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Der Israelit · 1904-04-14 · Heft 29 (14.4.1904) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 29 (14.4.1904)
Date
1904-04-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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620 T Anträge der Deputationsmehrheit zum Beschlüsse erhoben» München, im April. (Ein Verein für die Statistik der Juden.) Man schreibt uns: Die sogenannte Judenfrage ist in unzähligen Schriften bcbandelt worden; doch waren es meist polemische Gelegenheitsschriften, häufig tendenziöser Natur. Es mangelte zuverlässiges Material zur Beurtheilung der wirthschaftlichen Verhältnisse der Juden und ihrer Beziehungen zur übrigen Bevölkerung. Die amtlichen Statistiken geben Ausweise über die jüdische Bevölkerung nur unter dem Gesichtspunkte einer Konfessionsstatistik; diese Angaben genügen natürlich nicht, um die Ursachen der exzeptionellen Stellung der Juden, namentlich in Osteuropa, wissenschaftlich ergründen zu tonnen. Ist nun auch in jüngster Zeit in verschiedenen Monographien der Versuch gemacht worden, einwandfreies Material zur Beurtheilung der Lage der Juden herbeizuschaffen; so erwiesen sich doch die Bemühungen Einzelner als unzureichend. Man rief deßhalb besondere Institute in's Leben, mit der Aufgabe, die Massen-- erscheinungen des wirthschaftlichen und kulturellen Lebens der Juden mittels der statistischen Methode zu erforschen. So entstand 1902 der „Verein für jüdische Statistik" in Berlin, dessen Arbeiten in einem von Alfred Nossig herausgegebenen und von der wissenschaftlichen Statistik günstig aufgenommenen „Jahrbuch" vorliegen. In England wurde 1903 die „Society for Jewish Statistics" gegründet, die die bedeutendsten englischen Statistiker zu ihren Mitgliedern zählt. Von der Voraussetzung ausgehend, daß die erwähnte Aufgabe nur dann erschöpfend durchgeführt werden kann, lvenn überall, wo Juden wohnen, sich ähnliche Gesellschaften organisiren, berief auch in München eixi vorbereitender Ausschuß auf den 10. März eine Versammlung ein zur Konstituirung eines „Vereins für die Statistik der Juden." In der gut besuchten Versammlung legten zunächst die Herren Dr. Art. Cohen und Dr. Gg. Halpern den Zweck des Vereins dar, der in Paragraph 1 der Statuten dahin formulirt ist. daß der Verein die Erforschung der Massenerscheinungen der Juden, zunächst in Bayern, durch wissenschaftliche Untersuchungen auf statistischer und deskriptiver Grundlage anstrebt. Doch sollen auch die Verhältnisse in den Nachbargebieten mit hereingezogen werden. Der als Gast anwesende Unterstaatssekretär Professor v. Mayr begrüßte die Gründung des Vereins, indem er hervorhob, daß die Ziffern der amtlichen Statistik erst durch eingehende Detailgliederung recht nutzbar gemacht werden können und sich zu dieser Arbeit statistische Gesellschaften besonders eigen. Rabbiner Dr. Werner betonte. *'■ wie nützlich die Untersuchungen des Vereins der organi, sirten jüdischen Wohlthätrgkeit werden könnten, da erst durch sie eine gesunde Basis für eine planvolle Thätigseit der betreffenden Institute geschaffen werde. In die aufliegenden Listen zeichneten sich 60 Herren ein, von denen etwa die Hälfte eine aktive Mitarbeit in Aussicht stellte. Der Vorstand besteht aus den Herren Dr. Arthur Cohen, erster Vorsitzender, Haydenstraße 5; Rechtsanwalt Dr. Holländer, zweiter Vorsitzender: Dr. Halpern, erster Schriftführer; Banquier Krämer. Schatzmeister; ferner den Beisitzern Consul Ballin, Rechtsanwalt Dr. Blumenstein. Justizrath Ofner, Arzt Dr. Sielmann, Rechtspraktikant Dr. Elias Straus, Rabbiner Dr. Werner. München, 10. April. Wie seiner Zeit mitgetheili wurde, ist eine vom Bildhauer Qsterrieder ausgegebene sog. Künstlerpostkarte, welche einen angeblichen Ritualmord aus alter Zeit darstellte, mit Beschlag belegt worden. Nun hat der Staatsanwalt die Eröffnung des Hauptverfahrens beantragt. Aus Franken. In eigenthümlicher Weise scheint man im Würzburger Land die Pflicht aufzufassen, an Mißständen, die die Oeffentlichkeit mit Recht intereffiren, Kritik zu üben. Bisher war es in ernst-jüdischen Kreisen Grundsatz: 'rrsr mar pwi». In Würzburg aber benutzt man das anerkannt rohe Antisemitenblatt „Die N. Bayr. Landeszeitung" dazu, um v'vV vVbauf Schäden hinzuweisen. Es ist tief betrübend, daß nicht ein Sturm der Entrüstung sich in Würzburg erhoben hat gegen ein solches Gebühren. Die Herren Memminger sind wohl besondere L'na,, die sich zur Vertretung jüdischer Interessen von jeher besonders geeignet erwiesen haben? Und was sind es für Dinge, die da an die Oeffentlichkeit gebracht werden? Nichts als kindische, läppische Klatschgeschichten! Soll man von denen, die ihr Heil bei Memminger suchen, etwas anderes erwarten? Es soll absolut nicht in Abrede gestellt werden, daß es in Würzburg schwer nöthig ist, abgrundtiefe Mißständ« zu bekämpfen. Aber mit dem Raisonniren und Hetzen ist nichts gethan; noch weniger z. B. in Frankfurt das Publikum zu veranlassen, seine Spenden Würzburger Zwecken nicht mehr zuzuwenden. Werden die Spenden wieder fließen mit der Beseitigung der Mängel, wenn einmal die Gönner abwendig gemacht sind? Wie denkt man sich überhaupt eine Besserung, wenn man den wirthschaftlichen Ruin empfiehlt? Wir möchten also dringend rathen, andere Mittel und Wege zu wählen. Man wende sich an die ernsten, erfahrenen Männer, die schon bewiesen haben, daß sie auch positive Arbeit leisten können. „Reorganisation" muß die Losung sein — aber in sachlicher, zielbewußter Arbeit, die sich auch davon frei hält, kritiklos die Männer zu verunglimpfen, die sich in selbstloser Weise bemüht haben, ihre Aufgabe zu erfüllen. Mögen ihnen zur rechten Zeit die rechten Männer zur Seite stehen, und es wird gelingen. Remedur zu schaffen. . K.R. Frankreich. - Paris, 8. April. (Untersuchung gegen Max Regis wegen Erpressung.) Gegen

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