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Der Israelit · 1904-04-18 · Heft 30 (18.4.1904) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 30 (18.4.1904)
Date
1904-04-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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«Das wirst Du mcht," «tgegnete er mit Bestimmtheit, «denn vor allem gebe ich Dich nicht frei!" «Du gibst mich nicht frei? Du willst nicht, daß unsere Ehe gelost wird?" «Nein! nein! und abermals nein! Denn ich liebe Dich und ich begreife nicht, wie Du auf die Idee kommen konntest, daß ich von D« lassen werde." «Das begreifst Du nicht? Ach ja so —" sie fuhr sich mit der Hand nach der Stirn, «Du hast ja recht, meinen eigentlichen Vorschlag habe ich Dir noch gar nicht gemacht, da kannst Du es auch noch nicht begreifen. Aber bitte, sehe Dich wieder z« mir. und höre mich ruhig an —* Ohne ein Wort zu erwidern entsprach er ihrer Aufforderung und setzte sich wiÄerum ihr gegenüber. «Ick setze Deine Zustimmung voraus, daß wir ohne weitere Umschweife alles Lofort beim rechten Namen nennen." «Gewiß, gewiß, sonst kommen wir doch überhaupt nicht vom Fleck." «Also ich bitte mich anzuhörcn, ohne mich zu unterbrechen. — Wie Du weißt, hat mein Papa unsere Heirath nur unter der Bedingung zugegeben, daß wir nie in Gütergemeinschaft treten, daß sowohl mein damaliges, als auch mein späteres Vermögen einzig und allein meiner Verfügung untersteht. Du erinnerst Dich, ich habe das ausdrücklich versprechen müssen." «Gewiß erinnere ich mich daran, wie hätte ich das auch vergessen können." «Nun. ich denke, daß Du Dich nach dieser Richtung nie hast beklagen können." „Freilich nicht, weder in dieser noch in irgend welcher Beziehung, unsere Ehe war bis zu dem heutigen Tage die denkbar glücklichste, das wirst auch Du zugeben müssen." Sie wiegte bedächtig das schöne Haupt. „In den ersten Jahren war ich allerdings auch dieser Ansicht —" «Und später hättest Du es vielleicht bereut, mir Deine Hand gereicht zu haben?" „Keineswegs, selbst heute bereue ich es nicht, obgleich ich doch unsere Ehe gelöst haben möchte. -- Aber die glücklichsten Jahre meines bisherigen Lebens habe ich doch an Deiner Seite verbracht, und daß ich Dich jetzt nicht mehr liebe, das ist nicht Deine Schuld, das ist einzig und allein Folge der Unbeständigkeit des men schlichen Herzens an und für sich. Aber wenn anch meine Liebe zu Dir erloschen ist, so w«tz ich dennoch Deine Vorzüge ihrem vollen Werthe nach zu schätzen —" Er zog ihre Hand an seine Lippen. «Donk Dir. Geliebte." Ohne es zu beachten fuhr sie fort: «Du bist gut und klug, hast keine falschen Begriffe von Ehre etc. und zürnst mir auch nicht, daß ich das nicht heuchle, was ich nicht empfinde." «Wer könnte Dir zürnen! — und übrigens wir kennen einander —" „Freilich, wir kennen einander. Ich kenne Dich und Du kennst mich. Ich weiß, man nennt mich oft excentrisch. — Nun, wirklich excentrisch bin ich nicht, wenn ich auch vielleicht manches thue und thun würde, was andere nicht thun. und wenn ich mir einmal etwas in den Kopf gesetzt habe, so führe ich es durch. Also jetzt habe ich mir in den Kopf gesetzt, entweder Deine Zustimmung zu erlangen, daß unsere Ehe gelöst wird, und für diesen Fall würde ich Dir meine volle Mitgift, das sind drei Millionen, als Dein Eigenthum über-, lassen — oder unsere Ehe wird nicht gelöst — in diesem Falle würde ich das ganze Vermögen, das ich von meinem Vater geerbt habe, sofort für wohlthätige Zwecke und dergleichen verschenken." Ein unartikulirter Laut, halb des Staunens, halb des Schreckens, entfuhr den Lippen des Grafen. Sie blickte forschend in sein unablässig die Farbe wechselndes Angesicht, in dem sich seine Erregung wiederspiegelte. «Nun?" fragte sie nach längerer Pause, „was hast Du beschlossen? — oder was beschließest Du?" . Er athmete tief auf und sprach zögernd: «Wenn mein Herz nicht mit all seinen Fasern an Dir hängen würde — oder wenn ich wenigstens die Gewißheit hätte, durch meinen Verzicht auf Dich, Dein Glück zu sichern — aus der Ferne zu seben, wie Du Dich in leidenschaftlicher Liebe für einen Andern verzehrst, der Deine Gefühle nicht erwidert —* Sie ward bald roth, bald blaß. „Hältst Du mich denn für so vollständig reizlos, trauest mir nicht mehr die Fähigkeit zu. Liebe einzuflößen, wo ich geliebt werden will? — Bisher als Deine Frau habe ich dazu nicht einmal den Versuch gemacht — aber wenn ich erst wieder frei sein werde, wenn die Fesseln gefallen sind —" «Das war ein hartes Wort," rief er glühend, denn er war froh sich daraufhin großmüthig äußern zn können, „ja, wenn Du unsere Ehe als Fessel bezeichnest, dann würde ich es als ehrlos meinerseits betrachten, wollte ich meine Zustimmung zur Lösung Deiner Fesseln Dir versagen." ' „Ich danke Dir." sagte sie, ihm die Hand reichend, „so wären wir einig." In freundschaftlicher Weise besprachen sie noch verschiedene Modalitäten, kamen überein, daß die Gräfin durch ihren Rechtsanwalt auf Scheidung klagen solle, die stadtbekannten Verbindungen des Grafen konnten genügend Anlaß dazu bieten. Von ihrem Uebereinkommen sollte Niemand erfahren. Als Doktor Keßler nach ungefähr acht Tagen heim ' kam, war die Scheidungsklage der Gräfin bereits Stadtgespräch. In ihm dämmerte eine Ahnung des

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