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Der Israelit · 1904-04-25 · Heft 32 (25.4.1904) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 32 (25.4.1904)
Date
1904-04-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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45. Jahrgang. eikage zu M 32 des „Israelit Freiheit und Gesetz. Line Betrachtung zur Gmerzeit von S. A. Frankfurt a. M. Freiheit und Gesetz, Gesetz und Freiheit! Sind das nicht feindlich sich bekämpfende Gegensätze? Was ist Freiheit, wenn man nicht thun und lassen kann, was man will, wenn man nicht unbeschränkt über sich selbst bestimmen kann jeden Augenblick? Was ist Gesetz, wenn nicht: dies und dies muß man thun, dies und dies muß man unterlassen? Wenn also das Gesetz bindet, wie kann man frei sein? Und wenn man frei sein will, wie kann man das Gesetz anerkennen? Und gerade die Sefirozeit ist es, wo sich diese Gegensätze auf's schroffste gegenüberstehen. Die ehernen Fesseln des Jahrhunderte langen Sklaventbums waren gesprengt.' Für Israel war die Sonne der Freiheit aufgegangen, eine Lenzessonne, die lange Zeit von den düsteren Schatten der Knechtschaft verhüllt gewesen, und nun kann es wieder frisch und frei aufathmen aus der schwer beängsteten Brust. Aber kaum war Israel aus der frostigen Nacht der Knechtschaft, unter deren eisigen Hauch es erstarrte, zur warmen belebenden Sonne der Freiheit herausgeführt, so sollte es gleich wieder in die Schranken des Gesetzes hineingeführt werden, die ihm Schritt für Schritt hemmend im Wege standen. War das in der That nicht eine Beschränkung der soeben erlangten Freiheit? Dennoch ist die Lösung einfach, die Thora bringt sie uns. „Rufet Freiheit aus im Lande für all' seine Bewohner!" und „meine Gesetze beobachtet und tuet sie!" Das heißt Gesetz und Freiheit bilden keinen Widerspruch, sondern beide gehen in eine höhere Harmonie auf. Die Freiheit, die sich lossagt von allem Gesetz ist keine Freiheit, denn sie reißt sich los von Liebe und Nechi und gibt sich dem Sklaventhum der Sünde und des Verbrechens hin. Die falsche Freiheit ist im Grunde nur Zügellosigkeit, ein Ueberspringen aller Schranken. Nach solcher Freiheit ruft nicht die Vernunft, nach ihr ruft wilde Begierde. Das Gesetz aber ist nicht Zwang, nicht Beschränkung, sondern der Führer zur wahren Freiheit. Wenn wir einen Blick in die Natur werfen, können wir das voll und ganz erkennen. In ihr herrscht Freiheit, aber durch weise Ordnung geregelt. Im Himmelsraume schweben die Welten scheinbar schrankenlos, aber et-pen nt w xSc* o~6 jna?en pn Gesetz und Zeit hat ihnen Gott angewiesen, daß sie ihren Auftrag nickst verändern; eine unzählige Menge von Thieren und Pflanzen beleben die Erde, aber gesetzlich geordnet „Alles nach Seiner Art". Und so hat Gott auch den Menschen die Freiheit des Willens gegeben, aber nach einem höheren Gesetze, das aus Gott seinen Ursprung hat und zu Gott cmporführt, und dieses Gesetz ist die Religion. Sie macht den Menschen erst frei, weil sie ihn unter die Herrschaft einer beglückenden Vorschrift stellt; von ihr beflügelt, schwingt sich der Geist frei über die Sümpfe der Sünde empor, und fühlt sich beseligt in der Tugend reinem Aether. Mit den Waffen der Religion angethan, ist der Mensch siegreich wider den Versucher in seinem Herzen, wie unsere Weisen sogen: 02b v',2'-nri ,02b jwn on dwm crnro „Die Gottlosen stehen unter der Gewalt ihres Herzens, die Frommen haben das Herz in ihrer Gewalt." So ist die Religion der Stab, womit der freie Mensch zur Höhe emporstrebt. Das Volk Israel sollte nun auch, wie jeder einzelne Mensch, seine Freiheit durch die Gesetzgebung erhalten. Als es aus Aegbpten zog. war es eine gesetzeslose Menge. Sein weiterer Wandel mußte erst durch Gesetz begrenzt, durch Ordnung, Sitte und Form bestimmt werden. Nachdem es in einem Lande verweilte, wo keine Sitte heilig war, konnte es erst den Segen der Gottesgebote erkennen.. Doppelt theuer sind die Güter geworden, in deren Besitz es gelangt war, und was Israel sonst gleichgütlig, wie Luft und Sonnenschein angesehen hätte, wurde jetzt sein höchstes Gut. Es mußte aber erst frei werden, damit es fähig würde, das göttliche Gebot zu verstehen, dieses mußte es aber empfangen, damit ihre Freiheit geheiligt würde. So konnte das Wort Gottes ein Mauerbrecher wider die geistige Knechtschaft und eine Schutzwehr für die Freiheit sein. Als die Israeliten dieser Schuhwehr hohnsprachen und der Willkür anheim fielen, da verfügte Gott stets neuen Druck über sie. um ihnen zu zeigen, daß sie der Freiheit nicht werth seien, weil sie der Religion nicht achteten; sie verfielen der Geißel des Gerichts, weil sie durch das Gesetz sich nicht gebessert hatten. Religion und Freiheit müssen also einander unterstützen. So erwarten wir nun, sehnsüchtig die Tage zählend, das Fest der Gesetzgebung, das uns erst die lvahre Freiheit gebracht hat und immer noch bringt. Zettungsnachrrchten und Correfpondenzen. De"tschland. Berlin, 21. Apick. Der Ausschuß des Bundes der Handwerker hat in seiner ersten Sitzung am 10. j d. Mts. zum Mißvergnügen der Antisemiten die Bestimmung in den bisherigen, allerdings nur provisorisch

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