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Der Israelit · 1904-04-25 · Heft 32 (25.4.1904) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 32 (25.4.1904)
Date
1904-04-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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696 Er sollte gleich am folgenden Tage Veranlassung haben, diesen Scharfblick noch mehr zu bewundern, denn bereits am folgenden Tage ward sowohl die Welt, als auch Herr Doktor Keßler in maßloses Staunen versetzt, durch die Verlobungsanzeige der Frau Gräfin Stefanie Steinfels, geb. Baronesse v. Holm, mit Herrn Doktor Otto Keßler, die schon am frühen Morgen im Tagblatt zu lesen war. Daß diese Nachricht ungeheure Sensation hervorrief, war selbstverständlich, in allen bürgerlichen Kreisen erweckte sie sogar herzliche Theilnahme, denn Keßler hatte keine Feinde, allgemein gönnte man dem strebsamen jungen Arzte sein s. g. Glück. Nur die sich zu den oberen Zehntausend rechneten, rümpften verächtlich die Nasen und erinnerten an die bekannte Excentrizität der Gräfin. Keßler war zuerst sprachlos vor Staunen, als er am Morgen den ersten Schritt aus seiner Wohnung machte und da von allen Seiten Freunde und Bekannte auf ihn zueilten und ihn beglückwünschten. So gings den ganzen Tag, wohin er kam. wo er sich blicken ließ, überall trafen ihn Glückwünschende. Als er gegen Abend zu seiner Braut kam, warf sie sich lachend in seine Arme. „Gestern hast Du den Wunsch geäußert, der ganzen Welt unser junges Glück zu verkünden, ich habe ihn sofort erfüllt, obgleich ich es vorgezogcn hätte, meine Verlobung mit dem Herrn Professor Doktor Keßler anzuzeigen. Aber ein Wunsch von Dir geht allem andern vor. Ich möchte wohl Dein Gesicht gesehen haben, als Du die Verlobungsanzeige gelesen hast." „O. als ich die gelesen habe, da war mein Staunen längst vorüber, denn da hatte ich vielleicht schon hundert Gratulationen entgegengenommen. Aber als die Ersten mich beglückwünscht haben, wenn Du da mein Gesicht gesehen hättest, würdest Du es vermuthlich nicht besonders geistvoll gefunden haben." Sie lachte herzlich, aber sie verschwieg ihm weislich, daß sie ihre Verlobung schleunigst in echt bürgerlicher Weise veröffentlicht hatte, weil sie ihn schleunigst noch fester an sich binden wollte. Sie glaubte nämlich bemerkt zu haben, daß ihm seine Konfession doch nicht so vollkommen gleichgiltig war, wie sie dieses vermuthet hatte und sah voraus, daß es mit Schwierigkeiten verknüpft sein werde, ihn zum Aufgeben derselben zu bewegen. Das aber hielt sie für unerläßlich, denn sie hatte erfahren, daß ihm zwar die bereits mehrfach erwähnte Professur angetragen würde, doch unter der Be, dingung, daß er zur christlichen Religion übertrete. Es lag ihr daher alles daran, ihn mehr und mehr zu umgarnen. Und das verstand sie, wenn sie es wollte. In den nächstfolgenden Tagen entfaltete sie eine geradezu berückende Liebenswürdigkeit. Ihr Bräutigam hatte sich keineswegs aus leidenschaftlicher Zuneigung zu ihr mit ihr verlobt, jetzt aber hätte er freudigen Herzens sein Leben für sie hingegeben. Er hatte auch das Anerbieten eines Kollegen angenommen und demselben seine Abendpraxis überlassen, um sich mehr seiner Braut widmen zu können.- (Fortsetzung folgt.) Wochen-Ralmdev. Donnerstag. 28. April. 13- Jjar. 'S'oN rwjn. Freitag, 29. April. 14. Jiar. Sabbat-Anfang in Mainz u. Frankfurt a. M. 7 Ubr 15 Min. Samstag, 30. April. 15. Isar, udr. Sabbat-AuSgang in Mainz u. Frankfurt a. M. 8 Uhr 30 Min. — Berlin 8 Ubr 16Min. — München 8Uhr 08 Min. — Stuttgart 8 Ubr 21 Min. — Stcaßburg 8 Uhr 25 Mim — Posen 8 Uhr 04 Min. — Stettin 8 Uhr 17 Min. — Breslau 7 Uhr 54 Min. — Nürnberg 8 Uhr 14 Min. — Wien 7 Uhr 54 Mi». — Paris 8 Ubr 15 Min. — Prag 8 Uhr 05 Mn. Montag. 2. Mai. 17. Jjar. 'iS n'ym. Dienstag. I. Mai. tö'W i“*>. Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Hontags nnd Donnerstaga, jedesmal in mindestens zwei Bogen Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. ^Ausland entsprechend höher. Mau abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. 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Verantwortliche Redaction: OLcar Lehmann in Mainz. — Expedition de» JSraelit'. Schottstraß elNr- 2. Mainz. Druck und Verlag der A ob. Wtrtb'schen Hofbuchdruckeret Actien-Geselllchast in Mainz. Hierzu zwei Berlage«.

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