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Der Israelit · 1904-04-14 · Heft 29 (14.4.1904) · page 30

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 29 (14.4.1904)
Date
1904-04-14
Page
– (sequence 30)
Language
German
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646 ergangen. Seine Schüler, allen voran, S. I. Rapo- Port, haben im Schatten der Bäume sich gelagert, die der Meister auf unbebautem, jungfräulichem Boden gepflanzt, und die Früchte gepflückt, die er zur Reife gebracht hatte. Und da die Schüler allmählich selbst Meister geworden und sich mit einem Kranz bedeutsamer littcrarischer Verdienste geschmückt hatten, ist vor dem Glanz, den diese ausgestreut, der alte Pfadfinder und Bahnbrecher zurllckgetreten und fast in Vergessenheit gerathen. Auf ihn wieder in weiteren Kreisen — denn in dem engeren Kreise der Gelehrten ist er stets bekannt geblieben — aufmerksam gemacht und seine im Vergleich zu zahlreichen namhaften Zeitgenossen erhöhte Bedeutung in ein helleres Licht gerückt zu haben, ist nicht das alleinige Verdienst des Verfassers vorliegender Schrift. Denn schon seit nahezu zwei Jahrzehnten ist dieses Bestreben bei den jüngeren hebr. Schriftstellern deutlich erkennbar, zu denen ja auch Landau gehört. Landau hat jedoch das unbestreitbare Verdienst, alles bisher über Lebensgang Krochmals und seine Entwicklung bekannt gewordene hier gesammelt und zu einem anschaulichen Gesammtbilde mit vielem Geschick verarbeitet zu haben. Was aber weit höher angeschlagen werden must und dem Verfasser ein bleibendes literarisches Verdienst sichert, ist der hier zum ersten Male unternommene Versuch, Krochmal als Philosophen darzustellen und sein Hauptwerk „More Rebuche Haseman" auf seine direkte oder indirekte Abhängigkeit von Hegel zu prüfen. Denn K. ist unbeschadet seiner Selbstständigkeit und Originalität als jüd. Kritiker und Forscher in seiner philosophischen Anschauung und Weltbetrachtung ein Adept des großen Dialektikers, der bekanntlich mehrere Jahrzehnte lang nicht nur die deutsche, sondern fast die gesammte europäische Geisterwelt in die Fesseln seiner philosophischen Konstruktionen geschlagen hat. Daß eine solche Untersuchung des Krochmal'schen Buches bei seiner Textes- und Sprachbeschaffenheit mit grossen Schwierigkeiten verbunden ist, ist jedem Kenner dieses Buches bekannt. Es ist nämlich mehr ein Torso eines groß angelegten Werkes denn ein einheitliches, in sich abgeschlossenes Buch. Zudem ist die Drucklegung und Herausgabe desselben nicht durch den Verfasser selbst erfolgt, was eine beträchtliche Anzahl von theils versetzten, theils falsch verstandenen und darum fehlerhaft gedruckten Stellen zur Folge gehabt hat. Landau hat daher durch vorliegende Untersuchung zur Rekonstruktion eines richtigen hebr. Textes viel beigetragen. Die Darstellung des philosophischen Systems Krochmals. wenn von einem solchen in streng philosophischem Sinne überhaupt gesprochen werden darf, zerfällt in drei Theile. Die ersten beiden. Zur Religionsphilosophie und Zur Logik betitelt, bilden den Inhalt vorliegender Schrift. Der dritte und wichtigste Theil, die Geschichtsphilosophie betreffend, die auch bei Hegel eine zentrale, beherrschende Stellung in seinem Gedankenbau einnimmt, soll demnächst in einer besonderen Schrift behandelt werden. K. ist Rationalist im eigentlichen Sinne dieses Wortes, er lässt als Quelle der Wahrheit die Vernunft allein gellen, vor der sich unsere Gefühle auf ihre Zuläffigkeit und Rechtsmassigkeit gleichsam ausweisen müssen. Sein Grundsatz ist in dieser Hinsicht das schöne Wort des TalmiHs, das er als Motto der Einleitung voransetzt: „Zwei Straßen gibt es: versengende Gluth auf der einen, erstarrende Kälte auf der anderen. Wer sie betritt, den ereilt sicheres Verderben. Was nun Ihun? Wandle von beiden — gleich weit entfernt." Wie K. diese seine Grundanschauung im Einzelnen angewendet und zur Geltung gebracht hat, zeigt der Verfasser in Präziser, lichtvoller Weise, indem er die bei K. theilweise verstreuten Bemerkungen über Gefühl, Vorstellung und Denken, sowie über den Geist und seine Manifestation in gesonderten Abschnitten des ersten Theils, über das qualitative Sein, das Fürsichsein, die Quantität, Quantum und das Wesen in besonderen Abschnitten des zweiten Theils zusammenstellt, mit gleichlautenden oder ähnlichen Aeußerungen Hegels vergleicht und zu einem anschaulichen Gesammtbilde zu gestalten sich bemüht. Wenn es dem Verfasser nicht gelungen ist. uns ein abgeschlossenes philosophisches System bei K. aufzuzeigen. so war dieses Ergebniss. wie er selbst auf S. 17 sagt, selbstverständlich angesichts der Thatsache, daß viele Kapitel des Krochmal'schen Buches theils unvollendet geblieben, theils verloren gegangen sind. Aber das Ziel, das sich Landau gesetzt hat und das darin bestand, nachzuweisen, „daß K. durch Einführung der Hegel'schen Prinzipien in die hebr. religionsphilosophische Litteratur die seit Jahrhunderten geschlossenen Fenster aufgerissen und einen neuen Geist hat einziehen lassen, der in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts mehrere Dezennien Alleinherrscher im Reiche des Geistes war", hat er vortrefflich erreicht. Mit Spannung darf man dem Erscheinen des zweiten, wichtigeren und interessanteren Theiles dieser Arbeit entgegensehen, die ihm den Dank aller Litteraturkundigen sichert. Dr. Holzer. „Ltatistische Untersuchungen über private Wohlthätigkcirspstcge mit besonderer Berücksichtigung der aktiven Theilnahme der Konfessionen an derselben." Bearbeitet von Anton Bing. Verlag von Joseph Baer & Eo. in Frankfurt. Ueber den Zweck der Schrift sagt das Vorwort: Zu den zahlreichen ungerechten Anklagen, welche die deutschen Juden in den letzten Jahrzehnten über sich er-

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