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Der Israelit · 1904-04-21 · Heft 31 (21.4.1904) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 31 (21.4.1904)
Date
1904-04-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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663 -* Nicht so erheblich wie die Frage der jüdischen Reserveoffiziere sei die der aktiven jüdischen Offiziere. Hier muffe vor allen Dingen eingesetzt werden. Man sage immer, daß die Juden keine aktiven Offiziere werden wollen, weil sie in anderen Berufen mehr Geld verdienen. Aber die. Neigung zum Soldatenberufe sei, wie das Beispiel anderer Lander beweise, im Judenthum stark vertreten. Es müssen daher die maßgebenden Faktoren gezwungen werden, endlich einmal Farbe zu bekennen. Das könne vielleicht dadurch geschehen, daß jüdische Avantageure, wenn sie von einem Regimente abgewiesen werden, zu einem zweiten, dritten, vierten, fünften gehen. Werden sie auch dann abgewiesen, so ist der klare Beweis erbracht, daß man keine Juden als aktive Offiziere haben will, und damit ist man dann schon ein gut Stück weiter gekommen. Der Versuch werde schwer sein, er werde vielleicht scheitern, aber es lohne sich, ihn im Interesse der großen, nationalen Sache, die auf dem Spiele stehe, bald zu unternehmen. Es müsse Klarheit geschaffen werden auf diesem Gebiete, und dies zu thun, müsse eine der vornehmsten Aufgaben des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus sein. (Lebh. Bravo!) Nach einem interessanten Korreferat des Reichsünd Landtagsabg. Prof. Dr. Eickhoff-Remscheid (Fr. Dpt.), das mit einem flammenden Appell an den Verein, die Bestrebungen des Antisemitismus mit allen Mitteln zu bekämpfen, schließt und von lebhaftem Beifall begleitet war, wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: »Die Stellung der Juden im deutschen Heere entspricht in keiner Weise dem verfassungsrechtlichen Grundsätze konfessioneller Gleichberechtigung. Zumal . in Preußen ist heute das Aufrücken unserer jüdischen Mitbürger in Offiziersstellungen thatsächlich ausgeschlossen. Da die Juden an den Heereslasten wie an ' allen, anderen Staatslasten zum Vollen betheiligt werden, so erscheint ihre aus sachlichen Gründen schlechterdings nicht zu rechtfertigende Zurücksetzung im Heere als eine staatsbürgerliche Ehrenkränkung, die eines Rechtsstaates unwürdig ist.* Berlin, 17. April. (Repräsentantens i tz u n g.) - Frau Pauline T a l l e r geb. Lichtenstein. hat der Armenkommission 1580 Mk. übergeben. Herr I. Wachtel dem Krankenhause 208.81 Mk. Das .Ehepaar Max und Rosalie O z an s k i hatten eine Summe zur Erhaltung von Gräbern und für andere. Zwecke drponirt. Da die Verhältnisse nach dem Tode.des Ehegatten sich geändert hatten, so wollte die Gattin, die Verfügung ändern und die Sumnie kürzen. Es hatte sich inzwischen herausgestellt, daß. ein Der-, wandter der Eheleute kaum zu leben hatte. In Folge dessen hatte der Vorstand die Schenkung nur unter der Bedingung angenommen, daß der arme Verwandte 5000 Mk. erhalt. Zur Anschaffung eines Flügels für die Mädchenschule wurden 760 Mk. bewilligt. Von Seiten des Vorstandes der Beerdigungskommiffion war ein Antrag auf Anschaffung eines Harmoniums für die Bethalle auf dem Friedhofe in Weißensee gestellt worden. Der Referent, Herr Professor Geiger, bittet für diesen Zweck 800 Mk. zu bewilligen. Er wünschte jedoch, daß das Harmonium nur auf besonderen Wunsch in Gebrauch komme, ein Zwang dürfe in keiner Weise ausgeübt werden, ihn störe insbesondere das Getöse der Stimmgabel und das Gerassel der Stühle. Letzteres entschuldigt er mit der allzugroßen Lebhaftigkeit unseres Stammes. Herr Gustav Löwenberg erklärt, daß ein Harmonium auf dem Friedhofe unjüdisch sei. Man sei vor Jahren ursprünglich nur aus Rücksicht für einen Mann, dessen Konfession man eigentlich nicht recht kannte, soweit gegangen, den Friedhof am Sabbat und an Feiertagen zu öffnen. Auf diesem Wege käme man dahin schließlich, noch Blasinstrumente dort ertönen zu lassen. Nachdem Herr Prof. Geiger nochmals für die Vorlage eingetreten, erfolgte die Abstimmung. Das Resultat ergab die Ablehnung. Bei Punkt 4, Ankauf eines Terrains zur Errichtung eines Krankenhauses in der Exerzierstraße erhoben sich einige kleine Bedenken. -Während man. und das hebe ich heute ganz besonders hervor, auf liberaler Seite der Meinung ist, daß aus religiösen Bedenken einige den weiten Weg behufs Krankenbesuches am Sabbat scheuen würden, erklärt ein Conservativer. daß für ihn bei der Hygiene und der Schule alle religiösen Bedenken fortfallen. Nachdem Herr Maurermeister Fraenkel das Terrain als in jeder Beziehung geeignet erklärt hat und die Ansicht ausgesprochen, daß kaum ein besseres zu haben sei, wird die Erwerbung einstimmig beschlossen. Zur Feststellung des Kultus in der Synagoge Rykestraße werden zwei Vorsteher, außerdem die Herren W. Cohn. Isidor Sachs. Louis Sachs und Prof. B l a f ch k e gewählt. Memel, 18. April. Wie das hiesige Tageblatt meldet, ist der frühere Qberpräsident von Ostpreußen. Freiherr Hugo von R i ch t h o f e n, am 11. d. Mts. in Florenz gestorben. Der Verstorbene, welcher kaum etwas mehr denn zwei Jahre dieses hohen Amtes in unserer Provinz waltete, hat gleichwohl in dieser verhältnismäßig kurzen Zeit des Guten so viel vollbracht, daß sein Name hier wie anderswo stets mit Ehrfurcht genannt werden wird. Was ihn besonders auszeichnete, das war seine wahrhaft menschenfreundliche und vorurthrilslose Gesinnung, die er namentlich' in ' seinem Verhalten gegen Andersgläubige bekundete. :Der Verstorbene war ein Mann von höchst , liebenswürdigem und leutseligem Wesen, ein Mann von reinstem Adel, und hat diesen seinen hohen Seelenadel,wiederholt durch die That zu erkennen gegeben, so besonders während der ^verhängnißvollen »Ausweisungsbewegung*, von welcher

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