Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 27-28 (11.4.1904)
- Date
- 1904-04-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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*94 die verschiedensten, industriellen .^ihen. als gelungen angesehen werden kann, welcher Umstand um so höher zu veranschlagen ist, als dieser Baum, der zum Zwecke der Bodenaustrocknung gepflanzt ist. mit einer rapiden Schnelligkeit wächst. Aber nicht nur diese landwirthschaftlichen Produkte. sondern auch die Erzeugnisse der Hausindustrie bilden eine Anziehungskraft für den Besuch der Ausstellung. Zu erwähnen sind als solche die Weißsteinarbeiten (Modelle von Gebäuden und Denkmälern etc.) sowie die Krüge und Geräthe aus Jordanstein. Einen breiten Raum nehmen sowohl die Holzschnitzereien als auch die Seiden- und Goldstickereien ein. von welch' letzterem ein großer Theil bereits angekauft ist. Wohlverdiente Anerkennung finden bie bereits für den Export in's Ausland geeigneten Produkte des Weinbaues und der Orangerien und werden speziell die ausgestellten Medicinalweine von Aerzten und Apothekern als vorzüglich geeignet, sowie als preiswürdig anerkannt. Der eigentliche Zweck dieser Ausstellung, das Interesse für Palästina für seine Colonisation. sowie für die zum Export nach Europa geeigneten Artikel zu wecken, durfte sobin mit dieser Ausstellung erreicht werden und empfiehlt es sich daher, die Gelegenheit, einen Einblick in den heutigen Stand der Colonisationsbewegung zu gewinnen, nicht vorübergehen zu lassen. Sollte diese Ausstellung außerdem den Anlaß bieten, in Oesterreich alle Freunde der Kolonisation Palästina's und deren Förderung zu geiminsamer. thatkrästiger Arbeit aufzurufen und zusammenzuschlietzen. so wäre der bedeutende Aufwand an Mitteln und Arbeit von herrlichstem Erfolge gekrönt. Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen« Deutschland. Drcöden. Die pieee de r6sistance der Verhandlungen des XIII. deutschen Turnertages bildeten die Debatten über den von den antisemitischen Turnvereinen Oesterreichs eingeführten sogenannten Arierparagraphen. der Juden grundsätzlich von diesen Vereinen ausschließt. Es ist nur mit Genugthuung zu begrüßen, daß der deutsche Turnertag durch seinen Beschluß, der den deutsch-freiheitlichen Turnvereinen in Oesterreich die Rechte eines eigenen Turnkreises zuerkennt und sie somit von dem Terrorismus des unter der Führung der Alldeutschen Schönerer und Wolfs stehenden X V. Turnkreises befreit, den Versuchen, dem Antisemitisums unter der Flagge der Hochhaltung des Rationalitätsprinzips offiziell Eingang in die Turnerschaft zu verschaffen, eine entschiedene Absage hat Theil werden lassen. Besonders erfreulich ist dabei auch die geschlossene Gegnerschaft der gesammten reichsdeutschea Turnerschaft gegen das Vorgehen der antisemitischen österreichischen Turnvereine. Ob nach dem Beschluß der Zusammenhang der gesammten deutschen Turnerschaf! einschließlich der deutschen Turnvereine in Oesterreich in Zukunft wird aufrecht erhalten werden können, erscheint uns allerdings trotz des versöhnenden Aus- Nangs der Debatten sehr fraglich. Ritter Georg v. Schönerer und Karl Wolfs werden voraussichtlich sofort allen ihren Einfluß geltend machen, um den XV. Turnkreis zum Austritt aus dem deutschen Turnverein zu veranlassen, natürlich nur im Interesse der Sicherung des „unverfälschten Drutschthums". So sehr man nun auch eine solche Scheidung der deutschen Turnerschaft im wirklichen wohlverstandenen nationalen Interesse bedauern müßte, so wenig wird man es den reichsdeutschen Turnvereinen verübeln, wenn sie es ablehnen, sich den diktatorischen Forderungen eines Schönerer und Wolfs zu fügen, die weder in nationaler, noch in sittlicher Beziehung ein Recht haben, sich als legiiimirte Vertreter des reinen Deutschthums aufzuspielen, der mütterlicherseits von Juden stammende Ritter Georg nicht einmal vom antisemitischen Standpunkt aus; und über Herrn Karl Wolfs, der erst vor einigen Tagen in seiner bekannten Ehescheidungsasfäre durch Erkenntniß des obersten Gerichtshofes als der allein schuldige Theil erklärt worden ist, ist in allen denjenigen deutschen Kreisen, in denen deutsche Treue und Reinheit durch die Thai bewiesen wird, längst das Urtheil gesprochen. Q e st e L r e i ch. Wien, 8. April. Londoner Telegramme meldeten eine grausame Verfolgung der Juden in Lompalanka (Bulgarien), wo angeblich drei Juden gekreuzigt wurden. Nun wird aus Sofia berichtet: In Lompalanka fanden wohl Exzesse gegen die Juden statt, die aber unblutig verliefen. Durch Z^störung und Plünderung oon Häusern wurde wohl viel Schaden angerichtet, aber es wurde kein Jude getödtet oder verwundet. Lemberg, 10. April, rvr vh nr. In der Synagoge ereilte am letzten Jomtob den hiesigen Oberkantor. den achtzigjährigen Herrn B a r u ch Schorr. ein tragisches Geschick. Während des Aushebens stürzte der Greis vor dem offenen Araun hakaudesch mitten im Gesänge tot zusammen, wodurch unter der anwesenden Gemeinde große Aufregung und Bestürzung entstand. In der Frauenabtheilung rief der Vorfall eine Panik hervor, wobei mehrere Frauen erheblich verletzt wurden. Ungarn. Mattcrsdorf, 31. Marz. (Ein Exceß gegen die Juden.) Heute Mittag provozirten bei der Assentirung in Mattersdorf, im Komitat Oedenburg, kroatische Rekruten einen Streit mit den Juden.