Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 30 (18.4.1904)
- Date
- 1904-04-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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653 der Verein auch im verflossenen Jahre seine segensreiche Lhätigkeit, armen schulpflichtigen Kindern die Wohlthat eines warmen Mittagessens zu Theil werden zu lassen, voll und ganz ausgeübt hat. In der Küche des Vereins, Kohlhöfen 17, wurden im Jahre 1903 insgesammt 34,544 Portionen warmen nahrhaften Mittagessens verabfolgt, welche eine Ausgabe von 6502 M. verursachten, so daß die Portion durchweg auf 18,83 Pfg. zu stehen kommt, ein Preis, der gewiß nicht als zu hoch zu bezeichnen ist. wenn man bedenkt, daß in Folge Beschluß der vorjährigen Generalversammlung die Fleischportionen um den vierten Theil vergrößert wurden. Aus der alsdann erstatteten Abrechnung ergibt sich, daß dem Verein im verflossenen Jahre an einmaligen Beiträgen 450 Mk. zugegangen sind, während an Mitgliedsbeiträgen 4782 Mk. und an Zinsen 1322 Mk. vereinnahmt wurden. Außerdem erhielt der Verein wie im Vorjahre eine Subvention von 1000 Mk. vom Vorstande der Deutsch-Israelitischen Gemeinde. Der Vorsitzende wies dann noch darauf hin, daß das bisherige Speisungslokal. Kohlhöfen 17. durch einen Anbau bedeutend vergrößert worden sei. Die Verwaltung habe es für nöthig erachtet, noch das Nebenparterre hinzuzumiethen und in dieses nack erfolgtem Umbau die Garderobe und Waschräumlichkeiten zu verlegen und dadurch die Kinder zu zwingen, sich vor und nach dem Essen zu waschen, eine Maßregel, die sich auch in hygienischer Beziehung als unerläßlich herausgestellt hat und die jetzt in Folge der genügenden Vorrichtungen mit aller Energie von der Verwaltung durchgeführt wird. In dem bisherigen Lokal befinden sich nur noch die bedeutend vergrößerten Speisesäle und die Abwaschküche und ist eine Besichtigung der Räume jederzeit gern gestattet. Der Vorsitzende bemerkte hierzu, daß durch diesen nothwendigen Umbau, sowie durch die nicht minder nöthige Vergrößerung der Fleischportionen die Vereinskaffe bedeutend belastet worden sei und der Verwaltung unbedingt größere Mittel zur Verfügung gestellt werden müssen, da sie sonst zu ihrem Bedauern gezwungen sei, von ihrem bisherigen Grundsatz, keines der sich meldenden Kinder abzuweisen, abzuweichen. Aus dem Grossherzogthum Hessen. Unser Justizminister bat endlich einmal den Anfang mit der Anstellung eines stellvertretenden jüdischen Amtsrichters gemacht. Unser Schulministerium fährt in der Anstellung, jüdischer Lehrer und Lehrerinnen ordentlich fort. Nachdem die Gymnasien in Offenbach und Bingen jüdische Oberlehrer erhalten haben, wurde dieser Tage Herr Lehrer S. Eschelbacher, bisher Religionslehrer in Mainz, als ordentlicher Lehrer an das dortige Real-Gvmnasium berufen und Fräulein C a h n aus Alzey an die Volksschule nach Gießen, ebenso Fräulein Weil aus Mainz an die Volksschule zu Mainz. Hoffentlich folgt das Justizministerium in ähnlicher Weise nach. Ltrassburg, 13. April. Da Sie sich sehr für die Israeliten im Elsaß jntereffiren. beehre ich mich. Ihnen mitzutheilen, daß am Samstag, 9. d. Mts., in dem Jsr. Altersversorgungshause, unter dem Vorsitze des Herrn Leon S ch w a r tz. Bankier, die Jahrzeit des Gründers und WohlthLters genannter Anstalt, Herrn Louis Ratisbonne, gefeiert wurde. Herr Oberrabbiner U r y hob in warmen Worten all das hervor , was Herr Ratisbonne vor fünfzig Jahren für dieses Werk gethan, daß er damals das Anwesen, auf dem diese Anstalt sich heute noch befindet, nebst einer jährlichen Rente von Mk. 4800 beschenkte. Oesterreich. Wie«. (Konstituirung des Präsidiums der hiesigen israelitischen Kültusgemeinde.) In der öffentlichen Plenarsitzung des Vorstandes der Kultusgemeinde am 10. d. fand die Neuwahl des Präsidiums statt. Der bisherige erste Vizepräsident Dr. 'Alfred Stern wurde zum Präsidenten, Landesschulrath Dr. Gustav K o h n zum. ersten und kaiserlicher Rath Moritz Hirsch zum zweiten Vizepräsidenten gewählt, und zwar alle Genannten nlit einer an Einstimmigkeit grenzenden Majorität. Der Name des nunmehrigen Präsidenten der iraelit. Gemeinde ist ein auch in der weiteren Oeffentlichkeit wohlbekannter. Dr. Alfred Stern, emeritirter Hof- und Gerichtsadvokat, steht gegenwärtig im 73. Lebensjahre und war durch 15 Jahre einer der Vertreter des ersten Wahlkörvers der Leopoldstadt im Wiener Gemeinderathe, aus welchem er, als mit dem Gesetze, vom März 1900 die bekannten Aenderungen des Wiener Gemeindestatuts und der Wahlordnung erfolgten, austrat. Seither, durch vier Jahre, ist in Folge der auf jene Gesetze fußenden Entscheidungen des Verwaltungsgerichtshofes der erste Wahlkörper des größten und nahezu steuerkräftigsten Bezirkes Wien im Gemeinderathe obne Vertretung geblieben, und Dr. Stern hat ungeachtet mehrfach an ihn ergangener Aufforderungen es abgelehnt, sich wiedertvählen zu lassen. Man kann mit vollem Rechte lagen, daß die Lücke seither nicht ausgefüllt. daß eine derartig wissenschaftlich und mit eingehendster Sachkunde geführte Behandlung der Voranschläge. Rechnungsabschlüsse und aller großen finanziellen Transactionen der Gemeinde in der Wiener Rathsstube, wie solche dort in den bekannten Reden de4 Dr. Stern, der auch unter der liberalen Aera als Budgetreferent fungirte. in den letzten vier Jahren nicht gehört wurde. Es bot sich das eigenthümliche Schauspiel, daß selbst die antisemitische Partei den gegen ihre Wirthschaft gerichteten, auf voller Sachkunde beruhenden Angriffen Gehör und Beachtung schenken mußte, daß beispielsweise ein ebenso wichtiges als ungeschicktes Referat des antisemitischen Stadtrathes, betreffend die Besteuerung von Gcmeindeanleihencoupons, unter den Angriffen, die Dr. Stern gegen