Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1904-04-18 · Heft 30 (18.4.1904) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 30 (18.4.1904)
Date
1904-04-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449986-2450014--60477-2521428
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

650 rj i Herannahen des Verhängnisses und machte Götzen zu ihren Herren zu ihrer Verunreinigung, reev wx “öaa np «am fö' ’a’^pm rnrav nw iffx re»k ■w p V? i'rnn „Durch dein Blut, das du vergossen, hast du Schuld auf dich geladen und durch deine Götzen, die du gemacht, bist du unrein geworden und ließest deine Tage heraneilen und kamst deinen Jahren entgegen.* Der Sinn dieser Verse dürfte folgender sein. Der Prophet wirft hier seinem Volke vor, daß es in seinem ungezügelten Sinnenleben, in dem die stürmischen Wünsche des sündigen Herzens befriedigt wurden, in dem diese Ueberreste thierischer Instinkte als Befehle einer höheren Macht angesehen wurden und die Sinnlichkeit zur Gottheit ward, da haben die Juden gegen ihr eigenes Fleisch gewüthet; in unsinnigem Genußleben haben sie ihr eigenes Blut vergossen und durch die Götzen, die sie sich gemacht, haben sie sich verunreinigt, haben die Thaufrische keuschen Lebens eingebüßt, die Blüthe vernichtet, ehe sie zur Knospe ward. Denn anstatt, daß die Idee eines höheren Wesens sie hinaufführen sollte zur reinen Geistigkeit, haben sie sich Götzen geschaffen, Götzen, wie sie sich auch unsere Brüder zu machen pflegen. Es gibt eine ganze Götzenrepublik in den Herzen vieler unserer Mitmenschen. Der eine Götze heißt Geld bvzb iai anr rer dem sie ihre besten Kräfte opfern. Wenn man diesen Götzendienern zuweilen Vorstellungen macht und ihnen sagt, daß doch Geld nicht Selbstzweck ist. wenn man sie darauf aufmerksam macht, daß sie doch in dem ewigen Einerlei des Erwerbslebens verkommen müssen, daß der Mensch eigentlich aus zwei Hälften besteht und daß auch die geistige Hälfte des Menschen ein Recht auf Befriedigung hätte, ja daß sogar die irdische Hälfte unter der Vernachlässigung der geistigen Seite leiden müsse, so lächeln sie über den unpraktischen Schwärmer und Träumer, sie fliegen von einer Arbeit zur andern. Sie betäuben sich durch die Fülle der Geschäfte, bis sie dann schließlich in die Jahre kommen, in denen der Hunger nach dem Erwerb schon gestillt ist. die apin in denen Derartige nichts mehr haben, was ihnen das Leben noch lebenswerth machen sollte. Der andere Götze ist das Vergnügen. Wie jagt und hastet nicht unsere Mitwelt nach einer Belustigung und was Alles. gewährt unseren vergnügungssüchtigen Zeitgenossen nicht eine Freude! Man könnte häufig an der Zukunft der Menschheit verzweifeln, wenn man sieht, daß selbst leidlich vernünftige Menschen an zweideutigen Eindeutigkeiten oder an eindeutigen Zweideutigkeiten, an gemeinen Spässen. an zotenhaften, plumpen Witzen Gefallen finden. Der Eine wieder betet sich selbst an. der Andere nur einen Theil seines Ich, z. B. seinen Magen. Und all diese Götzen fordern Opfer und man opfert ihnen seine Tage, man wird alt, ohne je jung gewesen zu sein, man kommt in die Jahre und hat keine Tage. jwk navv *p"i3 Du hast dein eigenes Blut vergossen. deine besten Kräfte hast du verschwendet, deine Anlagen und Fähigkeiten in den Dienst einer unreinen Sache gestellt, rixoa nw irm -pWv:ai Durch die vielen Götzen, die du zu Götzen gemacht, dich verunreinigt T»' 'anpm und du opfertest deine Tage Tm;p Kam und kamst so in die Jahre, du wurdest alt, ohne je jung gewesen zu sein, du hattest Jahre aber - keine Tage, narton naa ne>n axaa "p ivdprn rprmn manpa War der Beruf des jüdischen Volkes ein Segen der Mitwelt zu werden, sollte die Bezeichnung jüdisch ein Synonim für alles Edle und Wahre sein, sollte sie nur als Bezeichnung für die Gott und Menschen wohlgefälligen Handlungen gebraucht werden, so ist es leider anders gekommen. Die dir Nahen und Fernen, klagt der Prophet, schänden sich mit dieser Bezeichnung; wenn einer sagen will, daß jemand ein recht niedriger, lasterhafter, boshafter und hämischer Mensch ist, so sagt er einfach: er ist ein Jude. Jüdisch ist gleichbedeutend mit Niedrigkeit und Ehrlosigkeit, es ist der Inbegriff aller Unredlichkeit und Gesinnungslosigkeit — es ist ein Schimpfwort geworden. Und dies nur aus dem Grunde: bi rpp spei» “ja •'a mb trx bxiis' *xtm a:a weil die Fürsten Israels ein jeder zu seinem eigenen Arme wurde, um Blut vergießen zu können. Der Arm ist das Symbol der Macht und der Stütze. Anstatt nun. daß die Fürsten des jüdischen Volkes ihre Stühe und Kraft als von Gott stammend angesehen hätten, emanzipirten sie sich vor Gott und betrachteten sich selbst als ihre eigenen Stützen, sie sagten sich von Gott los und bauten auf ihre eigene Stärke. Diese Selbstständigleitserklärung diente nur dazu, um ungestört alle Verbrechen verüben zu können. Denn erst muß Gott entthront werden, bevor der Mensch es wagt, ganz und gar den Wünschen seines Herzens zu folgen. aax a’jrra warn n^x px ia^a *>aj Erst erklärt der *>a), daß es keinen Gott gebe, dann verübt er die fürchterlichsten Greuel. Und diese Fürsten, die berufen waren, dem Volke mit dem guten Beispiele voranzugehen, das Voll für die gottgeoffenbarten Zlvecke zu erziehen, diese Fürsten gaben das Beispiel eines in Verbrechen und Leichtsinn dahinfließenden Lebens und verleiteten das Volk; vergifteten das Staatsleben, häuften Schmach auf den jüdischen Namen und bedeckten mit Schande ihren Stand. Aber auch diesen von Gott abgefallenen Fürsten, die sich als ihren eigenen Arm betrachten, die in stolzer Selbstherrlichkeit Gott und Seinen Propheten zu trotzen wagen, die auf ihre Macht vertrauen und diese Macht zu Verbrechen vrrwerthen, auch diesen, sagt Gott, werde Ich die einzige für eine derartige Ueberhebung allein zuträgliche Lehre zu Theil werden lassen. Ihren Stolz werde Ich ebenso zu brechen wissen, wie die Ueberhebung der Anderen, die ihrem Beispiele folgen. *pa irixr-v y&kh mnxa *jwwi a-aa -pfix 'irorem Ich werde dich unter die Völker zersprengen, dich in die Länder Hinausschleudern und werde deine Unrein-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.