Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 29 (14.4.1904)
- Date
- 1904-04-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Zettungs«achrlHten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. Versunken und vergessen ist die sogenannte deutsch-nationale Bewegung, die einige junge Brauseköpfe unter den deutschen Juden in's Leben rufen wollten, um dadurch dem Antisemitismus den Wind aus den Segeln zu nehmen. Mag man über die Idee denken, wie man will — die Ausführung derselben war eine recht unglückliche. Und am unglücklichsten war die publizistische Vertretung derselben, an welche in diesen Tagen die antisemitischen Blätter durch die Mittheilung erinnern, daß das „jüdische Blatt für deutsch-völkische Interessen", das den Titel „Toleranz" führte, sang- und klanglos aus diesem Leben geschieden sei. Mit ihm wohl auch der Verein, der die Bewegung hervorgerufen. . Wir begreifen aber nicht, warum die Antisemiten sich darüber freuen, denn sie hatten doch ihre helle Freude an der ganzen Sache. Geringere Freude dürfte es vielen unter ihnen verursachen, daß der famose Graf Pückler-Klein-Tschirne wieder auf dem Plan erschienen ist. Aus seiner ersten Rede in Berlin wollen wir zur Erheiterung unserer Leser nach seinem Moniteur einige Stellen wiedergeben. Er sagte: ..Bebel gehört zu den wenigen Männern, die Schneid haben und der Regierung die Wahrheit sagen, und das ist nothwendig. Wie die Herren heute regieren, das. ist keine Regierung, das ist Wurstelei (Sehr richtig!). vor der kein Mensch Respekt haben kann. (Großer Beifall.) Wenn Bebel national wäre -und auf christlichem, monarchischem Boden stände, dann könnte er ein famoser Mann werden, mit dem man in manchen Punkten Zusammengehen könnte. (Großer Beifall bei den Sozialen.) Wenn ich in den Reichstag käme, würde ich unter diesen Umständen auch mit Bebel Fühlung nehmen und wir würden den Herren von der Negierung die Wahrheit zeigen, daß sie die Kränke kriegen und daß sie alle ausreißen. (Stürmischer Beifall.) Die mauschelnden Juden würden dann schleunigst aus dem Reichstage verduften. (Großer Beifall.) Wir brauchen starke Charaktere, Männer und Helden. Sozialdemokraten sind dumme Kerle, die sich, nicht belehren lassen, die den Juden Singer, Stadthagen und wie die Kerle alle heißen, nachlaufen wie toll und verrückt, das sind dumme Luder. (Stürmischer Beifall.) Wir Antisemiten werden die Sozialisten, die zurückkehren zu ihrem König, gern ausnehmen. Voraussetzung ist, daß sie anständige patriotische Leute. sind, die den Juden ganz gehörig auf das Leder rücken. (Stürmischer Beifall, großer Lärm bei den Sozialdemolraten.)" . Hannover. Dem Bericht über die „Jsr. Erziehungsanstalt zu Hannover" für das Jahr 1903 entnehmen wir: Die Zöglinge. A. Knaben'und gewerbliche Lehrlinge: Die Anzahl der Zöglinge betrug: Mitte Februar 1903: 47 Lehrlinge. 39 Schüler, zus. 86. Mitte Febr. 1904: 44 Lehrlinge, 47 Schüler, zus. 91. Aus der Schüker-Abtbeilnng (Kinder bis zu etwa 14 Jahren) sind seit Bestehen der Anstalt 67 Zöglinge entlassen; sie ergriffen folgende Berufe: 17 wurden Gärtner und Landwirthe. 31 Handwerker verschiedener Art, 16 Kaufleute und 3 Lehrer. In der Lehrlings-Abtheilung sind bis jetzt im Ganzen 93 Lehrlinge ausgebildet worden. Darunter befinden sich drei junge Leute, die außerdem noch ein Lehrerseminar besuchten, r^d in Folge der bei uns erworbenen praktischen Kenntnisse gute Anstellungen in den Kolonien der ,J. C. A" fanden; 2 Zöglinge wurden Tischler. Don diesen 93 sind in Thätigleit: 37 in Deutschland, darunter 1 Tischler, 2 besuchten die Königl. Gartenbau-Lehranstalt Dahlem, 5 in Oesterreich, darunter 1 Lehrer. 1 in Frankreich, 1 in der Schwerz, 1 in Rumänien, 1 in Rußland und 13 in Amerika, darunter 1 Tischler, 2 Lehrer in Argentinien, zus. 59. ir. Mädchen und Haushaltungs-Lehrlinge. Das Mädchenhaus wurde am 1. Dezember 1902 eröffnet; an diesem Tage traf ein 15jähriges Mädchen sin. dem im Laufe des Monats weitere 6 folgten. Mitte Februar 1904 zählte diese Abtheilung 25 schulpflichtige Mädchen und 10 Haushaltungs-Lehrlinge. Mosheim (Elsaß). Dem energischen Auftreten unseres Rabbiners, Herrn Dr. G o l d st e i n, ist es zu verdanken, daß hiesige jüdische Metzger, die bisher den Sabbat entweiht, das bindige Versprechen gegeben haben, von nun an den Sabbat streng zu halten. Dänemark. Kopenhagen, im April. In Ihrem Bericht von hier, betreffs unseres “m sr* ist Ihnen der Hergang der p'rt nicht der Wahrheit entsprechend mitgetheilt worden. Unser hochverehrter Oberrabbiner Herr Dr. Lewenstein hielt am nsn bv» eine von dtttb reichlich geschmückte vortreffliche Drascha für pn vnt in der hiesigen Synagoge, in der sich eine große Menge eingefunden hatte, und endete mit einem Hesped auf den leider so jung verstorbenen Rabbiner Dr. Goitein s. A. Kein Auge blieb thränenleer. Tags darauf hielt Herr Oberrabbiner L e w e n st e i n bei der Mahlzeit der zwei prachtvolle Droschos, eine für die p*r» wh und eine für die pm na. Hertz Perljtein. Rußland. Kiew. (Elend in einem jüdischen Städtchen.) Die deutsche „Petersburger Zeitung" entnimmt einer Korrespondenz der „Kiewsl. Otllili" -