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Der Israelit · 1904-08-11 · Heft 64 (11.8.1904) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 64 (11.8.1904)
Date
1904-08-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1365 wenn der reiche Räuber eines solchen Löffels ihn in ein glänzendes Etui legen wurde, hatte er damit lein Eigenthumsrecht auf den Süffel erlangt. Hotte der Löffel etwas von der Einsicht, von der Anhänglichkeit und Treue auch nur eines Hundes, er wurde das Etui sprengen und zu seine« rechtsmäßigen Herrn zurückeilen. — Das Etui, in das man Sie. Herr Graf gesteckt hat. ist das Ehristenthum — mehr haä ich Ihnen nicht zu sagen.- Der Jüngling hatte die Augen zu Boden gesenkt und zwei große Thranen waren aus denselben zu Boden gefallen. »Lieber Herr Pappenheim* sprach er teile. ..es hätte dieser Beweise nicht bedurft. Seitdem mein Groß- Vater mich zum ersten Male angeredet hat. wußte ich. wohin ich gehöre. Ich habe mir oft alles zusammengestellt. was sich gegen diese Wahrheit geltend machen läßt, aber was ich bei Tag mühsam aufbaue, wirft das nächtliche Traumgrsicht des Großvaters spielend über den Hausen. Was ich Ihnen vorhin sagte, war ein letztes Ausflockern aller Scheingrunde gegen meine bessere lleberzeugung. Ick weiß wohin ich gehöre: ich weiß auch, daß ich keine Ruhe finden werde, bis ich meine Eltern und ihre religiöse Ueberzeugung gefunden habe. Das alles »veiß ich; und dennoch fällt mir die Entscheidung so unsäglich schwer." Ergriffen nahm der Greis die Hand des Jünglings in seine schwielige Rechte und sprach: »Daß Ihnen der entscheidende, erlösende Schritt so ungemein schwer fällt, macht Ihnen alle Ehre. Wie ich Ihr gutes, reines Herz und Ihren edlen Charakter immer vorausgesetzt und nun auch bewährt gefunden, habe ich es nicht anders erwartet. Sie bringen Ihrem Judenthum ein Opfer, wie es noch wenige brachten. Sie opfern ihm die Millionen, die Ihnen als Erbe des Grafen Esterhazy zufallen und tauschen dagegen vielleicht die Armutb. jedenfalls aber eine unsichere materielle Zukunft ein. Ich spreche davon zuerst, weil der Adel Ibrer Gesinnung wahrscheinlich davon gar nicht gesprochen hätte und doch muß auch dieser Punktmit dem ganzen Ernst, den er fordert, in's Auge gefaßt »verden." »Sie haben Recht. Herr Pappenheim.- bemerkte der Jüngling, »wenn Sie glauben, daß es diese Erwägung nicht ist. welche mir die Entscheidung so schwer macht. Auch der Flitter der Grafenkrone ist es nicht, den ich mit den Dornen der Märtyrerkrone vertausche. Es ist der Gedanke an meine Pflegecltern. der mich nicht zu einem männlichen Entschlüsse kommen laßt. Mau mag über meine Entführung -denken, wie man immer wolle, auch wenn mein Pflegevater damit gegen meine Eltern ein schweres Unrecht begangen hat, gegen mich hat er immer so edel u«d gut. so aufopfernd väterlich gehandelt, daß meine Rückkehr zum Judenthum ihm gegenüber als schnöde, herzlose Undankbarkeit erscheint. Ich darf mich natürlich von meinen Pflegeeltern nicht verabschieden, ich muß sie heimlich verlassen, muß weit, weit fort von ihnen flüchten, denn sie werden kein Mittel unversucht lassen, mich wieder zurück zu erhalten. Me ich darüber hinwegkomme. darüber kann ich mir keine Klarheit verschaffen. Was denken Sie davon?" ..Edler Graf!" entgegnete Pappenhcim. - »Unsere Weisen lehren, daß. wer ernstlich die Reinheit will, daß dem auch der göttliche Beistand nicht fehlen wird, der alle Hindernisse bewältigt. Nachdem ich sehe, daß Sie sich mit dem Gedanken bereits vertraut gemacht haben. Ihrer hohen Stellung. Ihrer glänzenden Zukunft. allen irdischen' Gütern und selbst Ihren Pflegeeltern zu entsagen um der Wahrheit die Ehre zu geben, halte ich es für meine Pflicht. Sie auf folgendes aufmerksam zu machen. Sie sind ein junger Mann. der. wie es edlen Naturen eigen ist, leicht sich für das Wahre und Gute entscheidet, wie schwer auch die Entsagung sein mag. die sich an diese Entscheidung knüpft. Ick bin ein ungelernter, einfacher Mensch, den Gott zwar als sein Werkzeug in dieser Sache gewürdigt hat. aber deßhalb bin ich doch weit davon entfernt, meine geringe Bedeutung zu überschätzen. Obwohl es mir gar kein Zweifel ist. daß Sie so handeln müssen, wie ich Ihnen von vornhinein sagte, so halte ich doch die Angelegenheit für zu wichtig, als daß meine Ansicht allein den Ausschlag geben soll. Bei uns Juden wendet man sich in solchem Falle an einen der Großen in Israel und bittet um ihre Belehrung. Das wollen auch wir in diesem Falle thun. Sind Sie damit einverstanden?" »Vollkommen! obwohl mir Ihr Rath hinlänglich genügen würde." entgegnete Ignatius. ,,Jch willige deßhalb mehr zu Ihrer Beruhigung ein. als zu der meinigen —" «Das eiyfachste wäre." bemerkte Papenheim, »wenn ich selber zu einem solchen Rabbi reisen würde. Aber ich darf mich nicht für längere Zeit vom Schlosse entfernen, ohne daß man es dann mit Jh>er endgültigen Entfernung in Verbindung bringen wird. Es muh dieses Mal besonders alles vermieden werden, was den Verdacht aufkommen läßt als seien Juden mit ihrer Entweichung im Spiel. Ihr Pflegevater wurde es dieses Mal die Juden in einer Weise entgelten lassen, die wir beide nicht verantworten können. Ich wäre deßhalb der Ansicht, gelegentlich meines heutigen Besuchs in Beßprim mich Rabbi Schefiel Tusmeniß erkennen zu geben. Er ist ein gar guter Rathgeber, er soll einen anderen zu einen, großen Rabbiner schicken und mir dann Bescheid zukommen lassen. Das wird im günstigsten Falle vierzehn Tage erfordern. Bis dahin überlegen Sie noch einmal mit aller Ruhe den Schritt, den Sie zu thun im Begriffe sind und bitten Gott um rechte Einsicht und Thatkraft, vor allem aber um Stuften Beistand, und ich will dasselbe thun. Sie

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