und immer wieder das hundert mal gesagte und widerlegte wiederholen zu müssen, zumal ivenn man dabei die Uebcrzeugung erlangt hat, daß man es mit einem Gegner zu thun Hai. der gar nicht belehrt sein tvill. Im Centrum weiß man so gut wie überall, daß es leine andere jüdische Presse gibt als die. welche sich mit den religiösen Angelegenheiten des Judcnthums befaßt und daß diese niemals gegen Einrichtungen der katholischen Kirche etwas geschrieben hat. Und noch besser weiß man im Centrum, daß die leitenden jüdischen Kreise nicht den geringsten Einfluß auf die liberale Presse haben, auch selbst wenn es sich um Blätter handelt, die jüdische Verleger und Redakteure haben. Es wäre ja auch gar nicht zu verlangen, daß jene Blätter ihre politische Uebcrzeugung uns zu Liebe ändern oder verschweigen sollten. Und sie würden es auch sicher nicht thun. Wenn es der „Germania" um ein Beispiel zu thun. ist, so möchten wir nur auf den Vabel-Bibel-Streit Hinweisen, wo die gesammte liberale Presse auf einem Standpunkt brharrt, der das Judenthum in seinem Grunde befehdet. Wenn nun gar auf ein Schächtverbot hingedcutet wird, so dürfte damit das diametrale Gegentheil der beabsichtigten Wirkung erreicht werden: die liberalen Blätter, die getroffen werden sollen, würden gleichgültig oder gar zusiimmend ein solches Verbot als „Fortschritt der Entwicklung" begrüßen — und getroffen würden nur die orthodoxen Juden werden, die doch das Centrum wahrhaftig auch nicht in ihren religiösen Empfindungen verletzen will. Im übrigen dürfen wir wohl vermuthen, daß das Centrumsblatt nicht im Aufträge oder im Sinne der Fraktion oder auch nur eines größeren Kreises gesprochen hat. Es trifft sich gut, daß gerade in diesen Tagen ein oberschlesischer Pfarrer eine antisemitisch angehauchte Postkarte an die Vossische Zeitung geschickt hat, weil diese ihn beschuldigt hatte, er lasse polnischen Arbeitern nicht deutsche Lieder ins Grab singen. Darauf schrieb der geistliche Herr: „Ich frage Sie hiermit an, ob S i e vielleicht beim Begräbnisse polnischer Juden deutsche Lieder singen werden?" Und das betreffende Blatt gibt eine Antwort, die vielleicht auch der „Germania" und ihren etwaigen Hintermännern zu denken geben wird: „Was soll die Hindeutung auf die polnischen Inden und das deutsche Lied? Empfindet Herr Kkowronet das Bedürfnis, sein antisemitisches Herz zu offenbaren? Das wäre thöricht, denn Hochwürden weiß sehr wohl, dass die oberschlesischen Juden sich ausnahmslos zum Dcutschthum bekennen und darum nicht volnische Juden sind, und doppelt thöricht wäre die Offenbarung, weil die jüdischen Geschäftsleute auf dem Lande nock immer die strammsten Zentrumsagitatoren gewesen sind." — Ttargnrd (i. Pom.), 20. April. Der bereits einmal vertagte Beleidigungsprozess des antisemitischen Reichstags-Abgeordneten, Pastor a. D. K r ö s e l l wider den Rittergutsbesitzer v. Derenthal (Karkorv) gelangte heute vor dem Schöffengericht zum Abschluss. Rittergutsbesitzer v. Derenthal hat zur Zeit der Reichstagswahlen zu einem Fuhrmann gesagt: „Wie können Sie nur die Zettel vertheilen und den Pastor Krösell im Lande herum fahren. Er hat als Pastor gelogen und ein Pastor, der lügt, iü in meinen Augen ein Schweinehund. Der kommissarisch vernommene Superintendent Friede mann (Wartenberg) hat bekundet: Krösell habe in einer Wählerversammlung gesagt: Er habe mit Hofprediger Stöcker eine längere Unterredung gehabt; dieser wünsche seine Wahl. Er (der Zeuge) habe darauf Hofprediger Stöcker schriftlich angefragt, ob sich diese Behauptung des Krösell bewahrheite. Stöcker habe geantwortet: Er habe mit Krösell über Politik nicht gesprochen und müsse bekennen, daß er Krösell nicht für fähig halte, einen Wahlkreis zu erobern. — Freiherr v. Wangenheim bekundet: Er habe sich weder für die Wahl

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