Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 64 (11.8.1904)
- Date
- 1904-08-11
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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1377 nelik II., ebenso wie seine Vorfahren, die Dynastie her von Menelik I., dem Sohne des jüdischen Königs Salomo und der Königin von Saba. Heber diese sagt die Bibel: «Und da das Gerücht Salomos von dem Namen des Herrn kam vor die Königin vom Reiche Arabien, kam sie. ihn zu versuchen mit Räthseln." Tie Bibel berichtet weiter, daß sie «nach Jerusalem ging mit einem sehr großen Zug. mit Kameelen. die Spezereien trugen und viel Goldes und Edelgestein." Die Folge dieses Besuches war — immer streng nach der Bibel — daß „Salomon ihr gab. alles, was sie begehrte und bat, ohne was er ihr gab von ihm selbst." Aus diesen letzten Worten konstruirt der Abessinier sich eine eheliche Verbindung Salomo's mit der Königin von Saba, aus der der erste äthiopische Fürst Namens Menelik entsprossen sei, der sich, später in Begleitung jüdischer Priester und Gelehrter, sowie unter MiLnahine der Bundeslade in das äthiopische Reich, sein mütterliches Erbtheil. begeben habe. Man kann begreifen, wie hohen Werth der heutige abessinische Herrscher darauf legen muß, diese natürlich nur auf Tradition beruhende Geschichte, durch historische Dokumente bestätigt zu finden. Als der Islam wie eine alles verheerende Mecreswelle über den schwarzen Erdtheil dahinbrauste, brach sich seine Macht an den Hochgebirgen Aethioviens. und ist auch das Ehristenthum der Abessinier von besonderer Art, vermischt mit koptischem und jüdischem Ritus, so geschieht die Verehrung des Stifters der christlichen Religion und ein ausgeprägter Heiliaenlult nicht weniger inbrünstig wie in europäischen Landen. Durch die Angriffe der Muhammedaner dauernd in Schrecken gehalten, flüchteten die abessinischen Mönche auf die hochgelegenen natürlichen Felsenfesten oder die schwer zugänglichen, inmitten des Tanasees liegenden Inseln. Hier wurden die uralten .Handschriften versteckt, und beute, unter der segensreichen, friedlichen Regierung Meneliks kommen sie nach und nach wieder zu Tage. Die Franzosen verstanden es jetzt, sich zur Stärkung ihres politischen Ansehens des aewandtrn Journalisten Hugues le Roux zu bedienen. Wenn es sich bewahrheitet, daß die von diesem aufgekauften Handschriften genauere Angaben über die Gestalt der Königin von Saba und ihre Eigenschaft als Stammmutter des jetzigen Herrschergeschlechts enthalten, so ist das ein Erfolg für Frankreich von weittragender. politischer Bedeutung. Die Botschaft hör' ich wohl etc. Furth. Nach dem Jahresbericht der Israelitischen Realschule nebst Vorschule dahier, für das Schuljahr 1903/04, wurde die Anstalt zu Beginn des Schuljahres von 114 Schülern, nämlich 48 Vorschülern und 66 Realschülern, besucht; im Laufe des Jahres traten 3 Schüler ein und 9 Schüler aus. so daß sich am Ende ein Frequenz von 108 Schülern, 46 Vorschülern und 62 Realschülern, ergibt. Bei der am 10. und 13. Juli v. I. unter dem Vorsitz des Kgl. Ministerialkommissars, Herrn Professor Dr. Jos. Rackl aus Nürnberg, abgchaltenen mündlichen Absolutorialprüfung bestanden die neun Schüler der sechsten Klasse und erhielten das Zeugniß der wissenschaftlichen Befähigung für den Einjährig- FreiwilligrnDienst. Rußland. Warschau. (Juden - Krawalle in Russisch-Polen.) Einem Juden in der Nähe von Parczew, Gouvernement Siedlez, war ein kleines Töchterchen verschwunden. Nach langem Suchen erfuhr man. daß sich das Kind beim Propst Klopotowski im „Taufunterricht" befinde. Da es kein anderes Mittel gab, das Kind hcrauszubekommen, so entschloß sich der Vater auf Anrathen des Bürgermeisters, sein eigenes Kind wegen Diebstahls zu verklagen und benützte dabei als Vorwand die Thatsache, daß gleichzeitig mit demselben ihm auch einige Habseligkeiten abhanden gekommen waren. Das Kind würde dann vor Gericht erscheinen und das klebrige sich von selbst ergeben. Das Kind erschien wirklich vor dem Richter in Parczew, aber nicht allein, sondern in Begleitung eines Rechtsanwalts von Seiten Klopotowskis und Genossen. Der Diebstahl konnte dem unglücklichen Kinde nicht nachgewiesen werden und so wurde es freigesprochen. Als aber nun die Eltern das Kind aufforderten, mit ihnen nach Hause zu ziehen, erklärte der Richter, er habe seine Schuldigkeit gethan. die Sache gehe ihn weiter nichts an und verließ den Saal. So entstand im Gerichtssaal selbst ein Tumult, in welchem es den Eltern gelang, mit dem Kinde zu entkommen. Der Advokat raste und reizte die inzwischen angesammelte große Menschenmenge durch eine Brandrede auf, „eine schon christliche Seele zu retten." Der Aufruhr war fertig. Die «Rettung" begann mit der gänzlichen Demolierung des Hauses, in welchem die Eltern mit dem Kinde Unterkunft gefunden hatten, und entwickelte sich zu einem regelrechten Judenkrawall mit Revolverschiissen. denen über 20 Juden an Todten und Verwundeten zum Opfer sielen. Nach dem Muster von Homel soll nun den Juden der Prozeß gemacht werden und zwar wegen Erstürmung des Gerichtsgebäudes. — Schauplatz des zweiten Krawalls ist der Fabrikort Ostrowietz, Gouvernement Radom. Am 21. Juli erschien in diesem Orte ein Vagabund, der betrunken zu sein schien. Er bekam gleich Händel mit einigen jüdischen Straßenkindern, fiel hin und begann, sich konvulsivisch zu wälzen. Dies gab Anlaß zu dem Gerücht, die Juden hätten am hellen Tage einen Christen auf der Straße ermordet. Die Menge wollte den «Mord" sogleich rächen, es gelang aber der Polizei ohne besondere Mühe, die Haufen zu zerstreuen und den vielleicht fallsüchtigen Trunkenbold hinter Schloß und