Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 29 (14.4.1904)
- Date
- 1904-04-14
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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tcn haben, wird vorliegende Arbeit ein erfreuliches Er- ° eigniß sein. Wir haben es hie.r mit einem Gelehrten zu thun, der es in jeder Hinsicht sehr genau nimmt. Die kritische Edition Maimuni'scher Arbeiten ist nur für Leute geschaffen, die keine Mühe scheuen, um etwas Gediegenes zu bieten. Durchschnittsarbeitern sind solche Editionen nicht zu empfehlen. Wir haben einen großen Theil der Mischna-Commentare in guten Bearbeitungen, in welchen die Spracheigentümlichkeiten, die Art und Weise, wie Maimuni an den gegebenen Text herantritt, überhaupt alles Wissenswerthe eingehend behandelt würde. Darum fällt es schwer, beim Leserpublikum Beachtung zu finden. Wohl ist eine kritische Edition ohne jegliche Anmerkung bei den Mischnah- Eommentaren von großer Wichtigkeit. Die Leser wollen aber nicht die Summe des Fleißes in Rechnung ziehen, die dazu aufgewendet wurde, sie wollen vielmehr „etwas Neues" haben. Und der strebsame Gelehrte versteht es, Neues zu bieten. In seiner „Einleitung" versuchte der geehrte Herr Verfasser die äußere Ursache dafür zu ergründen, daß Maimuni den Commcntar verfaßte und daß er ihn in arabischer Sprache schrieb. . Er meint, daß Maimuni der Gefahr Vorbeugen wollte, daß dem durch äußere Umstände vom Thorastudium abgekehrten Volke nicht soweit die Thorakenntniß entgehen sollte, um bei praktischer Bethätigung dem Zweifel ausgesetzt zu sein. Der Druck der Religionsverfolgung bewirkte, daß viele äußerlich zum Muhamedanismus übertraten. Der Verfasser hat das Richtige getroffen, wenn er sagt: „Und wie einst zur Zeit der Verfolgung durch die Römer R. Jehuda Hanasi (hier sei auf einen Transcriptionsfehler aufmerksam gemacht: es soll s und nicht j heißen) sich entschloß, den Text der Mischna schriftlich zu fixiren, so wollte wohl jetzt Maimonides einen kurzen leicht faßlichen Commentar zu diesem Texte schreiben etc." Da die Arbeit, als Maimuni spanischen Boden verließ, noch nicht vollendet war, und Maimuni das egyptische Judenthum kennen lernte, das thatsächlich in praktischen Fällen unioiffend war, entschloß er sich, seine Arbeit für diesen Zweck einer Revision zu unterzieben. Daß für diesen Zweck die arabische Sprache vorzuziehen war, ist erklärlich. Durch die Annahme einer im Wesen der Sache liegenden Revision wird Bambergers*) Behauptung, die Revision sei ein Nothbehelf, bestens widerlegt. Es wären noch so manche interessante Stellen wiederzugeben. Leider ist der uns zu Verfügung stehende Raum zu beschränkt. Wer sich von dem Fleiße und der Genauigkeit, mit *) Dcimberger Selig. Mlnnionidcs-Conimcntur zum Traktat Challa «rab. Urtext mit verbell, hebr. Uebersetzung berausgegeb. Berlin 1695. Seite fl. . dem der Verfasser zu Werke Ling, überzeugen will, muß die Arbeit selbst studiren. Wir können aber nicht umhin zu betonen, daß trotz der trockenen Materie an manchen Stellen eine gehobene Sprache durchbricht. . So Seite 14, wo das altjüdische Volksleben geschildert wird. Auf die gelehrten Anmerkungen einzugehen, ist uns absolut unmöglich. Die wissenswerthesten Anmerkungen seien angegeben: Nr. 2, 13, 25, (31 zitiren wir überdies, weil 'ein Druckfehler vorliegt: es heiße: sila un für silaun (kurz a) 55. 69.) Bei orientalischen Drucken sind Fehler, nicht zu vermeiden, so das Abspringen der Vocalzeichen etc. etc. Es sind aber hier sehr wenige zu bemerken. Der Druck ist ein vorzüglicher, - sowie die gesammte Ausstattung eine sehr gefällige ist. Wir wünschen, daß die noch zu erwartenden Editionen von ebenso bewährten Kräften geliefert werden mögen. Wir wünschen ferner dem emsigen Gelehrten, daß er uns öfters mit wissenschaftlichen Arbeiten beehre. Frankfurter Lalomon, Dr. Phil. Mose ben Maimunis Mischna-Kommentar zum Traktat Ketuboth (Abschnitt 1 und II). Arabischer Urtext auf Grund von zwei Handschriften zum ersten Male herausgegeben mit verb. hebr. Uebersetzung des Jacob ibn Abbasi, Einleitung, deutscher Uebersetzung, nebst kritischen und erläuternden Anmerkungen. Nathansen & Lamm, Berlin. Die uns vorliegende Arbeit wird sowohl vom Arabisten von Fach, als auch Talmudisten freudigst begrüßt werden. Wir brauchen nicht weiter Worte zu verlieren, daß für die Erforschung des Vulgärarabischen der Mischna-Kommentar des Maimonides von unschätzbarem Werthe ist. Und der Verfasser war seiner Aufgabe vollkommen gewachsen. Wir sehen, daß er auf dem Gebiete des Vulgärarabischen überaus bewandert ist. Er hat es verstanden, sich in die subtilsten grammatischen Eigentümlichkeiten der arabischen Sprache im Allgemeinen und arabischen Sprachschulen im Besonderen hineinzuleüen. Aber auch der Talmudist kommt auf seine Rechnung. Ter Verfasser hat es neuerdings bewiesen, daß eine kritische Ausgabe des Maimonides manche schwierige Stellen des Kommentars in den Drucken uns klar und deutlich erscheinen lassen. Und dem Verfasser ist es weiterhin gelungen, dem Nichtarabisten durch Fußnoten im hebr. Texte den Unterschied zwischen dem Texte in den Handschriften und dem Texte in den vorliegenden Drucken vor Augen zu führen. In ebenso glücklicher Weise ist es gelungen, einem weiteren Leserkreise, der sich für Mischna und Talmud interessirt, dem es aber zu schwer fällt, sich in das Hebräische zu vertiefen, eine gute Uebersetzung zu bieten, deren Hauptwerth wieder darin besteht, daß durch Fuß-