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Der Israelit · 1904-04-18 · Heft 30 (18.4.1904) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 30 (18.4.1904)
Date
1904-04-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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45. Jahrgang. M 30 SM« GenLrat-Hrgan für das orlyodore ZudenLhum. Begründet von ör. Wt&matm in Ostag. Mo«tag, de« S. JZar 5684. 18. April 1904. Moderner Götzenkultus. Betrachtung zur mösn von 'T$K 's. Von Dr. Herwan« Klein-M a i n z. Es war nach dem Tode der beiden Söhne Aharons, so beginnt unsere Sidra, die nur darum sterben mußten, weil sie Gott besonders nahe waren. Sie waren berufen, als Priester Gottes dem ganzen Volke mit dem Beispiele der strengsten und genauesten Pflichterfüllung voranzugehen, sie sollten die nun w sein, auf die die Blicke gerichtet sein sollten. Je größer die Gottesnähe, in welche innere Würdigkeit und äußere Würde einen Menschen stellen, desto genauer ist der Maßstab, der an dessen Leben und Wirken angelegt wird. Auch das jüdische Volk in seiner Ganzheit hat von Gott die Aufgabe erhalten, xwteo ’b mn orwi c'rw daß es ein Volk von Priestern werde. Die Söhne Jißroels sollten der Welt mit dem Lichte ihrer Wahrheit voranleuchten; sie sollten der Welt durch ihr Leben, durch all ihre Handlungen zeigen, zu welcher Höhe des Sittlichen, zu welcher Vertiefung und Durchgeistigung des gewöhnlichen Lebens die Lehre sie geführt hat, sie sollten durch die der Lehre innewohnende reinigende Kraft reine und edle Menschen werden, Menschen, die sich von dem Wechsel und Wandel der Meinungen und Ansichten, von der Macht der Vorurtheile und Leidenschaften, welche eben dir Zeit bewegen, frei zu halten wissen. Wie die Thora das Abbild des Ewigen im Vergänglichen ist, das Zeugniß des Wahren inmitten der Lüge, der Leuchtthurm, dessen Licht immer dasselbe ist, die Wogen mögen in stürmischer Wuth aufbrausen, oder' ruhig spielend dahinwallen. so sollte auch das jüdische Volk inmitten der Stürme, die sein Lebensschiff umtosen, standhaft bleiben, es sollte das Gewissen der Menschheit sein, der Maßstab, an dem Ehrlichkeit der Gesinnung und Redlichkeit der Handlung gemessen werden. Ist aber unser Beruf, der Maßstab für Andere zu sein, so ist auch der Maßstab, den Gott an uns anlegt, ein ungleich strengerer, als der, den Er an andere Völker anlegt. Hat Er doch uns die Thora gegeben, die uns vor uns selbst schützen soll, die uns in unserem Kampfe gegen die im Menschen wirkenden finsteren Mächte beistehen soll, durch deren Weihe, die des Menschen Zeit und Raum erfüllt, wir emporgehoben werden; führt sie uns doch zu Erkenntnißhöhen. die von ihr allein ihr Licht erhalten, lehrt sie uns doch, daß wir unsere Triebe und Neigungen dem Pflichtgebote unterordnen müssen, lehrt sie uns doch, daß Keuschheit die Vorbedingung zur Erreichung unserer Menschenbestimmung ist, daß Recht und Gerechtigkeit allein unsere Wohlfahrt begründen können. Und wenn wir trotz alledem sinken, wir, die zu Lehrern der Menschheit berufen sind, so sind wir ungleich strafbarer, als diejenigen, denen die Wohlthat der unmittelbaren Belehrung durch Gott nicht zu Theil wurde. . Wenden wir uns nun zu dem Bilde, das der Prophet brrpiw von den letzten Tagen Jerusalems entrollt. Das jüdische Volk ist seinem Berufe untreu geworden; anstatt der Lehrer der Menschheit zu sein, ging es bei ihr in die Schule und erlernte den Abfall. Israel war ein gelehriger Schüler und hat seine Meister bald übertroffen und aus dem Schüler wurde wieder ein Lehrer. Jerusalem ist eine Blutstadt, ungebändigte Sinnlich» leit, ungescheut geübte Gewaltthat, ungesühnter Mord bilden das Gepräge des Einzelruid des öffentlichen Lebens. Ihre Fürsten und Priester sind Räuber, das Verbrechen wälzt sich in häßlichster Form durch ihre Straßen, Bestechung und Wucher vergiften den Lebenssaft in den Adern ihres Rechts- und Gewerblebens. nuvvb zb'bi nrawn nr® rawa vi ick» Sie vergießt noch Blut in ihrer Mitte beim

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