Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1904-04-18 · Heft 30 (18.4.1904) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 30 (18.4.1904)
Date
1904-04-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2449986-2450014--60481-2521432
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

654 dasselbe richtete, förmlich zusammenbrach und zurückgezogen wurde, worauf ein neues Referat erstattet werden mußte und so die Gemeinde vor großer Schädigung bewahrt wurde. Die Finanzartikel, welche Dr. Alfred Stern in der „N. Fr. Pr." von Zeit zu Zeit veröffentlicht, finden allenthalben die größte Beachtung. Dr. Stern, der seit 15 Jahren Mitglied des israelitischen Kultusvorstandes ist, hat nun als sein Altentheil das Präsidium der Kultusgemeinde erwählt, und in der Rede, mit welcher er dasselbe übernahm, unter anderm erklärt, daß er von nun ab jedweder anderen Bethätigung im öffentlichen Leben entsage. Ein trauriges Zeugniß unserer öffentlichen Zustände, wenn denselben solche Männer den Rücken kehren. — Der erste Vizepräsident Dr. Gustav Kohn ist ein Mann, der sich seit vielen Jahren dem Schulwesen widmet und sich um dasselbe große Verdienste erworben hat. Seit ungefähr. 12 Jahren gehört er dem Landesschulrathe an und zählt zu dessen pflichteifrigsten Mitgliedern. — Der zweite Vizepräsident kaiserlicher- Rath Moritz Hirsch ist ein erfahrener tüchtiger Finanzmann, der auch mehreren öffentlichen kaufmännischen Beiräthen angehört. Frankreich. Paris, 11. April. Da unsere Feinde, die zugleich die Feinde der Republik sind, die gegenwärtige Regierung in der schmutzigsten Weise verleumden, so ist es ganz natürlich, daß Herr Combes von Zeit zu Zeit die Gelegenheit ergreift, sich vor dem Lande und auch vor dem Auslande zu rechtfertigen und seine Politik zu vertheidigen. Gestern hat er in Laon, einer in der Nähe von Paris gelegenen Kreisstadt, eine große politische Rede gehalten. Mit der ihm eigenen Energie hat er den festen Entschluß der Regierung ausgedrückt, gegen die reaktionären Kräfte, die im Trüben zu fischen und jeden Fortschritt zu hindern suchen, mit aller Kraft zu kämpfen. Es ist wirklich zu bewundern, mit welcher Jugendfrische und Kampfesfreudigkeit dieser siebzigjährige Mann vorwärts strebt, ohne sich durch die gehässigen Angriffe schlauer Intriganten entmuthigen zu lassen. Dieser Mann muß wirklich von einem hohen Ideal beseelt sein, um trotz seiner weißen Haare allen großen und geheimen Mächten zu widerstehen, die unter dem Mantel der Religion Haß und Neid predigen. Die gegenwärtige Regierung, sagt Herr Combes. habe die heilige Pflicht, das große, von Gambetta. Jules Ferry und Waldeck-Roufleau begonnene . Brfreiungswerk fortzusetzen. Und damit dieses Werk voll und ganz gedeihe, müssen alle Republikaner stets einig sein, um gegen den gemeinsamen Feind Front zu machen. Und da bald in allen Gemeinden Frankreichs die Stadtverodnetenwahlen stattfinden werden, so mögen alle Republikaner sich schon jetzt gruppiren, um am Tage der Schlacht dem Feinde, den Männern, die Haß. Lug und Trug predigen, eine schmähliche Niederlage zu bereiten. Die Zuhörer des Herrn Combes haben seine Worte mit stürmischem und jubelndem Beifall begrüßt. Auch w i r können diesem wackeren und energischen Manne nur zvrufen: eoutinuer! Pi. Rußland. Petersburg. Blättermeldungen zufolge hat der Kriegsminister Kuropatkin einen vertraulichen Erlaß an die Armeekommandos gerichtet, in dem auf die revolutionäre Propaganda in der Truppe hingewiesen wird. Es sei bisher trotz scharfer polizeilicher Maßregeln nicht gelungen, die Verbreiter der aufreizenden Schriften ausfindig zu machen, zum Theil. weil manche Korpskommandcure sich mit der Vernichtung der Drucksachen begnügt und weitere Maßregeln unterlassen haben, weil sie sich andernfalls selbst zu kompromittiren fürchteten. Der Minister befiehlt, daß in den Kasernenhöfen und an allen Thüren ein strenger Ueberwachungsdienst eingeführt werde. Im besonderen aber sollen die jüdischen Soldaten aufs Schärfste beobachtet werden, da die Erfahrung gezeigt habe, daß sie mit ihren Glaubensgenossen am Orte meist in enger Fühlung stehen und unter diesen viele zur revolutionären Partei gehören. Es soll ein ganz besonderer Geheimdienst organisirt werden, der die jüdischen Soldaten und ihre Habseligkeiten zu kontrolliren hat. Feuilreto«. Wahrheit und Dichtung. Von Friedrich Nott. ,35 „Woher weißt Du das?" stammelte sie. „Keßler ist ein Ehrenmann vom Scheitel bis zur Sohle, und wenn er in leidenschaftlichster Liebe zu mir entbrannt wäre, er würde es nicht verrathen, durch kein Wort, durch keinen Blick, so lange ich an Dich gefesselt bin. D.arum gib mich ftei, Gustav!" fuhr sie flehend fort, „ich bitte, ich beschwöre Dich! Du siehst es doch, ich; gehe sonst zu Grunde." „Armes, armes Kind!" sagte er mitleidig, „ich versichere Dich, es hätte keinen Zweck, unsere Ehe zu lösen, Keßler —" „Halt ein!" rief sie heftig, „wiederhole die grausamen Worte nicht, was weißt Du von Liebe!" Er wiegte schmunzelnd den Kopf. „Na, hör* mal Kind, ich glaube, in dieser Beziehung könntest Du Dich auf meine Erfahrung verlassen." „Nein! nein! ich verlasse mich auf Niemanden, als , auf mich selbst, auf mein Herz, und das sagt mir. ich : werde mein Ziel erreichen."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.