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Der Israelit · 1904-04-14 · Heft 29 (14.4.1904) · page 28

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 29 (14.4.1904)
Date
1904-04-14
Page
– (sequence 28)
Language
German
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644 land, weil sie die. gerade Lei den breiten Volksmaffen beliebtesten Bücher, Gebetbücher, Bibel- und Mischnaausgaben, sowie Frauen- und insbesondere jüdischdeutsche Litteratnr ohne Unterbrechung in handlicher Form, zu billigen, den weniger bemittelten Volksklaffen angemessenen Preisen in die Welt hinausschickte. Weinberg hat die sich gestellte Aufgabe in trefflicher Art gelbst. Nicht nur hat er uns in wirklich mustergiltiger Sprache die Geschichte der Offizinen von ihrem ersten Entstehen an anschaulich und packend vor Augen geführt, er bietet uns auch eine wohl lückenlose Aufzählung sämmtlichcr Sulzbacher Drucke und eine vollständige Ueberstcht des .gesummten Druckpersonals vom Anbeginn bis zum Schluß. Mit ausgezeichneter Klarheit leuchtet er in die entferntesten Winkel hinein, die Bausteine zu seinem Geschichtswerke liefern könnten ohne sich auf Nebensächlichkeiten allzusehr einzulaffen, oder durch Abschweifungen auf Nachbargebiete die geschlossene Einheit des Ganzen zu stören. Man definirt den Begriff „Wissenschaftlichkeit" gewöhnlich mit „klarer, durchsichtiger und erschöpfender Behandlung eines gegebenen Stoffes von einem Mittelpunkte aus." Diese Definition läßt sich an der vorliegenden Arbeit treffend Nachweisen. In mustergiltiger Uebersichtlichkeit ziehen die . einzelnen Perioden mit ihren Druckherren an uns vorüber. Gleich zu Beginn zeigt uns der Verfasser sein Forschertalent. Er begründet, gegenüber der bisherigen Ansicht sämmtlichcr Bibliographen, eine neue Druckerperiode bereits im Jahre 1669 unter Jsak Jüdels, während es bisher als unumstößliche Thatsache galt, daß erst im Jahre 1684 der Sulzbacher Buchdruck in die Geschichte eintritt. Diese neue These Weinbergs dürfte wohl unangefochten bleiben; denn sie ist durch zahlreiche Deduktionen, vor allem aber durch archivalische Veröffentlichungen hinlänglich gestützt. Die zweite Periode unter Moses Bloch und unter dem Schutz des mystisch veranlagten edlen Pfalzgrafen Christian August währte von 1684—93. Vom Jahre 1699 ab beginnt die Vlüthezeit der Druckerei unter der Wiener Exolantenfamilie Fränkel-Arnsiein, die in aufsteigender Linie allmählich die Druckerei zu ihrer Bliithe emporhob. Der Höhepunkt fällt mit der Wirkungsdauer des Meschullam Salman 1721—64 zusammen. In diese Periode fällt der in allen seinen Einzelheiten geradezu dramatische Kampf zwischen den Rivalen Sulzbach und Amsterdam, in welchem die Anfangs siegreiche Sulzbacher Druckerei vor Amsterdam die Waffen strecken mutzte. Um 1800 zeigte sich eine neue Blüthe auf dem Gebiete der Synagogen- und Hauslitte ratur. Von 1830 ab beginnt der Todeskampf des Offizin angesichts der veränderten Zeitverhältnisse. — In den letzten Jahren kommt zwar noch eine neue Offizin in Sulzbach neben die Arnstein'sche,.im Jahre 1850 aber hatten sie beide ausgerungen. Zahlreiche Urkunden werden zum ersten Mal an'S Tageslicht gezogen; wir verweisen insbesondere auf die kaiserliche Verordnung (S. 45). Zum Schluß fügt der Verfasser einige Abdrucke aus fast verschollenen Büchern zu dem Amsterdamer Streite an. Von den Sulzbacher Drucken haben wohl am meisten den Ruf der Druckerei die drei Talmudausgaben begründet. Als zweites Hauptwerk tritt daneben Alfasis Halachawerk; zu nennen sind ferner drei Responsensammlungen und eine Reihe von überhaupt ersten Ausgaben, nützliche Gaben für das Volk waren meherere Mischnaausgaben, Maggidim, volksthümliche Ausgaben des Tsten mijo und nrtm nrxx und jüdischdeutsche Ausgaben auf dem Gebiete der Erbauungslitteratur. Bei strengster Wissenschaftlichkeit zeigt die Arbeit eine edle, auch den-Laien leicht faßliche Sprache. Vom ersten Kapitel an wird der Leser gefesselt, sich in den ununterbrochenen Fluß der Vorstellung weiter einzulesen. Man merkt jeder Zeile die Liebe und Hingebung an, die der Verfasser seinem Werke entgegenbrachte. Es ist ein Buch nicht nur für den Gelehrten, sondern auch für jeden Laien, der ein Herz für die Geschichte seines Volkes hat. Zum Schluß sei uns noch gestattet, einige unwesentliche Ausstellungen zu machen. Es ist schade, daß die Art des Anschlusses der Linie Fränkel- Arnstein an die ruhmreiche Wiener Fränkel'sche Familie nicht gefunden werden konnte (S. 26). Vielleicht ist in der Anm. ** S. 26 der Schlüssel zur Lösung der Frage zu suchen, auch die Thatsache. daß Ahron zweimal verheiratbet war (S. 35) ist hierbei nicht aus dem Auge zu lassen. Der Stammbaum auf S. 101 zeigt dementsprechend einen Fehler. Es werden dort nämlich alle Kinder des ersten Ahron als Enkel des Wiener Meschullam Salman aufgeführt, während doch die Kinder als Stiefgeschwister mütterlicherseits verschiedene Großväter batten. — Von Interesse wäre es auch gewesen, wenn der Verfasser etwas mehr über den (1721) von der Regierung beanstandeten Wandkalender erzählt, d. h. wenn er die inkommirten Stellen uns angegeben hätte (S. 38). Möge das Werk einen weiten Leserkreis finden, es verdient ernsteste, beifälligste Aufnahme nicht nur in Gelehrten kreisen, sondern auch bei den Laien, denen daran gelegen ist, die gediegene, wissenschaftliche, jüdische Litteratur zu unterstützen. N. L. Pädagogische-. Freund, Fakob. „Biblische Gedichte." Ein Hilfsbuch für den Unterricht in der biblischen Geschichte. Neue Auflage. Breslau 1904. Wilh. Jakobsohn & Co. Unter obenstehendem Titel erhielt die so arme, jüdische Schullitteratur eine Bereicherung, die mit

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