Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 29 (14.4.1904)
- Date
- 1904-04-14
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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t i i! f i AenLrat-Hrgan für das oxtfjoboxe Judentum. 14. Steril1904.] jfl Jtä 29. l«r. L xx)QC)c:x:?(x)0< 1jCxj? Homiletik. „Sichrou Nahum", Dr. I. I. Niemirower, Festpredigten, Cafualreden und aus synagogalen Vorträgen entstandene Zeitungsartikel. Verlag von M. Poppelauer, Berlin. 1903. Vorliegende Predigtsammlung würde auch eine wahrhaft dankenswerthe Bereicherung der homiletischen Litteratur bedeuten, wenn sie nicht durch eine überaus interessante Eigenart ausgezeichnet wäre. Auch ohnedies wären die originellen Gedanken, die geistvollen Vergleiche, die edle Form der hier oft nur kurz angedeuteten Ausführung eine sich vollauf lohnende Lektüre. Aber diese Predigtsammlung hat auch ihr Eigenartiges, Einzigartiges. Denn es ist ein modern gebildeter, gesetzestreuer rumänischer Prediger, den wir dabei beobachten, wie er zu seinem, dem rumänischen Publikum spricht. Und es ist dies ein Publikum, von dem wir wissen, daß es in der Synagoge ganz besonders heilige Anliegen hat; ein Publikum, das, wenn irgend eines, des Trostwortes des Predigers harrt und seinen Mahnungen lauscht. Und doch dürfte dieses Bild von dem rumänischen Andächtigen nur insoweit zutreffen, als wir die Schicksale der rumänischen Juden vor Augen haben. Individuell erscheinen sie als Angehörige zweier Richtungen im Judenthum, nämlich der Chassidim einerseits und der sogenannten Aufgeklärten andererseits, die fast nur noch das nationale Band mit der Synagoge verbindet. Der Prediger dieser beiden Richtungen zu sein, ohne den Standpunkt des gesetzestreuen Judenthums zu verleugnen, ist eine Leistung, die der Verfasser zu Wege bringt und der wir unsere Anerkennung nicht versagen können. In dieser Predigtsammlung sind die Feste des Jahres, sowie die freudigen und traurigen Gedenktage in einer Weise vertreten, daß der jeweilige Festgedanke in gedrängter Kürze nur als Anknüpfungspunkt dient, um in origineller Verbindung mit demselben ernste Zeitsragen zu besprechen. Insbesondere wären hervorzuheben die meisterhafte Kol-Nidre-Predigt «Wort und Eid"', die den in Rumänien gesetzlich gebotenen „Judeneid" zum Vorwurfe hat, die Chanukarede (S. 43), die gegen den dort heimischen, unendlich traurigen Unfug gerichtet ist, die „Töchter den Priesterinnen eines fremden Glaubens" zur Erziehung zu überliefern. Rumänisch-jüdisch ist die Predigt zum 9. Ab, „Traurige Erinnerungen und neue Leiden" mit dem Hinweise auf die wiederholte buchstäbliche Erfüllung der Klage über diejenigen, die an den Grenzen erhascht wurden", auf die Tischobeaw-Menschen, wie Dr. Niemirower sie nennt, die „heimgekehrt sind — ärmer als ihre toten Eltern". Rumänisch-jüdisch ist die Gegenüberstellung Abrahams, des ersten jüdischen Auswanderers, der gastfreundlich gegen Fremde gewesen, mit den „Elend der Emigration" derer, die Fremde sind in ihrem Heimathlande. Aus der Reihe der Cafualreden sei besonders verwiesen auf die warme Würdigung des sel. Rabb. Dr. Hildesheimer, in welcher Rede der Verfasser „eiserne Consequenz" und „marmorstarken Charakter" als das Geheimniß des orthodoxen Judenthums bezeichnet; ferner auf die treffliche Schilderung Wilhelm des Frommen, Baron v. Rothschild, der nicht bloß „die großen Schätze der Väter des Hauses Rothschild verwaltet, sondern auch die kleinsten Ceremonien-Erbthümer der Ahnen des Hauses Israel gewürdigt hat." Dem Einwurfe, daß bedauerlicher Weise viele Druckfehler das Vergnügen des Lesers trüben könnten, ist der Verfasser durch eine sehr geistreiche Bemerkung am Schlüsse des Buches begegnet. Diesen Predigten und Aufsätzen, die den besten homiletischen Schöpfungen der Gegenwart würdig' an die Seite gestellt werden können, ist weite Verbreitung und ein großer Leserkreis zu wünschen. Dr. M. D. Talmudische Litteratur. Mischnah-Commentar des Maimonides zum Traktat Taanith. I. II. Dr. phil. Adolf K a l l n e r. Im Urtext mit hebräischer Uebersetzung des El-Fawwal mit Einleitung und Anmerkungen zum ersten Male herausgegcben. Leipzig 190L Druck von C. W. Vollrath. Für Diejenigen, die ein lebhaftes Interesse nach einer gediegenen Wiedergabe der Maimuni'schen Schrif-