Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 32 (25.4.1904)
- Date
- 1904-04-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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694 artigen Einflüsterungen verschließen, und am besten thun, die Hetzer der Polizei anzugeben. . Dieses Cirkular hat eine sehr beruhigende Wirkung auf die russische Bevölkerung ausgeübt, die den Worten des obersten Geistlichen immer noch mehr als der Polizei oder irgendwelchen Verordnungen der Regierung traut. Leider besitzt Rußland eine ganze Reihe von Leuten, die bewußt oder unbewußt den Rassenhaß gegen die Juden ganz systematisch zu entflammen suchen und kein Mittel scheuen, um iheren Zweck zu erreichen. Eine gewisse traurige Berühmtheit hat in dieser Hinsicht Herr Menschilow, der Sonntagsfeuilletonist der «Nowoje Wrcmja" erworben, der sich soweit in seinem Judenhaß verstiegen hat, daß er glattweg die Behauptung auf stellte, die Juden wären die eigentliche Ursache des gegenwärtigen Krieges. Japan hätte sich ohne den Zuspruch Englands und Amerikas nienmls zu diesem Kriege entschlossen. Diese beiden Länder ließen sich aber nur von zwei wichtigen Faktoren leiten, der Börse und der Presse, die beide in den Händen der Juden liegen, und Japan systematisch in einen Krieg mit Rußland hineingetrieben batten. Auf diesen empörenden Artikel gingen der «Nowoje Wremja" und der . Snamja", deren Namen man am besten garnicht nennt, da dieses Blatt eigentlich nicht den Namen einer Zeitung verdient, die strikte Weisung der Oberpreßverwaltung zu, keine weiteren Hetzariikel gegen die Juden zu bringen. England. London. (Gedächtnißfeier zum Andenken an Colonel Goldschmidt s. A.) Auf Sonntag, den 30. April. Nachmittags 4'/. Uhr. hatte die Jewisb Lad's Brigade einen Gottesdienst zu Ehren ihres leider so früh verstorbenen Führers ansagen lassen. The Great Synagoque war dicht besetzt von der Elite Londons, welche nur mit besonders ausgegebenen Karten Zutritt hatte. Wenige Minuten vor “»,5 Uhr betrat die Wittwe mit ihren beiden Töchtern und ihrem kleinen Enkel, geleitet von zwei Offizieren der Brigade, di- Synagoge und der geistliche Führer der Brigade. Rev. Francis Cohen begann mit dem Mincho-Gebet. Dann sang der Knabenchor der Garde den Psalm XVI in herrlicher Weise und gab die feierliche Stimmung als Unterlage für die groß angelegten Worte, welche Rev. Chief-Rabbi Dr. Adler dem Verstorbenen nachrief. Während er auf der einen Seite ein Bild des schönen Familienlebens entrollte, zeigte er. hinweisend auf 800 anwesende Knaben mit den Schärpen und Mützen der Brigade angethan, die Errichtung einer der Lebensaufgaben des Verstorbenen, die Errichtung der Jewish Lad's Brigade, die heute 3000 Soldaten aufweise und von der Regierung als die zukünftigen freien Soldaten anerkannt worden sind. In herrlichen Worten wandte sich der Großrabbiner an die. welche heute anwesend, und ermahnte sie. Ehre zu machen ihrem Führer, welcher noch im letzten Augenblicke seines herrlichen Lebens an sie gedacht, indem er letztwillig bestimmte, keine Kranzspenden ihm mitzugeben, sondern das Geld hierzu in die Kaffe der Brigade fließen zu lassen. Und dann gedachte er der großen Verdienste, welche Oberst Goldschmidt sich um die zionistische Sache erworben, gedachte seiner Mitarbeit in der El-Arish-Commifsiou, wie er alle Beschwerden außer Acht gelassen, um vielleicht das hohe Ziel bald zu erreichen, feinen Brüdern eine neueHeimath zu gründen. Mitten im Schassen sei er aus seiner Arbeit abgerufen worden; mögen die Wittwe. seine Kinder und wir alle Trost empfinden, indem wir seinem Wahlspruch Ehre machen, nach welchem er sein Leben eingerichtet: from strengtli to strength von Kraft zu Kraft. Lautlose Stille herrschte, als der Rabbiner geendigt und der Chassan in englischer Sprache das Gebet sprach, welches man hier als letztes den Todten nachruft und als er dann nach dem Olenu, das Kadisch begann, salutirten alle Soldaten und die Offiziere und sangen gemeinsam das Adon Olom. Hier setzte das Trompeter-Chor ein und blies mit vollem Orchester den Chopin'schen Trauermarsch. Tief ergriffen waren die Anwesenden, als dann zwei Offiziere mit schwarzumhüllter Fahne den Almemm: betraten und die «Last Post", den letzten Gruß dem Verstorbenen nachriefen. Unter Absingen der englischen Rational-Hymne verließen die Anwesenden das Gotteshaus. Amerika. Nelvyork, 21. April. Das Repräsentantenhaus nahm einstimmig einen Antrag an, durch den der Präsident ersucht wird, Maßregeln zu ergreifen, welche die gleichmäßige Behandlung amerikanischer Bürger aller Konfessionen allenthalben sichern. Diese Resolution ist gegen Rußland gerichtet. cMttilleiott. ichtung. Von Friedrich Noll. I37 Wenn sie den Glanz, den Ruhm ihres Sohnes erlebt hätten, den er unablässig mehren wollte durch Werke der reinsten Menschenliebe, hätte da nicht Himmelsscligkeit ihre Brust erfüllt? Aber kannte er denn seine Eltern nicht? Und plötzlsch war es ihm. als hebe sich die hagere, sleischlose Hand seines Vaters aus dem Grabe und schleudere Fluch auf den Unglückseligen, der das Andenken seiner Eltern entweihte. Ein halblauter Schreckensrus. entfuhr seinen Lippen, unwillkürlich wandte er sich seitwärts und taumelte