Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 64 (11.8.1904)
- Date
- 1904-08-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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abhängig, die nicht acceptirt wurden. Herr Gut erj blickt das Heil in der Quantität des Stoffes, seine Spezialkollegen, die das Veto ihrer Aufsichtsbehörde fürchten, in der gründlichen Verarbeitung des jetzigen Pensums. So konnte nur eine Aussprache zum Ziele führen, die diktatorische Forderung des Herrn Gut hat den Weg versperrt. Seinen Scitenhieb unter Bezugnahme auf die Arbeit des Herrn Dr. Gutmann parire ich mit dem Hinweis, daß unser Auftraggeber, der Verbandsvorstand, die Veröffentlichung dieser Arbeit beschlossen hatte; die Kommission brauchte nicht mehr gehört zu werden, nachdem die Arbeit circulirt hatte und von keinem Mitgliede der Kommission schwerwiegende Bedenken geltend gemacht worden waren." Die beharrliche Weigerung der Veröffentlichung des Gut'schen Exposes, die unter den obwaltenden Umständen taktisch unbedingt nöthig gewesen, beweist zur Genüge, daß man den Ausführungen Dr. Gutmann's eben keine anderen entgegensetzen „w i l l", keine solche, die anderer Anschauung entsprossen! Man stellt es zwei Mal in Aussicht, man bekundet das Vertrauen darin, die Geister draußen im Lande sind schon erregt. Gut selbst bittet darum und deckt das Ganze mit seinem Namen-und dennoch! Die Vertreter des Dr. G.'s Exposes trifft keine Schuld, sie sind in dankenswerther Offenheit mit ihren Prinzipien hervorgetreten und ihrem Ziele in grader Linie zugestrebt. Mit Recht muß man aber mit Dr. Cahn den Vorwurf erheben, daß Gut einer Versäumniß sich schuldig gemacht, indem er seiner Zeit nicht in der Kommission offen Farbe bekannte und das Expose in religiöser, methodischer und wissenschaftlicher Hinsicht für ein Nonsens erklärte, dem er nie und nimmer seine Zustimmung geben könne. Als Seminarlehrer und Referent über die Seminarbildung mußte ihm sehr wohl die Grundlage des Wissens bekannt sein, auf der eine solche Weiterbildung fußen soll, aber natürlich nicht kann. Zu spät hat Gut seinen Austritt aus der Kommission erklärt, nachdem er seine Vertrauensseligkeit gebüßt. Ihm wäre der ganze unliebsame Vorgang erspart geblieben, wenn er so entschieden seinen Standpunkt vertreten hätte wie seine Spezialkollegen, die das Veto ihrer Aufsichtsbehörden fürchten." und die nicht „das Heil in der Quantität des Stoffes, sondern in der gründlichen Verarbeitung des jetzigen Pensums erblicken." — Das isi's ja, was wir hier immer und immer betonen: man bespricht R e l i g i o n s fragen, die Vorbildung von Lehrern der Religion, die Fortbildung von Lehrern der Religion, und da sott — nach den heutigen Verhältnissen — nicht der persönliche religiöse Standpunkt mitsprechen? Wo bleibt da die Logik? Früher oder später muß man auf die Gegensätze zu sprechen kommen. Hat man einmal gehört, daß die drei Rabbinerseminore zu Berlin und Breslau gemeinsam Berathung pflogen über die Rabbineraus- oder Fortbildung? Es wäre da genau so gegangen wie der Lehrerbildungskom Mission. So aber strebt schiedlich und friedlich jedes seiner Richtung zu und stört des andern Kreise nich:. Hätte man ein Vor- und Fortbildungsprogramm ausgesprochen für „fortschrittlich" gesinnte Seminarien und Lehrer aufgestellt und zwar durch ebenso ge sinnte Lehrer — keine Hand und keine Feder hätte sich darob gerührt! Das Heikle liegt eben nur in der un natürlichen Kombination von Personen und Dingen, die innerlich und ihrem Wesen nach sich widerstreben. Menschlich klug und praktisch empfehlenswertst kann das nicht sein. Ich glaube auch kaum, daß Herr Gut in. seinen hier angekündigten Darlegungen wesentlich Neues bringen dürfte, die das Ganze in neuem Lichte erscheinen lassen, es müßte denn Gravirendes h'ntcr den Coulissen stecken, was nach den beiderseits offen gepflogenen Auseinandersetzungen wohl nicht anzu nehmen ist. So ist denn die Fortbildungsangelegenheii durch einseitige, praktisch ungeschickte Behandlung zu einen, Schibolet ausgereist für die beiden religiösen Rich tungen innerhalb der Lehrerschaft. Wenn Herr Feinec (Nr. 30. 1903) glaubte, es sei die Arbeit eines wissen schaitlich gebildeten, erfahrenen Pädagogen nicht leicht Veranlassung, die „Standpunkte" hervorznkehren, so übersieht er die E i g e n a r t der Materie, die in Frage kommt. Die weitere hier dargelegte Behandlung der selben provocirte geradezu auf konservativer Seit? die Frage: Taktische Fehler — oder Symptome? In einer Reichstagswahlrede des vorigen Jahres sagte ein alter Parlamentarier (Prof. G.) in Bezug auf das gewaltige Erstarken des Eentrums wie der Sozialdemokratie: „Bei der Anerkennung, die man der Bismarck'schen Politik und Diplomatie zollen könne, muß aber auch gesagt werden, daß sie den Respekt vor dem inneren Menschen außer Acht ließ, das auch zur Staatskunsi gehört." Das Wort enthält sicher eine Summe von Weisheit und Erfahrung, die wir uns im Leben anzu eignen haben. Den Respekt vor dem inneren Menschen haben wir gerade auch in der hier behandelten Ange lcgcnheit vermißt, sonst wäre der Stand der Sache heute sicher ein anderer. Damit komme ich aber zu einem anderen Punkte, der Stellung des Lehrerzum Rabbinerstande. Rabbiner waren es. die in hervorragender Weise Interesse an der Fortbildungsfrage nahmen, die das Wort dazu ergriffen und unzweideutig ihre Meinung zum Ausdrucke brachten. Waren sie dazu berechtigt? Maren sie dazu verpflichtet? Ist ihre Absicht eine edle oder verwerfliche? Haben sie dadurch der Ehre und dem Ansehen des Lehrerstandes geschadet oder genützt? Wird ihr Veto von praktischem Werthe und Erfolg sein? Haben wir Ursache uns ihr Einmischen, ihr Anrathen zu verbeten? Das find