Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 30 (18.4.1904)
- Date
- 1904-04-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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653 bewundern auch als feiner Gesellschafter. Wir verbrachten im Verein mit seiner liebenswürdigen Gemahlin noch kurze Zeit, um dann nach Is^stündigem Heimmarsche gerade noch zu Jomtof Ausgang zu Hause sein. IettungsnachrlchKrr und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, im April. Das „Jsr. Erziehungsheim für geistig zurückgebliebene aber noch bildungsfähige Kinder in Niederschönhausen," Uhlandstraße 51, versendet nach einjährigem Bestehen sein neues Programm. In demselben legt der Direktor des Instituts, Herr Rosenbaum, zunächst die Motive' r, ihn zur Gründung seines Instituts veranlaßen. Obgleich es seit langem bekannt gewesen, daß die jüdische Bevölkerung einen weitaus größeren Theil geistig Schwacher aufweise, als die christlichen Mitbürger, habe bisher ein jüdisches Institut unter den ca. 200 Hilfsschulen und Instituten gefehlt. Die jüdischen Kinder mußten daher, wenn ihnen eine geeignete Erziehung zu Theil werden sollte, christlichen oder sogenannten paritätischen Instituten zugeführt werden. Doch „man möge", so heißt es in dem Programm ganz richtig, „über konfeffionelle oder Simultanschulen denken, wie man wolle, aber das eine steht fest: Bei der Anstaltserziehung muß das Kind in einer Anstalt seines Bekenntnisses untergebracht werden." (Es ist dies derselbe Gedanke, den auch das Fürsorgegesetz ausspricht und durchführt.) Das Programm führt ferner aus, daß das Erziehungsheim von der königlichen Negierung zu Potsdam konzeffionirt worden ist. Aus dem zweiten Theile des Programms ersehen wir, daß das Institut durch seine Lage viele Vortheile bietet, daß es in geeigneter behaglicher Weise ausgestattet ist, entsprechend den Gewohnheiten der Familien, aus denen die Kinder stammen. Als ärztliche Berather stehen dem Direktor die Herren Dr. Mendel (als Nervenarzt) und Dr. Meyersohn (als Hausarzt) zur Seite. Der Pensionspreis ist in Anbetracht des Gebotenen ein geringer, zumal bei je zehn Pfleglingen eine Freistelle eingerichtet ist. Zum Schluffe ladet das Programm Sachverständige und Interessenten zum Besuch des Instituts ein. Hamburg. Der Israelitische Versorgungsverein von 1827 hielt seine diesjährige Generalversammlung im Hammonia-Gesellschaftshaus unter Vorsitz des Herrn A. Grüntha.l ab. Aus dem vom Vorsitzenden erstatteten Jahresbericht ist zu entnehmen, daß der Verein im Jahre 1903 an Mitgliedsbeiträgen 1782 M. und an Zinsen 230 Mk. vereinnahmte. Die Ausgaben betrugen für Krankengeld 748 Mk.. für Medikamente 460 Mk., Sierocgcid 120 Mk., Honorar an den Bereinsarzt 400 Mk., Botengehalt 400 Mk., kleine Ausgaben 68 Mk. Die Abrechnung wurde als richtig anerkannt und dem Kassenführer Decharge eriheilt. Eine sehr lebhafte Debatte rief der Antrag des Vorstandes hervor auf Abänderung der Statuten, um die Kaffe den Anforderungen des Paragraphen 75 des Krankenkaffengesetzes anzupaffen. Der Vorsitzende wies zur Begründung des Antrages darauf hin, daß in Folge der bekannten Vorgänge auf ärztlichem Gebiete der Vorstand gezwungen war. das Honorar des Arztes zu erhöhen, um die Kaffe nicht der Gefahr eines etwaigen Aerztestreiks auszusetzen. Durch diese erhebliche Mehrbelastung des Etats und angesichts der Thatsache, daß man vor allen Dingen für den nöthigen Nachwuchs an Mitgliedern im Verein sorgen müsse, habe der Vorstand geglaubt, der Generalversammlung einen Statutenentwurf vorzulegen, der die Kasse den Anforderungen des Paragraphen 75 anpaffe. Der Vorstand hoffe, durch diese Maßregel umsomehr die Mitgliedrrzahl der Kaffe zu heben, als einerseits nach Annahme dieses Vorschlages der Versorgungsverein die erste israelitische Krankenkasse sein wird, die den Anforderungen des Paragraphen 75 genügt, und andererseits seit dem 1. Januar sich der Kreis der Versicherungspflichtigen bedeutend vermehrt hat, da von diesem Zeitpunkt an alle Handlung sgehülsen und Lehrlinge, deren jährliches Einkomrnen die Summe von 2000 Mk. nicht übersteigt, einer den gesetzlichen Anforderungen genügenden Krankenkasse angehören müssen. Von anderer Seite wurde der Vorschlag des Vorstandes als namentlich in finanzieller Beziehung undurchführbar und als ein gefährliches Experiment bezeichnet. Nach längerer Debatte wurde auf Antrag des Herrn Ab. Weiß der Statutenentwurf des Vorstandes einer siebengliederigen Kommission zur weiteren Berathung überwiesen. Der Bericht der Kommission soll dann in einer Extra-Generalversammlung erstattet werden. Posen, 13. April. Im israelitischen Waisenhause für Knaben fand am Montag die Einführung des neuen Waifenvaters Uhlfelder statt. Der Choral: ..Lobet ben Herrn" leitete die Feier ein, worauf der bisherige Inspektor der Anstalt, em. Lehrer Wolfs die Begrüßungsrede hielt. Kaufmann Friedl ä n d e r, als stellvertr. Vorsitzender, führte den neuen Inspektor in sein Amt ein, indem er gleichzeitig auf die Pflichten eines Waisenvaters' hinwies. Der älteste Zögling überreichte Salz und Vrod mit den Glückwünschen der anderen Waisenkinder; sodann dankte Inspektor U. für die dargebrachten Ovationen. München. Ter im Kriege gegen die Herero der Owikokcrero gefallene Reserveleutnant B e n d i x hatte im Sommer vorigen Jahres das Examen als Regierungsbaumeister bestanden. Im September ging er dann nach Swakopmund. Dort wurde er von Mitte