Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1904-04-21 · Heft 31 (21.4.1904) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 31 (21.4.1904)
Date
1904-04-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449986-2450015--60503-2521455
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

675 aufmerksam gemacht wird, deren Beilegung sich allein in den vier Wanden abspielen sollte. (Wir haben dieser Zuschreist in wesentlich gemilderter Form Raum gegeben und haben alle Anspielungen und Entgleisungen in das Gebiet des Persönlichen fortgelassen, weil wir überzeugt sind, daß der Sache des Friedens, den wir im Interesse unserer Thora und unseres Ansehens sehnsüchtig herbeiwünschen, durch ruhige und sachliche Erörterung allein gedient ist. Sodann konstatiren wir, daß unser Berichterstatter aus Franken genau denselben Standpunkt vertreten hat, als der Schreiber obigen Berichtes. Red.) Frankfurt a. M. Dem siebenten Jahresberichte des Vereins „Kindergarten für Israeliten" entnehmen wir: In den Jahren 3902 und 1903 hat das Institut in seiner günstigen Entwickelung gute Fortschritte gemacht. Am 26. Februar 1903 fand die statutengemäße Hauptversammlung statt, in welcher der Rechenschaftsbericht, welcher 13,132.87 Mark Einnahmen und 12,210.37 Mark Auslagen aufwies, verlesen und dem Kaffirer Decharge ertheilt wurde. Im Jahre 1903 betrugen die Einnahmen 19,31428 M., die Ausgaben 18.426.41 M. Daß das vorhergehende Jahr 1902 eine besonders hohe Einnahme aufweist, kommt von einigen großen Legaten her, die demselben zugewiescn wurden. In beiden Jahren betrug die Anzahl der Zöglinge etwa 60, der durchschnittliche Besuch 65; es beweist dieses schon, daß der Gesundheitszustand ein G. s. D. guter war. Königsberg. (Verein für jüdische Geschichte und Litteratur.) Am 23. März hielt Herr Professor Dr. Rühl einen fesselnden Vortrag über Nikolaos von Damaskus, den Kanzler des Königs Herodes des Großen, der als Sohn einer vornehmen nichtjüdischen Familie ca. 64 v. d. g. Z. geboren wurde, später aber vielleicht das Judenthum (jedoch nur als „Proselyt des Tores") annahm. Seine philosophische Bildung, verbunden mit seiner rhetorischen Begabung lenkten die Aufmerksamkeit des Antonius auf ihn, so daß er ihn zum Lehrer seiner Kinder machte. Wann er zuerst an den Hof des Herodes kam, ist nicht überliefert.- Doch finden wir ihn wohl seit dem Jahre 20 als Lehrer und staatsmännischer . Rathgeber des Königs thätig, der mit Rücksicht auf seine zahlreichen nichtjüdischen Unterthanen und feine Beziehungen zu Rom einen griechisch gebildeten Kanzler nöthig hatte. Er betraute Nikolaos mit den wichtigsten diplomatischen Missionen, bei denen er immer mit Erfolg die Interessen des Königs und der Juden zu vertreten verstand und sich bei Augustus auch persönlich einschmeichelte. So sandte er ihm öfter von den trefflichen Datteln Palästinas, die der Kaiser desioegen Nikolaos-Datteln nannte, welcher Name bei Griechen und Juden Eingang fand. Nach dem Tode des Herodes lebte Nikolaos wahrscheinlich in Nom. Von seiner ausgedehnten und vielseitigen fchriftsiellerischen und wissenschaftlichen Thätigkeit zeugen heute nur noch Fragmente seiner Selbstbiographie und seiner beiden historischen Hauptschriften, die uns auch nur in dem großen Sammelwerk des byzantinischen Kaisers Konstantinus Porphyrogennetus erhalten sind. Es sind dies sein großes Geschichtswerk in 144 Büchern, das auch die Hauptquelle des JosephuS für die Geschichte des Herodes bildete, und die Biographie des Augustus. Obgleich Nikolaos wenig Kritik an den ihm vorliegenden Geschichtsquellen übt, und im ersten Werke seinen Herrn Herodes möglichst reinzuwaschen sucht, außerdem auch von maßloser Eitelkeit erfüllt ist und dem Kaiser mit überschwenglichem Lobe schmeichelt, kann er doch nicht als direkter Geschichtsfälscher bezeichnet werden, und können seine Werke, wo sie Thatsachen mit-, theilen, einen gewissen Werth beanspruchen. Vielleicht ist Nikolaos auch der Autor der pseudo-aristotelischen Schrift de plantis. Amerika. Newyork. Seitdem Direktor Conried seine bekannte Aufführung des „Parsifal" veranstaltete, hat ein wahrer Parsifaltaumel fast das ganze Newyork ergriffen. Alles will die berühmte Oper sehen und hören. Und da Newyork in seinem Innern die Angehörigen aller Nationen und Sprachen der Welt beherbergt, so hat es demgemäß auch eine Menge Theater, deren jedes in einer anderen Sprache spielt, unter ihnen ist nicht das geringste das Jargontheater an der Bowery. ' Und, man lese und staune, Parsifal, die spezifisch christliche Oper, die Oper, in der die Ceremonien der christlichen Kirche so getreu auf die Bühne gebracht wurden, daß die Geistlichkeit sogar Protest erhob, dieser „Parsifal" wird in den Jargon übertragen und soll an einem jüdischen Theater aufgeführt werden! vermischtes Frankfurt a. M. Prof. Trommershausen erhielt den roten Adlerorden vierter Klasse, ferner gelegentlich ihrer Pensionicrana der Lehrer der Realschule der israelitischen Religionsaesellschaft Prof. D o r t m a n n den - Kronenorden dritter Klasse und die Lehrer M. Löwenthal und M. Apelt den Kronenorden vierter Klasse. München. In der jüngst vom D. I. G. B. versandten Propagandabroschüre wird gesagt: .Nicht weniger erfreulich ist der korporative Anschluß deS „Bayerischen Landesvereins* für israelitische KultuSgmeinden. Diese Annahme deS geschäftsführknden Ausschusses des D. I. G. B. beruht auf einem Jrrthum. Der korporative Anschluß des »Bayrischen Landesvereins". hat nicht stattgefunden; dieser Verein hat dem G. B. lediglich einen Beitrag au seinen Zwecken bewilligt. München. Commerzienrath. Herr Bankier Moritz Kirchdörfer beging am 14. d. M. seinen 70. Geburtstag. Die Dorstandschaft der isr. Cultusverwoltung. welcher Herr Kirchdörfer seit L4 Jahren angehört, sandte eine kunstvoll ausgeführte Adresse. Der iSrael. Waiseuverekn. sandte eine Glückwunschdeputation. Ebenso der bayerische Frauenverein, dessen Schrisifschrer er seit 14 Jahren ist.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.