Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 64 (11.8.1904)
- Date
- 1904-08-11
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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1378 Riegel zu bringen. Die Aufregung hatte sich scheinbar gelegt. Aber am nächsten Tage erhielten einige Juden die Nachricht, daß die Fabrikarbeiter (Eisenfabriken, Hochöfen) für den Abend einen Ueberfall planten. Auch der Polizeivorsteher wurde davon benachrichtigt, maß aber angeblich diesen Gerüchten keinen Glauben bei und hinderte auch die Juden, irgend welche Maßregeln zu ergreifen. Thalsächlich erschienen noch Fabrikschluß die Arbeiter in geschloffenen Reihen. Sie gaben erst politische Lieder zum Belten, dann Hurrahrufe und schrieen.- Nieder mit den Juden! Im Laufe einer Stunde waren alle Fenster und die ärmeren jüdischen Läden zertrümmert und geplündert; dann hieß es: Auf die Svnagoge! Aber dort begegneten ihnen schon die Juden mit Aerten, Eisenstäben. Stöcken und dergleichen. In der Schlägerei, die bis 3 Uhr Nachts währte. wurden 20 Juden leicht und zwei schwer verwundet. Non Letzteren ist einer. Jakob Robinstein, inzwischen seinen Wunden erlegen, der andere. Aron Subjekt, befindet sich in Todesgefahr. Dem telegraphischen Ersuchen des Polizeivorstehers um Hilfe konnte der Gouverneur von Radom nicht Genüge leisten, weil gerade am Tage des Krawalls das dort poltirte Militär nach Ostasien abgegangen war. - (Berl. Tbl.) England. London. (Chamberlain und die jü dischen Ansiedelungen in Britisch Ostafrika.) Der „Rat.-Ztg." wird von hier geschrieben: Gelegentlich des Elot-Zwischcnfalls kam das Anerbieten zur Sprache, welches die britische Negierung den Zionisten mit Bezug auf die Gründung einer jüdischen Siedlung in Britisch-Ostafrika gemacht hatte. Im „Manchester Guardian^ wird nun die interessante Mittheilung gemacht, daß die Anregung hierzu ursprünglich von Mr. Chamberlain ausging, der auch bereits dem wegen der Belväfferungsschwicrigkeiten schließlich als unausführbar aufgegebenen Plane einer jüdischen Ansiedlung im El Arisch-Distrikte der Sinai- Halbinsel seine Aufmerksamkeit gewidmet hatte. Als der vormalige Kolonialsekretär sich gegen Ende des Jahres 1902 auf der Fahrt nach Südafrika befand, unterbrach er bekanntlich seine Reise in Mombaffa und machte mit der Uganda-Eisenbahn einen Ausflug landeinwärts. Mährend er hier durch tveite Strecken fruchtbaren Landes paffirte. die weder von Eingeborenen noch von Europäern bewohnt waren, kan: ihm der Gedanke, daß eine zionistische Siedlung dem Lande nutzbringend sein würde, und daß sich die finanziellen Schwierigkeiten der Kolonie, die zu ihrer Entwicklung nur einer Bevölkerung bedürfte, auf diese Weise am besten lösen ließen. Das in der Folge den zionistischen Führern gemachte Angebot einer ausgedehnte Gebietsstrecke wurde von diesen mit großer Bereitwilligkeit entgegengenommen. Aber als im August vorigen Jahres der gewöhnliche zionistische Kongreß zusammentrat und der Vorsitzende. Dr. Herzl, den sorgfältig geheim gehaltenen Plan von einem in Östafrika unter britischer Schutzherrschast zu begründenden selbstständigen jüdischen Gemeinwesen verkündete, war die Ueberraschung und das Erstaunen allgemein. Es wurde, vor allem von den ruffischen Zionisten, der heftigste Widerspruch erhoben gegen jede Abtveichung von dem zionistischen Ideal, der Rückkehr in das gelobte Land. Nur durch den großen persönlichen Einfluß Dr. Herzls kam wieder eine Versöhnung, sowie die Annahme einer Resolution zu Stande, durch welche der britischen Regierung lediglich für das von ihr gemachte Anerbieten gedankt wurde. Allerdings wurde eine Kommission eingesetzt, um das Anerbieten in Erwägung zu ziehen und die Bedingungen an Ort und Stelle zu prüfen, aber der Kongreß bestimmte zugleich, daß die Fonds der zionistischen Bewegung für die Bestreitung' der Kosten der Reise nach Ostafrika von den Kommissaren nicht in Ansvruch genommen werden könnten. Da die Versuche, die nöthigen Mittel auf andere Weise aufzubringen, gänzlich fehlschlugen, so ist die Kommission auch gar nicht in Wirksamkeit getreten. Die amtlich ernannten Kommissare sind nicht nach dorthin abgegangen und werden auch wohl nie nach dort avgehen; denn die britische Regierung hat inzwischen die Oertlichkeit und die Bedingungen der Ansiedelung so wesentlich verändert, daß von dem ur sprllnglichen Angebot nur noch wenig übrig ist und man es daher schon aus diesem Grunde als wahrscheinlich betrachtet, daß der im August zusammentretende zionistische Kongreß den Plan überhaupt ganz und gar fallen lassen wird. Chamberlain. so schließt der Bericht, hatte offenbar zwei Dinge im Auge. Er wollte Uganda besiedeln, — und er sah gleichzeitig, daß das Ostende Londons von tausenden von armen, geflüchteten Inden überschwemmt wurde. Wenn er also die zahllosen bedrängten Kinder Israels, gegen deren Eindringen die einheimischen Arbeiter Schutz forderten, nach Britisch- Ostafrika verpflanzen konnte, so hatte er zwei wirthschaftliche Fragen mit einem Schlage gelöst. Der Plan ist fehlgeschlagen. vermischtes. Lisss i. P. (SnnagogenbaiO. Der Umbau der hiesigen Synagoge sollte bis zum 1. Oktober vollendet sein. Dies ist jedoch nichts durchführbar, weil die Arbeilen^bedeutender sind, als angenommen rourbr&mb weil der Maurerstreik nicht in Rechnung gezogen worden war. Am Samstag '.5t der Turm mm Kuppelbau gerichtet worden. . Mit Rücksicht auf die Bestimmung, die der Bau hat, ist von . einem Richtfeste Abstand genommen worden. Die Gemeindevertretung hat den beim Bau beschäftigten Arbeitern angemessene baare Beträge auSgezahlt.