Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 64 (11.8.1904)
- Date
- 1904-08-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1362 &;nber haben es mit ermöglicht, jetzt mit meiner gan-. zen Familie ihnen in die Neue Welt zu folgen. — Dort dürfte uns vielleicht das Glück einer neuen Heimath noch blühen, denn in Rumänien waren wir trotz nuferer Vaterlandsliebe heimathlos und vogelfrei. Und was ich von mir erzähle, gilt auch von den übrigen Auswanderern." Es wurde Zeit zum Einsteigen, wir nahmen kurz Abschied, und langsam setzte sich der Zug mit den vielen Heimathlosen in Bewegung zum nächsten Hafen, wo sie sich nach Eanada einschiffen sollten . . ." Berlin. Zn dem „Berl. Tagebl." berichtet Dr. Hugo Gans die Konstatirung eines „Ruffischen .konservativen": „Die Ersten, die nach Asien geschickt wurden, waren die Polen. Juden und Armenier. Unter unseren Kriegstruppen sind die Polen, aber insbesondere die Juden, fünfmal so stark vertreten, als sie nach ihrer Bevölkerungszisscr vertreten sein dürften. Warum das alles? Um die wichtigsten Elemente der Unzufriedenen — natürlich haben ja Polen. Juden und Ruthenen am meisten Ursache zur Unzufriedenheit — hiuauszuexpediren. auf Jahre hinaus, vielleicht auf Niminerwiederfeben. Derweil ist zu Hause Ruhe." Berlin, 8. Aug. Der .Hilfsverein der deutschen Juden bat für unsere ruffischen Glaubensgenossen, die von der ökonomischen Krisis im Zarenreiche besonders hart betroffen ünd. 50 600 Mk. bewilligt und bereits 10,000 Mk. für dringende Bedürfnisse nach Rußland gesandt. Es ist dafür Sorge getragen, daß die Unterstützungsaelder in rationeller Weise an die einzelnen Gemeinden vertheilt werden. Ferner hat der .Hilfsverein der deutschen Juden seine Bewilligung von 500 Rbl. für das durch Feuer schwer heimgesuchte Wilkomir um 250 R. — auf 750 R. — erhöht, und er hat weitere 16OO Mk.. die ihm für diesen Zweck vom Hilfskomitee für die russischen Juden zu Frankfurt a. M. freundlichff zur Verfügung gestellt worden sind, zur gleichmäßigen Bertheilung an die Abgebrannten von Wilkomir, Dowbroviha und Korostyschew überwiesen. Konih. Das Vorverfahren gegen die Familien Berg. Roß und Maslaff wegen vorsätzlicher Tötung des Gymnasiasten Ernst Winter, resp. wegen Begünstigung hierzu, ist eingestellt worden, linier dem 23. v. M. nämlich ging, wie das „Koniher Tageblatt" ineldet, den Berreffenden seitens der Koniher Staatsanwaltschaft folgendes Schreiben zu: „In Gemäßheit des § 168 Abs. 2 der Strafprozessordnung werden Sie hierdurch benachrichtigt, daß das gegen Sie wegen vorsätzlicher Tötung eingeleitete Vorverfahren durch diesseitige Verfügung vom heutigen Tage eingestellt worden ist. Der I. Staatsanwalt. Schweiager." Mechernich, 9 Aug. Der heutige Tag war ein Festtag für die hiesige jüdische Gemeinde. Das allgemein geachtete und beliebte Ehepaar Simon Wolfs und Frau Henriette, geb. Mayer, feierten im Kreise ihrer Kinder iinb Enkel und der aus weiter Ferne her beigeeiltcn Verwandten und Bekannten das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Durch eine Deputation der jüdischen Gemeinde, deren Vorsteher der Jubilar, wurde dem Jubelpaare ein von der Gemeinde gewidmeter silberner Pokal unter passender Ansprache des Herrn Nathan- Eisnvey, überreicht. .Herr Bürgermeister Brünsin g gratulirte und überreichte gleichzeitig bei ent sprechender Anrede die von Sr. Majestät dem Kaiser verliehene Ehe-Jubiläums Medaille, sowie alsdann der kathol. Pfarrer. Herr H ü n e b e ck. seine Glück wünsche d«-m Jubelpaare darbrachte. Herr Hanauer. Euskirchen, und Kaufmann, Mechernich, gratu lirten mit einigen gut gewählten Worten des Ersteren. im Namen des „Vereins für jüdische Interessen Rheinlands". dem sowohl der Jubilar selbst, als auch die Gemeinde angehört. Herr Lehrer V o ß . Münstereifel. hielt die eigentliche Festrede, die derselbe auch glänzend und meisterhaft ausführte. In welch' hoher Achtung und Verehrung das Jubelpaar auch bei Andersgläubigen steht, konnte man so recht an der Vorbereitung und Bethciligung bei der Feier wahrnehmen, indem schon Wochen lang vorher die Anordnungen zur Verherrlichung des Festes mit regem Eifer betrieben wurden. Möge dem Jubelpaare, welches rrs noch ganz wacker und rüstig, noch viele ungetrübte Jahre des Lebens beschiedcn sein, um dereinst in gleicher Geistesfrische die diamantene Hochzeit im Kreise seiner Lieben feiern zu können. 4lnS Württemberg. 4. Aug. Heute wurde in Göppingen der älteste württernbergische Rabbiner, der im Jahre 1816 in Kochendorf geborene Kirchenrath a. D. M. H e r z unter grösserem Geleite zu Grabe getragen. Rach vollendetem Studium übernabm Herz 1840 die Stelle eines Hauslehrers im Hofrath Pfeifcrschen Hause und erhielt 1845 das Rabbinat Babenhausen. das später nach Göppingen verlegt wurde. Diese Stelle verwaltete er bis zu seiner 1805 erfolgten Pcnstonirung. Anläßlich seines 70. Geburtstages erhielt er den Friedri.hsorden und 1895 den Titel eines Kirchenraths. Mehrere Jahrzehnte lang war Her; Mitglied der Kgl. Prüfungskommission für die würt tembergifchen Rabbinen. In der Synagoge gab Rab biner Straßburger den Gefühlen der Thrilnahrne beredten Ausdruck: am Grabe widmeten Rabb. Kah - Heikbronn und Kirchenvorsteher Fleischer dem Verstorbenen einen warmen Nachruf. Oesterreich. Wien, 10. Aug. Das antisemitische „Deutsche Volksblatt" ineldet: Der Flügeladjutant Oberstleutnant v. Gelb richtete im Aufträge des Erzherzogs Franz Ferdinand eine anerkennende Zuschrift an den GLrzer Fürsterzbischof für dessen Erlaß gegen die Der-