Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1904-04-25 · Heft 32 (25.4.1904) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 32 (25.4.1904)
Date
1904-04-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2449986-2450016--60522-2521475
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

698 Worten: „Cäsarea war kleinlich, als es groß war, Jerusalem blieb groß selbst in seinem Fall!" Die Hoffnung des Judenthums und des ganzen Menschengeschlechts birgt der Namen Jerusalem, denn am Abend der Weltzeit wird es dort licht sein. Der Vortrag erntete lebhaften Beifall. Hcilbronn, 22. April. Herr Nath. Wachs hier hat in der hiesigen isr. Gemeinde 36 Jahre lang als Kirchenpfleger und Kirchenvorsteher gewirkt, zu welchen Ehrenämtern ihn das Vertrauen seiner Mitbürger berufen hat. Aus Gesundheitsrücksichten mußte er eine Wiederwahl ablehnen. Als Zeichen der Anerkennung für seine ersprießlichen Dienste wurde ihm nun am vergangenen Sabbat von dem isr. Kirchenvorsteheramt eine schön ausgestattete Adresse überreicht, in welcher seine rühmlichen Verdienste um unsere Gemeinde durch -i cy ri:b ,-icn rcnxi usrc rr> hervorgehoben und ihm gebührender Dank ausgesprochen ist. Möge es ihm vergönnt sein, sich dieser Ehrung noch recht lange erfreuen zu dürfen. Ungarn. Budapest. Im Dorfe Mezöterem (Ungarn), das von Schwaben bewohnt wird, wurden antisemitische Konsum- und Verwerthungsgenossenschaften errichtet. Diese haben aber nur ein Scheinleben geführt, denn beim jüdischen Greisler waren die Maaren billiger erhältlich. als bei der Konsumgenossenschaft und der Bauer konnte für seine Produkte beim jüdischen Händler einen besseren Preis erzielen, als durch die Verwerthungsgenossenschaft. Die Genossenschaftsleiter nahmen daher zu einem Gewaltmittel Zuflucht: sie ließen nämlich durch alle nichtjüdischen Einwohner eine Erklärung unterschreiben, in welcher diese sich bei einer Strafe von zehn Kronen verpflichten, bei einem Juden nichts einzukaufen, noch ihm etwas zu verkaufen. Die in dieser Ortschaft ansässigen jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden sehen sich nun gezwungen, das Dorf zu verlassen, falls der Handelsminister ihnen gegen diese ungesetzliche antisemitische Vergewaltigung keinen Schutz bieten sollte. Klausenbnrg, im April. Es sind erst wenige Wochen verflossen, seit durch den zu frühen Tod der Frau Rosa S e l i g s. A.. nicht nur in ihrer Familie, sondern auch in unserer ganzen Gemeinde eine recht fühlbare Lücke entstanden ist. Und nun hat diese Familie und unsere Gemeinde schon wieder einen schweren Verlust zu beklagen. bv “CP Eine Wunde neben der andern! Denn vor einigen Tagen erfolgte auch das Ableben der Frau Lina Selig, geb. Schwartz, die eine wahre b'n jibw, an der Seite ihres segensreich wirkenden Gatten, wie an dem ganzen Judenthum war. Es ist nicht leicht, in wenigen Worten, wenn auch nur im Umrisse das Bild einer solchen rjuit zu zeichnen. Die Verblichene war eine Tochter des Gr.-Wardeincr Vorstehers firmo ", der eben hierher gekommen war L'-pv pn jv“D rrxa zu sein, und diese moy wurde in eine solche Trauer verwandelt. Die große Betheiliaung an der mb legte beredtes Zeugniß von der allgemeinen Verehrung ab, die Frau Selig im Leben genoß. Fast drei Tausend Personen, Juden und Nichtjuden, bewiesen der Verblichenen die letzte Ehre. Am offenen Grabe hielt unser Oberrabbiner, Herr M. G l a s n e r, eine herzergreifende Trauerrede, die bei allen Anwesenden ein lautes Schluchzen hervorrief. Gebe der Allmächtige dem trauernden Gatten und der Familie Trost in dem Gedanken, daß der Name Lina Selig als der eines wahren Biederweibes nie vergessen werden wird bei Tausenden. Uns allen, die wir die treue Freundin, die echte Jüdin bei jeder Gelegenheit entbehren werden, möchte Er noch andere Frauen erstehen lassen, die dem Beispiele dieser edlen Frau folgend, eintreten für wahrhaft Gutes und Edles, rratsr!. a m xim D. Abrahamsohn. Rußland. Petersburg. (Regierung und Antisemitismus in Rußland.) Der Krieg hat alle anderen Ereignisse in den Hintergrund gedrängt, und doch gibt es Erscheinungen, über die man nicht stillschweigend hinweggehen kann. Schon seit Wochen und Monaten kursirten die mannigfachsten Gerüchte über bevorstehende Judenhetzen in Südrußland. Gerüchte, die um die Osterzeit eigentlich alljährlich in Rußland auftouchen, seit dem Blutbad in Kischinew aber eine besondere Bedeutung gewonnen haben. In diesem Jahr haben Regierung und Geistlichkeit vereint der furchtbaren Macht der Finsterniß, die noch über einem großen Theil des russischen Volkes liegt, entgegenzutreten gesucht, und es ist ihnen gelungen, die unruhigen und aufgehetzten Gemüther mit Erfolg von solchen wahnsinnigen Anschlägen zurückzuhalten. Erst dieser Tage ist wieder ein neues Cirkular des Bischofs von Kischinew veröffentlicht worden, in welchem er alle seine Gemeindemitglieder ernstlich davor warnt, den von böswilligen Leuten ausgesprengten Gerüchten Glauben zu schenken, daß die Juden den gegenwärtigen Krieg heraufbeschworen hätten und den Interessen Rußlands feindlich gegenüberständen. ' Die Regierung habe dafür Sorge getragen, daß sich derartige traurige Vorfälle wie in Kischinew nicht mehr wiederholen werden, und jeder Versuch, solche Unruhen zu veranstalten, werde mit Waffengewalt unterdrückt werden. Leider fänden sich aber in Rußland noch immer genug sogenannte „aufgeklärte" Männer, die aus Rassenhaß die russische Bevölkerung zu einem offenen Kampf gegen die Juden aufzustacheln versuchten. Ein jeder wahre Christ werde sich daher der-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.