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Der Israelit · 1904-04-21 · Heft 31 (21.4.1904) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 31 (21.4.1904)
Date
1904-04-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Kr: „und meine Sabbate sollt ihr hüten" — denn ihr alle, Eltern wie'Kinder, seid in erster Linie verpflichtet, mich zu ehren?' Diejenige Pflichterfüllung also, die uns in Übereinstimmung läßt mit der Pflicht gegen! Gott, ist für uns die „höhere Pflicht". Im Grunde gej nommen ist ja das jüdische Pflichtenleben -nur ein ein-! heitliches und nicht ein dreigetheiltes, denn alle uns ge-! botenen. Pflichten erhalten ihren Werth und ihre j höhere Weihe eben erst in dem Bewußtsein, daß es Pflichten gegen Gott sind, daß ihre ewige Verbindlichkeit nicht in der sog. .menschlichen Moral begründet erscheint. Das bringt uns aber auch die Darstellungsweise der angeführten Verse recht deutlich vor's ' Auge, da es jeder Pflicht in dem Nachsatz „ich bin der Ewige,, euer Gott," gleichsam das heiligende Gottes- [ pegel aufdrllckt, uns jede Pflicht der Thora in erster , Linie als Pflicht gegen Gott erkennen lehrt.! Werdet heilig, denn heilig bin ich, der Ewige, Euer! Gott! Worin besteht aber für den Menschen diese! Heiligung, wie äußert sie sich? Sie zeigt sich inGesinnung imb That, in dem steten Bereitsein zu allem Guten, in der möglichsten Bethätigung von allem Guten, und demgemäß in der Entfernung von allem Bösen und Gemeinen,, oder, um mit unseren Weifen zu sprechen'knvTifl iv rin« Ktt» nnw Dipo b?2. Indem wir-aber stets Gott als'Vorbild uns vor's Auge -stellen, indem )vir behufs fortschreitender Vervollkommnung nur Ihm nachahmen, in Seinen Wegen wandeln können, sind die menschlichen „Selbstpflichten" in Wirklichkeit nur Pflichten des Menschen gegen Gott. Ehrfürchtet jeder seine Mutier und seinen Vater! 'Die Eltern sind,für ihre Kinder die berufensten Stellvertreter Gottes auf Erden, nicht allein hinsichtlich der Vermittlung des irdischen Daseins, sondern auch als Vermittler der echt jüdischer? Lebensanschauung..der göttlichen Lebre: und daßgerade dieses letztere Moment das wesentliche und hauptsächliche ist, zeigt schon eine Parallele der gebotenen Pflichten gegen Eltern und derjenigen gegen unsere.Lehrer. Wo beide in einer Person vereinigt.sind, zeigt sich die Verehrung theoretisch wie praktisch in denkbar vollkömwenster Weift. , Ist aber diese Anschauung richtig, dann liegt es auf der Hand, wie eben die Ehrfurcht, der Gehorsam gegen die Eltern, und ganz gewiß die Pflichten, gegen andere Nebenmenschen und die sonstige Außenwelt ihre. Grenze da finden müssen, wo eine'Kollision mit den Geboten Gottes eintreten würde, denn alle jene Pflichten haben nur in- [oireii Berechtigung, als sie im Rahmen des göttlichen Gesetzes stehen, als sie sich präsentiren als ' Pflichten gegen Gott. Daß sich daraus für alle jüdischen/Eltern die beilige Pflicht ergibt,' ihken Kindern durch eigenes - Vorbild und Vorleben den Gehorsam gegen Äott als die höhere, als.die höchste Pflicht erkennen zu lassen, ist selbstverständljch. Wenn es in nv nnx (3. B. M., 18,5) heißt: rt kh „Hütet meine Gesetze und meine Rechtsvor schriften, die der Mensch zu bethätigen hat, daß er lebe durch sie; ich bin der Ewige", — so folgern unsere Weisen daraus (Joma 85b) Dni’myp n$i V12 'nh und stellen - den gesetzlichen Grundsatz auf xv w p» trc: mpB daß die Erhaltung des menschlichen' Lebens allem voranstehe, daß zur ' Lebensrettung unter Umständen Übertretungen der Gebote erlaubt, ja ge boten sein können. Drei Ausnahmefälle sind jedoch auch hier vorgesehen: naw *6) mw bw Götzendienst, Unsitilichkeit, Mord, die niemals ge stattet werden können, kpste es auch unser Leben. Auch hier finden wir wieder die Dreiteilung der; Pflichten, da der erste Punkt die, letzte Potenz der Pflichten gegen Gott darstellt, wie der zweite Punkt in Bezug auf umftlbst und der dritte gegen unsere Nebenmenschen. Und doch gibt das h w des am Ende angeführten Perses wieder die Zusammenfassung aller als' Pflichten gegen Gott deutlich an, denn auch die Kleinste und geringste Uebertretung, ja selbst die Ausführung nicht verbotener Dinge wird zum todeswürdigen Verbrechen, wenn als Zeichen des Abfalles von Gott, gelten, wenn es die ftn Abfall von Gott gleichsam dokumentiren soll. Der Mensch heilige sich im Dienste Gottes und zu seinen! Dienste, er erfülle seine Pflichten gegen die Außenwelt und erblicke in ihr die Werke Gottes, gleich ihm berufen zum Dienste Gottes, er erkenne in dieser. Bethätigung und. Förderung des wahren Gottes dienstes, ohne Rücksicht auf andere irdische Verhältnisse stets und immer seine „höhere Pflicht". Zeitungsnachrichten und Correfporrdeiizen. „ D e u t s ch l a n d. Mainz. Dem 51. Jahresbericht des Vereins zur Unterstützung und Erziehung rnittestoftr Waisen der Israelit. Religionsgemeinde dahier, entnehmen wir: Die vielen Glückwünsche der Gemeinde, der Re ligicnsgeftllschaft und sämmtlicher Wohlthätigkeits Vereine anläßlich der 50. General-Versammlung haben gezeigt, welcher Würdigung und großen Anerkennung sich unser Benin in allen Kreisen, erfreut. Die Zahl unterer Pfleglinge war im abgelaufenen Jahre 31. urw können wir wiederum zu unseren großen Genugthuung miitheilen, daß wir nach den Berichten unseres verehr^ lichen Damenpflegschaftsrathes, wie stach eigener Anschauung, mit der Entwicklung der Kinder im allgemeinen zu friedem sein können. * . ' Die Verpflegungskosten betrugen Mk. 7416.50, an Geschenken und Vermächtnissen gingen Mk. 3887-ein und sagen wir den mildthätigen Gönnern und geehrten Mitgliedern nochmals wärmsten Dank.

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