Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 64 (11.8.1904)
- Date
- 1904-08-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1360 bafe du fürchtest? Wärest du Herr deiner Geschicke, hättest du selbst zu kämpfen, so wäre diese deine Furcht wenigstens verständlich. Man würde dich zwar nicht bewundern, aber doch begreifen, man wurde dich nicht als tapferen Helden anpreisen, aber man hatte doch eine Erklärung. Aber du bist doch so gar nichts; du bist so unendlich schwach und klein, daß du aus eigener Kraft niemals etwas erreicht hast noch erreichen könntest, du bist so hilflos, daß du dir zu keiner Zeit allein rathen und helfen konntest und du siegtest dennoch in unzähligen Schlachten, du bestehst trotz deiner Schwäche und Hilflosigkeit. Warst du es, der gesiegt, warst du es. der gekämpft, warst du es. der dich erhielt? Gott dein Gott war es. der für dich gesorgt. Er allein sicherte dir dein Bestehen und du fürchtest dennoch; du fürchtest trotz der sichtbaren Zeichen der göttlichen Huld und Gnade, die dein Leben bis heute als Schild umgaben? tzz TCn TIEiT) pX “DT V'DV 71L2 TVV T N2VW ptfen ran 'wa tmr.. „Du hast Gott deinen Schöpfer vergessen, der die Himmel geneigt und die Erde gegründet und darum bebst du alle Tage vor der Wuth des Drängers." Würdest du dich deines Gottes erinnern. so wäre dir ein jedes Gefühl der Furcht fremd, aber du hast an Gott vergeffen und darum Erläßt die Angst dich nicht. Und trotz deiner Angst oder vielmehr gerade ihretwegen verfällst du auf wahnwitzige Ideen, die ebenso eine nothwendige Folge der lähmenden Angst als einer beispiellosen Ueberhebung sind. Da du an Gott vergeffen hast, so erinnerst du dich auch seiner Verheißung nicht, daß er dich einst, wenn du deine Aufgabe hier inmitten der Völker gelöst haben wirst, in deine Heimath zurückfiihren wird und du fürchtest, daß dich deine Feinde hier ganz aufreibcn werden und du denkst dal an, dick selbst zu befreien. nr,E.-& nj« me wnb tdit x*n nnpb me' xVi. „Der langsam Sckreitende eilt befreit zu werden, damit er nicht dahinsterbe in Verderben und sein Brod nicht mangle." Jißroi-l hat an Gott vergessen, es hat verlernt zu Ihm emvorzublicken, der es in wunderbarer Weise gelenkt und geleitet hat. der es in den Staub geworfen und in die Fremde vertrieben hat, damit es dort die Ausgabe der innerlicken geistigen Selbstbefreiung löse, damit es dort durch sein Leben die Menschheit für Gott gewinne, darum fühlt es jeden Schmerz doppelt, darum ist das Leid doppelt schwer zu ertragen, — denn es weiß nicht, wofür es leidet. Es findet in seinem Innern keinen Ersatz für die Kränkungen von außen und sie brennen daher doppelt auf seiner Seele. Es schreitet langsam vorwärts in der Losung seiner Aufgabe und steht auch zuweilen ganz still, und möchte doch rasch befreit werden. Und worin erblickt dieses Volk die Befreiung? «ntz w xd:. Indem Verschwinden der Nahrungssorge sieht es sein Heil und keine Rettung. Hätte es an. Gott und seine Bestimmung nicht vergessen, so würde es wohl wissen, daß die materielle Noth die verhältnißmäßig geringere ist im Vergleich zu der geistigen, unter der es dahinlebt. Die Söhne Israels würden dann erkennen, daß es in erster Reihe gilt, dem religiösen Abfall zu steuern, daß es gilt, sich aus dem geistigen Tiefstand emporzuringen, daß es die vornehmste Pflicht ist. sich für das Leben in und nach den Gesetzen Gottes zu erziehen, sie würden begreifen, daß der einzige Weg zur Freiheit die Rückkehr zu Gott ist, daß der äußeren Befreiung die innere, der Besitz crgreisung von Land und Boden die Besitzergreifung von sich selbst, der endlichen Heimkehr die Rückkehr zu Gott vorangehen muß. sie würden verstehen, daß, wenn wir so unvorbereitet, ohne unsere Aufgabe gelost zu haben, befreit würden, wir vielleicht ein L a n d, aber keine Heimath hätten, denn unsere Heimath ist nur das Zion, von dem Wahrheit ausgeht, wo Gott allein herrscht und nur Sein Wort Gesetz ist. So aber strebt der langsam Schreitende eine Befreiung an. die er niemals erreichen kann und die ihm auch nicht viel nutzen würde. Denn i'se nsn eto. Ich legte Meine Worte in deinen Mund. Ich erkor dich zum Träger Meiner Thora, die dir allein Kraft geben kann, dir hier unter deinen Feinden einen Himmel zu pflanzen, die es dir ermöglicht, auch unter deinen Feinden festen Fuß zu fassen px “D^ s'cr und nur durch die Erfüllung ihrer Gebote durck die Zionssöhne können diese wieder Mein Volk werden, rmx wv pnrb TaxV:. Darum erwache. erwache Jerusalem, die du den Leidenskelch bis zur Neige geleert, die du auch das Schmerzlichste hast erfahren müssen, daß deine Kinder, die du großgezogen, dich verlassen haben. Deine Kinder, die sich mit Stolz deine Kinder nennen, sie sind nicht dein, du kennst sie nicht. Du bist für sie ein Schlagwort, „die Zugkraft von vorne", ein Wort ohne tiefere Bedeutung und das ist das Schmerzlickste. was dir während deiner langen, langen Leidenszeit widerfahren ist. Zu dem Leid von außen gesellt sich das Leid von innen — und deine Kinder sie berauschen sich an Worten und sie können dir daher nicht helfen. Darum erwache, erwache Jerusalem. löse deine Fesseln Tochter Zions, mache dich innerlick frei und du wirst frei werden. Deine Macht, deine günstige äußere Stellung kann dir nichts nutzen, dein Geld wird dich nicht befreien, denn cmcea osn 'druri vb\ Wäret ihr nur aus dem Grunde in die Fremde gegangen, weil euere materielle Lage es euch nicht erlaubte, euren Feinden länger Widerstand zu leisten; wäre der äußere Verfall die Ursache des inneren gewesen, dann könntet ihr vielleicht daran denken, euch eure Freiheit für Geld zu erwerben, aber leider so war es nicht. Der innere Verfall war die Ursache des äußeren, die Krankheit im Innern breitete sich auch nach außen aus. Darum ibrvn -.222 vtr. wird euch euer Geld keine Erlösung bringen. Von innen heraus muß das Werk der Befreiung begonnen, werden, die Krankheit im Innern muß gehoben sein, wenn ihr