Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 29 (14.4.1904)
- Date
- 1904-04-14
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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684 Sabbat und Festtag unterbleiben nnn VE Wrn m vrvn r.x vfn nzvn rx ab (Sukka 50, 6). Schließlich bemerken wir, daß sich nach dem Uriheile distinguirter, über jeden Parteigeist erhabener Männer, die Orgel in den Synagogen mit Nichten bewährte, daß es ihr keineswegs glückte, den Befreiungston aus den Fesseln des Materialismus anzustimmen, daß sie aber wohl vielfach das Signal gab Zu den unheilvollen Kämpfen in Mitten eintrachtliebender Gemeinden und daß es ihr nimmer gelingen kann, das Bürgerrecht zu erlangen in den geheiligten Stätten zur Anbetung des Gottes Israels. Köln, den 20. Dezember 1864. (gez.) Dr. I. Schwarz. Rabbiner. Stuttgart. (Die jüdischen Notabeln bei Herrn v. Plehwe.) Ueber die von Herrn v. Plehwe nach Petersburg einberusene Versammlung von 60 jüdischen Notabeln weiß die sehr gut unterrichtete Stuttgarter „Oswoboshdenie" einige interessante Details zu berichten. Anfangs Februar erhielt Baron Ginsburg von Herrn von Plehwe den Auftrag. 60 Vertreter der verschiedenen Gemeinde» des Anüedelungsrayon nach Petersburg einzuberufen, damit diese sich mit den Vertretern der Regierung über die Lage der Juden in Rußland aussprechen mögen. In einer Vorversammlung einigten sich die 60 Notabeln dahin, daß es „wünschenswerth" wäre: 1) Die unbeschränkte Zulassung der Juden zu allen Bildungsanstalten des Reiches. 2) Die liberalere Handhabung des Gesetzes über das Wohnrecht der Juden (namentlich sollen die Frauen der privilegirten Juden selbst dann nicht mehr in den Ansiedlungsrayon ausgewiesen werden, wenn sie auch ohne ihre Männer außerhalb dieses Rayons wohnen. Endlich 3) Wiederherstellung des Zunftwesens. damit den jüdischen Handwerkern ein Meisterbrief ausgehändigt werden könnte. Diese Meisterbriefe sind nämlich unerläßlich für den Fall, daß ein jüdischer Handwerker sich außerhalb des Ansiedelungsrayons niederlassen will. Durch die Aufhebung der Zünfte ist das Recht der jüdischen Handwerker, in ganz Rußland wohnen zu dürfen, mit einem einzigen Federstrich illusorisch gemacht, da niemand mehr da ist. um den unerläßlichen Meisterbrief auszustellen, ohne den Jeder sich außerhalb des Rayons niederlaffende jüdische Handwerker von der Polizei unbedingt ausgewiesen wird. So bescheiden die Wünsche der jüdischen Reprasentanien aber auch waren, so konnten sie dennoch der Regierung nicht einmal zur Kenntniß gebracht werden. Die „Aussprache" mit den Vertretern der Regierung fiel nämlich überaus einseitig aus. indem der Vertreter der Regierung niemand anders als Herr von Plehwe selbst war, und dieser begnügte sich damit, den Vertretern des russischen Judenthums eine einstundiae Pauke zu halten, um sie dann ohne weiteres gnädigst zu entlassen. Als Einleitung beteuerte Herr v. Plehwe, daß weder er selbst, noch der Zar die Juden etwa als minderwerthige Rasse ansehen. Im Gegentheil müssen die Juden zu den höher begabten Rassen gezählt werden und würden sie, falls sie ungehinderten Zutritt zu sämmtlichen Bildungsanstalten hätten, auf ganz legalem Wege sich eine enorme Macht aneignen. Er, Herr v. Plehwe, darf es.aber nicht zugeben, daß eine geringe Minderheit über die ungeheure Mehrheit herrsche . . . Herr v. Plehwe ritt darauf eine geraume Weile sein Steckenpferd, indem er seinen stummen Zuhörern gegenüber die kindische Anklage wiederholte, die Juden lieferten ein enormes Kontingent an die russischen Revolutionäre. Die Loyalität der anwesenden Herren sei ja über allen Zweifel erhaben, „die Juden im Allgemeinen sind dagegen nicht nur wüthende Revolutionäre, sie sind all: Mörder." Herr v. Plehwe mußte freilich zugeben, daß fast alle in den letzten Jahren verübten Attentate von Nichtjuden ausgingen, er behauptete jedoch. Beweise dafür zu besitzen, daß diese Attentate von Juden organisirt und geleitet wurden und daß die -Christen nicht viel mehr als bloße Werkzeuge in den Händen der Juden waren. Natürlich hat sich Herr von Plehwe gehütet, seine angeblichen Beloeise vorznbringen. Herr von Plehwe kam endlich auf die Stelle zu sprechen, an der er am meisten verwundbar ist. nämlich auf die Angriffe der Auslandspresse. Da die Macht seiner Zensoren einstweilen noch nicht bis London und Newyork reicht, so sucht er sich an den seiner Willkür preisgegebenen hilflosen Juden zu halten. „Ihr habt uns in der ausländischen Presse den Krieg erklärt," rief er seinen unfreiwilligen Zuhörern drohend zu. „gut, wo Krieg ist, fallen auch Opfer!" Die Regierung iü bereit, die ökonomische Lage der Juden nach Möglichkeit zu verbessern, an eine völlige Gleichstellung mit den anderen russischen Unterthanen dürfen Sie aber niemals denken, denn, fügte der Urheber und Organisator der Kischinewer Greuel mit unschuldsvoller Miene hinzu, man braucht heute den Juden nur die Gleichberechtigung zu gewähren, um morgen schon die Kischinewer Krawalle sich in ganz Rußland erneuern zu sehen." Zum Schlüsse äußerte Herr von Plehwe seine Freude darüber, das Vergnügen gehabt zu haben, sich mit den Herren so gut unterhalten zu haben und sprach die Hoffnung aus. sie nach einiger Zeit wieder bei sich zu sehen. Oesterreich. Wien, 7. April. (Die Kischinewer Judenkrawalle in ihrer Nachwirkung.) Im Juni vorigen Jahres wurde in Lemberg eine alleinstehende alte jüdische Wittwe. die als vermögend galt, Frau Amalie Orange, ermordet und beraubt. Sehr bald nach der Blutthat wurden die Mörder in den Personen des stellungslosen Hausbesorgers Josef Wierzcho-! lek und des vazirenden Bedienten Josef Czerweny ' eruirt und des Raubmordes angeklagt. Gleichzeitig