Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 31 (21.4.1904)
- Date
- 1904-04-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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sein dürfe, seine eigenen Angehörigen schlechter zu behandeln, als die Fremden. Alles das ist unrecht. Die deutschen Juden können nach der Verfassung verlangen, daß sie gleich den deutschen Christen behandelt werden. Der deutsche Reichstag hat den verfassungsmäßigen Grundsatz der Gleichberechtigung aller seiner Staatsangehörigen auch zur Geltung zu bringen. Dem Auslande gegenüber giebt es nur Deutsche. Bei den bevorstehenden Verhandlungen mit Rußland wird der Staatssekretär des Auswärtigen hoffentlich diesen Grundsätzen Anerkennung verschaffen, damit in Zukunft das auf der Saalburg gesprochene Wort civis germauus sum nicht nöthig hat. Halt zu machen vor den Grenzpfählen des russischen Reiches. Abg. Müller- Sagan (Frs. Vp.): Es wäre bei den jetzigen Handelsvertragsverhandlungen an der Zeit, auf eine bessere Behandlung unserer jüdischen Mitbürger, die als Geschäftsreisende nach Rußland kommen, zu dringen. Die Art, wie diese Leute jetzt behandelt werden, klinge wie ein Hohn auf das stolze Wort „civis germanus sum.4* (Lachen rechts.) Ich bedauere, Herr Abg. Pauli, daß Sie so wenig nationales Empfinden haben und über diese Sache lachen. Es ist doch Thatsache, daß die Juden im Osten vielfach die Träger des Deutschthums sind. (Lachen rechts.) Die Frage müsse bei den Verhandlungen mit Rußland klar gestellt werden. (Beifall links.) Staatssekretär Freiherr v. Richthofen: Einer „Klarstellung" bedarf die Frage der Behandlung ausländischer Juden in Rußland nicht. Die russische Regierung hat uns keinen Zweifel gelassen, daß sie die ausländischen Juden nicht besser behandeln könne, als die eigenen. Wir werden bei unseren Verhandlungen nach Möglichkeit bestrebt sein, eine bessere Behandlung der deutschen Juden in Rußland zu erreichen und wir hoffen, daß wir zu einem günstigen Resultat kommen. Abg. v. Kardorff (Rp.): Gewiß wäre es wunschenswerth, daß unsere Juden in Rußland weniger belastet würden; aber schon Fürst Bismarck hat mir einmal gesagt, daß die Russen ausländische Juden doch unmöglich besser behandeln können, als einheimische. Wenn wegen dieser Frage keine Handelsverträge mit Rußland zu Stande kämen, so bin ich ganz damit einverstanden. Abg. G ö t h e i n (Frs. Ver.): Wenn wir in ähnlicher Weise wie der Vorredner versucht hätten, die Verhandlungen mit Rußland zu erschweren, so würde man uns die größten Vorwürfe machen. Ich kann diesen ' Ausführungen nur beistimmen. Abg. v. Kardorff: Ueber das, was ich zu sagen habe oder nicht, kann ich von dem Vorredner keine Belehrung annehmen. Abg. Pauli- Potsdam (kons.) erklärt, er habe nicht über den Inhalt der Worte des Abg. Müller gelacht, sondern über die Art des Vortrages. ZeitrrngsuachrlHlerr und Correfpouderrzeir. Deutschland. Berlin, 19. April. (Aus den Vereinen für jüdische Geschichte und Litterat u r.) Dr. I. N i e m i r o w e r, Rabbiner in Jassy und Dr. M. Friedländer, Sekretär der Alliance JsrcuMe Universelle in Berlin, bereisen gegenwärtig die östlichen Gegenden Deutschlands, um durch Borträge, die zirmeist in den Geschichtsvereinen stattfinden, einerseits über die Verhältnisse der Juden im Orient, anderseits über die Wirksamkeit der Alliance Aufklärung zu verbreiten. Sie sprachen am 13. d. Ms. in Bromberg (Vorsitzender Rabbiner Dr. Walter), am 14. in Jnowrazlaw (Vors. Louis Sandler), am 16. in Thorn (Vors. Prof. Dr. I. Horowitz, der die anschließende Discussion leitete), am 17. in Schneidemühl (Vors. Rechtsanwalt Sold in).. Es zeigte sich überall, wie lebhaft das Interesse auch für unsere fernwohnenden Glaubensgenossen ist, wie gern und eifrig man eine nähere und anschauliche Schilderung ihrer eigenartigen und oft so traurigen Verhält-- niffe vernimmt und wie alle Herzen sich erwärmen, wenn von jenen großen Vereinigungen gesprochen wird, die seit den Tagen eines Montefiore und Crsmieux stetig und aufopfernd für unsere unglücklichen Brüder arbeiten und ihnen helfen, dem politischen Druck und den Lockungen der Mission gleicherweise zu widerstehen. Berlin. Als genauer Kenner der Würzburger Verhältnisse durch jahrelangen Aufenthalt dortselbst und heute noch bestehende Orientirung und Benachrichtigung über das sich dort Ereignende, ist es für mich eine Ehrenpflicht, den Artikel „Aus Franken" in Nr. 29 Ihres geschätzten Blattes nicht unerwidert zu lassen. Schmach und Schande auf das Haupt desjenigen, b«r die nichtjüdische und besonders die antisemitische Oeffentlichkeit dazu benützt, um Einrichtungen für mm zu verunglimpfen, jüdisches, von wahrer nnerr erfülltes Wirken zu kritisiren. Ein solches Gebühren richtet sich selbst, und daß durch dasselbe nichts, gar nichts erreicht wird, sondern dem „Rischus", das ja ohnehin groß genug ist, Wasser auf die Mühle treibt, ist ja klar. Ich will ja damit nicht in Abrede stellen, daß in Würzburg vielleicht Mißstände herrschen, die zu verbessern wären! Aber nenne mir doch jemand eine Stadt, wo solche nicht vorhanden wären? Nenne mir jemand eine Gemeinde, in der nicht Klatschgeschichten, Unwahrheiten und dergleichen verbreitet werden; eine Einrichtung, die nicht verbal erungsbedürftig ist? Rechte Männer brauchen wir, die in selbstloser Weise der Sache der Wahrheit dienen und nur ihr dienen wollen, dann würden alle Mißstände — so weit sie zu beseitigen sind — schwinden, ohne daß die breite Oeffentlichkeit auf Dinge