Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 30 (18.4.1904)
- Date
- 1904-04-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Januar ab mit der Leitung derjenigen Arbeiten betraut, welche erforderlich wurden, um die durch außerordentlich heftige Regenfälle beschädigte Regierungsbahn wiederherzustellen. Erst als er sich dieser verantwortungsvollen und schwierigen Mission schnell und mit Erfolg entledigt hatte, eilte er zu den Fahnen, um im ersten Gefecht, in welchem er mitkämpfte, an der Seite so überaus zahlreicher Kameraden den ehrenvollen Tod für's Vaterland zu sterben. Bendix ist Israelit. Unter den bei Owikokorero Gefallenen befindet sich ein weiterer Bayer, der Gefreite Michael Wolf aus Prühl bei Scheinfeld in Mittelfranken. Dem „Berl. Tagblatt" wird darüber noch mitgetheilt: Geboren zu Dülmen (Kreis Coesfeld) in Westfalen, widmete sich Bendix dem Studium des Eisenbahnbaufaches. Nachdem er im vorigen Jahre zum Regierungsbaumeisier ernannt worden war. ging er, von seiner Vorgesetzten Behörde beurlaubt, im Dienste der Firma Arthur Koppel, zum Bau der Otavibahn nach Deutsch-Südwestafrika. Nach dem plötzlichen Ausbruche des Herero- Aufstandes wurde er zur kaiserlichen Schutztruppe eingezogen. Dank seiner Tüchtigkeit wurde er Leutnant der Reserve im Kgl. Bay. 3. Pionier-Bataillon. Fürth, 13. April. Zum Tode des Commerzienraths Herrn S. Fränkel dahier wird geschrieben: „Wohl selten hat ein Todesfall unsere Stadt so tief und allgemein erschüttert, als dies durch das Bekanntwerden des heute Morgen erfolgten Ablebens des Herrn Commerzienraths Simon Fränkel der Fall war. Beliebt in allen Gesellschaftskreisen, stets hilfsbereit für alle Nothleidenden ohne Unterschied der Parteiangehörigkeit oder der Konfession, selbstlos und ohne allen Ehrgeiz konnte man von ihm mit gutem Rechte sagen, daß er wohl Gegner, aber keinen Feind besessen. Seine unermüdliche Thätigkeit für alle Hilfsbedürftigen in allen Lagen des Lebens war nahezu sprichwörtlich geworden; die Art und Weise, wie er es verstanden hat, Gaben für alle wohlthätigen und gemeinnützigen Zwecke, für die sein gutes Herz sprach, zu sammeln, ist bisher unerreicht geblieben. An seiner Bahre trauert deßhalb nicht nur seine Familie; es trauert — ohne Uebertreibung dürfen wir es sagen — die ganze Stadt, reich und arm, am allermeisten wohl die letzteren. Eine Reihe von Thatsachen, die über die unausgesetzte und jederzeit unverdrossene Thätigkeit des leider viel zu früh Verblichenen in Bezug auf Wohlthätigkeitsakte umlaufen. charakterisirt denselben mehr, als dies im engen Rahmen eines Nachrufes möglich ist. Geradezu unersetzlich ist sein Verlust für den Deutschfreifinnigen Verein und die Freist Partei. Seit den Wahlen zum Zollparlament stets im Vordertreffen des entschiedenen Liberalismus stehend, gehörte F. seit 20 Jahren dem Freist Verein, theils als Ausschußmitglied, 2. Vorstand, und seit Mai 1895 als 1. Vorstand an, ebenso lange war er Mitglied des Landesausschusscs der Deutschfreisinnigen Partei u. seit den letzten 10 Jahren Mitglied der geschäftsfllhrenden Vorstandschaft derselben. Seinem genialen Auftreten gelang es stets, alle Gegensätze, welche bei einem so großen Vereine ab und zu aufzutauchen pflegen, auszugleichen und immer wieder Friede und Eintracht zu erhalten. Pflichttreu war er wie selten einer; uns ist kein Fall bekannt, daß der Verstorbene ohne zwingenden Grund jemals einer Sitzung fern geblieben wäre. Sein gemüthliches Wesen hat die Vereinsversammlungen zu wahren Erholungsstätten für die Thcilnehmer gestaltet. An den Wahltagen war er als Obmann der erste am Platze seines Distriktes und der letzte, der sich entfernte, stets mit Freund und Feind freundlichst verkehrend. Obwohl er zu den verschiedensten Malen gedrängt wurde, sich in die gemeindlichen Körperschaften wählen zu lassen, hat er dies stets abgelebnt; ihm genügte. Parteigenossen vorzuscklagen und deren Wahl herbeiführen zu helfen. Eine ganz besondere Befriedigung gewährte es dem Verewigten in seiner letzten Lebenszeit, daß es ihm gelungen war, auch mit der Deutschen Volkspartei, von deren Führern eine ganze Anzahl zu seinen langjährigen persönlichen Freunden gehörte, ein gutes Einvernehmen mit herbeizusühren. Sein Andenken wird bei seinen Freunden und Parteigenossen für alle Zeiten in Ehren gehalten bleiben." AuS Bayern. Wie schon der vor mehreren Wochen veröffentlichte Jahresbericht des „Talmud- Thora-Jnstituts" zu Schwabach anzeigte, erfuhr genannte Schule, welche bisher in der Hauptsache eine Präparandenschule gleich ihren Schwesteranstalten in Burgprevpach und Höchberg bildete, hinsichtlich ihrer Ziele eine, den Zeitbedürfnissen Rechnung tragende, wesentliche Aenderung. Es soll das Institut fortan mehr ein Pensionat bilden für auswärtige Besucher der Schwabacher staatlichen, höheren Schulen, und diesen auf der Grundlage der strengsten rituellen Führung eine billige Unterkunft und auch ausgedehnten, jüdischen Unterricht, sowie sorgfältige Ueberwachung, Beaufsichtigung, Nachhilfe, Erziehung, mit einem Worte, möglichsten Ersatz des Elternhauses gewähren. Um weiteste Kreise für dieses Unternehmen zu interessiren, versendet die Verwaltung des „Talmud-Thora-Jnstituts" Schwabach den nachfolgenden Prospekt, der wohl der Beachtung und Würdigung werth erscheint. Derselbe lautet: In immer weiteren Kreisen bricht sich die Erkenntniß Bahn, daß unsere Zeit mit ihren kompljzirten Verhältnissen. ihren mannigfachen Verwicklungen und Hemmnissen mehr denn je eine gediegene Erziehung zur Charakterfestigkeit und gründliche, vertiefte Durchbil- Kng des Geistes erfordert. Aber nur spärlich sind die Gelegenheiten dazu und erfordern zudem große materielle Ovfer, die es den breiten Kreisen des lebenskräftigen jüdischen Mittel-